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Von A bis Z: Was Sie über die Strategien der Investmentbanken für 2014 wissen müssen

Wie sieht der Kurs der Investmentbanken in den kommenden zwölf Monaten aus?

Wie sieht der Kurs der Investmentbanken in den kommenden zwölf Monaten aus?

Falls Sie sich fragen, wie die Strategien der führenden Investmentbanken für 2014 aussehen, dann sind Sie hier richtig. Wir wagen einen Ausblick auf die Entwicklungen und Ansätze sämtlicher relevanten Institute für die kommenden zwölf Monate. Besonders achten wir dabei auf die Auswirkungen auf Beschäftigung und Vergütung. Die Prognosen beziehen sich aber nur auf das Investmentbanking der jeweiligen Banken:

Bank of America Merrill Lynch: Bereits 24.000 Stellen gestrichen

Die Bank of America Merrill Lynch (BAML) hat die Hälfte ihres Restrukturierungsprogramms hinter sich, wonach die jährlichen Kosten bis Ende 2015 um 2 Mrd. US-Dollar verringert werden sollen. Im Dezember verkündete BAML-Chef Brian Moynihan, dass das Institut bereits 70 Prozent seiner Ziele erreicht habe.

Trotz dieser Strategie scheinen die Jobs der Investmentbanker bei BAML vergleichsweise sicher zu sein.  So hat BAML in 2012/13 allein 24.000 Stellen abgebaut – die meisten davon entfielen allerdings auf das Filialgeschäft. Dennoch scheinen die Kosten im Kapitalmarktgeschäft recht hoch auszufallen, wodurch ein weiterer Stellenabbau in Sales und Trading wahrscheinlich sein dürfte.

Barclays: Kostensenkung und Verringerung der Leverage

2014 stellt für die britische Großbank Barclays eine besondere Herausforderung dar. Denn der Investmentbanking-Arm des Instituts verfügt über eine zu hohe Leverage und außerdem befinden sich Kosten und Erträge in einem ungünstigen Verhältnis. So haben die Analysten der Deutschen Bank bereits im Oktober herausgearbeitet, dass die Erträge von Barclays‘ Investmentbank im dritten Quartal um stolze 899 Mio. Pfund eingebrochen sind, während die Kosten lediglich um 75 Mio. Pfund gesenkt wurden. Entsprechend traurig fallen die Aufwands-Ertragsrelationen aus. Demnach lag der Anteil der Vergütungen an den Erträgen bei 47 und der Anteil des Aufwands an den Nettoerträgen bei 78 Prozent. Die strategischen Ziele für 2015 liegen indes bei 35 bzw. 60 Prozent.

Falls sich dieser Trend fortsetzen sollte, dürfte die Bank kaum um harte Einschnitte herumkommen. Dabei scheint der Vorstand die Mitarbeiter bereits auf weitere Einsparungen einzustimmen. So hat Barclays‘ Finanzchef Tushar Morzaria für die Bekanntgabe des Jahresergebnisses im Februar 2014 eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung angekündigt. Schlechte Aussichten also für die Investmentbanker des Instituts.

So rechnen die Analysten von Berenberg damit, dass das Institut sein Investmentbanking zurückstutzen wird. Ihre Kollegen von der Deutschen Bank gehen davon aus, dass Barclays die Bilanzsumme ihres Investmentbankings bis 2015  um weitere 100 Mrd. bis 150 Mrd. Pfund verringern müsse. Damit dürfte ein Jobabbau vor allem im Fixed Income-Geschäft der Bank vorgezeichnet sein. Im Aktiengeschäft könnte es indes einen leichten Personalaufbau geben. So prognostiziert der Chef von Barclays‘ Aktiengeschäft Johnathan Beebe für 2014 Neueinstellungen.

Im schlimmsten Fall könnte sich Finanzchef Morzaria bei seiner strategischen Überprüfung sogar zu einer Abspaltung des Investmentbankings durchringen. „Barclays sollte sich überlegen, ob das Universalbankenmodell auf lange Sicht das Beste ist“, meinen die Berenberg-Analysten.

BNP Paribas: Expansion in Deutschland, Effizienzsteigerung daheim

Auch BNP Paribas befindet sich inmitten eines Sparprogramms, mit dem die jährlichen Kosten bis Ende 2015 um 2 Mrd. Euro gedrückt werden sollen.  Zumindest theoretisch hat das Investmentbanking der französischen Großbank das Schlimmste bereits hinter sich. Denn schon in 2012 waren rund 1400 Stellen gestrichen worden.

Allerdings stellt sich die Frage, wie wirksam die Sparmaßnahmen der Franzosen tatsächlich ausgefallen sind –  vor allem weil sich die Erträge in Sales und Trading seit 2007 recht bescheiden entwickelt haben. Die Analysten der Deutschen Bank weisen auf die Überprüfung der Strategie hin, die die Bank für März angekündigt hat. Danach dürfte mehr Klarheit über die Kostenstrategie von BNP Paribas bestehen.

Dennoch stellen die Franzosen in 2014 kräftig ein. Das Gros davon dürfte indes auf das Ausland entfallen. So will die Bank in den kommenden drei Jahren 1300 Mitarbeiter für ihr asiatisches Corporate and Investment Banking anheuern. Auch in Deutschland will BNP Paribas in dem gleichen Zeitraum über alle Geschäftsbereiche hinweg 500 neue Stellen schaffen.

Citi: Einsparungen, Ertragssteigerungen und selektive Neueinstellungen

Wie die meisten US-Banken hat sich Citi ambitionierte Ziele bei den Kosten und der Effizienzsteigerung gesetzt. Laut Bankchef Mike Corbat strebt die Bank bis 2015 eine Aufwands-Ertrags-Relation von 50 Prozent an. Wie der unten stehende Chart belegt, konnte die Bank ihre Kosteneffizienz in den zurückliegenden Jahren tatsächlich beträchtlich steigern.

Auf der anderen Seite scheint Citi zumindest in Europa signifikante Neueinstellungen besonders in den Bereichen Sales und Trading vorgenommen zu haben. Auch Headhunter zeigten sich optimistisch, dass die Bank in den kommenden Monaten selektiv einstellen werde.  Dies gilt besonders im Rohstoffgeschäft, aus dem sich viele Wettbewerber zurückziehen.

Citi's big achievements

Credit Suisse: Kosteneinsparungen und Festhalten am Fixed Income-Geschäft

Im dritten Quartal kletterte die Aufwands-Ertrags-Quote im Investmentbanking der Credit Suisse auf besorgniserregende 90,8 Prozent. Die Bank musste für jeden Franken Ertrag also fast 91 Rappen springen lassen. Dennoch plant die Credit Suisse keinen Radikalumbau wie der Wettbewerber von der anderen Seite des Paradeplatzes. Dennoch will sich die Schweizer Großbank aus ihrem schwächelnden Rates-Geschäft zurückziehen und die nach Basel III risikogewichtete Aktiva abbauen.

Überdies wird das ambitionierte Sparprogramm bei der Credit Suisse auch in 2014 weitergehen. Bis Ende 2015 plant die Bank ihre jährliche Kostenbasis um 4,5 Mrd. Franken zu verringern. Bis zum Jahresende 2013 hat die Bank allerdings bereits Einsparungen von 3,2 Mrd. Franken erreicht.

Abgesehen von den Mitarbeitern im Rates-Geschäft dürften laut dem unten stehenden Chart vor allem die Bereiche Devisen- und Rohstoffhandel von Personalabbau bedroht sein. Da die Credit Suisse ihre Eigenkapitalrendite deutlich steigern will, dürften vor allem Bereiche mit einer geringen Rendite gefährdet sein.

Strategic priorities at Credit Suisse

Deutsche Bank: Falls sich die Erträge nicht rasch erholen, droht der Griff zur Axt

Die Deutsche Bank hat besonders in ihrem großen Fixed Income-Geschäft mit  ihren Kosten zu kämpfen. Ähnlich wie die Credit Suisse will sich der deutsche Branchenprimus eher durch die Krise lavieren als größere Veränderungen am Geschäftsmodell vorzunehmen. Im dritten Quartal  lag die Aufwands-Ertrags-Quote im Corporate and Investment Banking des Konzerns bei stolzen 86 Prozent. Im Vorjahresquartal hatte dieser Wert noch bei 72 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum purzelten die Erträge aus dem sehr wichtigen Fixed Income-Geschäft sogar um 48 Prozent. Die Eigenkapitalrendite des Investmentbankings lag bei bescheidenen 5 Prozent.

Der für die Sparte zuständige Co-Chef der Deutschen Bank Anshu Jain bezeichnete die Ergebnisse im dritten Quartal als inakzeptabel und betonte, dass man sich auf einer „strategischen Reise“ befinde. In 2013 bedeutete dies bislang, dass fast 2500 Stellen im Investmentbanking weggefallen sind, wovon indes nur rund 560 auf das Frontoffice entfielen.

Falls sich die Erträge aus dem Fixed Income-Geschäft nicht bald wieder erholen sollten, dürfte die Bank um einen Stellenabbau kaum länger herumkommen. Schon heute zieht sich die Bank aus dem Rohstoffgeschäft zurück – vielleicht wird es nicht dabei bleiben.

Auch die Deutsche Bank muss ihre Leverage-Ratio im neuen Jahr verringern, weil die europäischen Regulierungsbehörden die Kriterien verschärft haben. In den ersten sechs Monaten 2013 hat die Sparte ihre Bilanzsumme bereits um 100 Mrd. Euro verringert; bis 2015 sollen weitere 250 Mrd. Euro folgen. Selbst nach diesem Bilanzkahlschlag falle die Leverage-Ratio immer noch zu hoch aus, meinen die Analysten von Berenberg.

Goldman Sachs: Steigerung der Eigenkapitalrendite

Die Steigerung der Eigenkapitalrendite hat Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein bei einer Konferenz der BAML als das große Ziel für das neue Jahr ausgegeben. Laut den Analysten von Bernstein Research lag die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) seit 2010 bei durchschnittlich 9,2 Prozent. Nur zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2006 lag dieser Wert noch bei beeindruckenden 19,7 Prozent. Doch wie will Goldman Sachs dieses hehre Ziel erreichen?

Dazu plant die Bank ihre starke Position im M&A-Geschäft sowie in Equity Capital Markets zu verteidigen. Auf der anderen Seite soll das auf das Fixed Income-Geschäft entfallende Eigenkapital ebenso zusammengestrichen werden wie die Vergütungen der Mitarbeiter. Mithin dürften die Mitarbeiter weniger Geld erhalten und immer mehr Jobs in kostengünstigere Standorte wie Mumbai oder Salt Lake City verlagert werden.

Andererseits ist ein breiterer Personalabbau bei Goldman Sachs eher unwahrscheinlich, da die Bank wiederholt bekräftigt hatte, an schwierigen Geschäften wie dem Fixed Income Sales und Trading festhalten zu wollen und das Ausscheiden von Wettbewerbern abzuwarten. Darüber hinaus will Goldman Sachs für das M&A-Geschäft 14 Prozent mehr Berufseinsteiger anheuern.

JP Morgan: Hohe Ausgaben für die Kontrolle, Einsparungen anderswo

Konzernchef Jamie Dimon kündigte im Dezember an, die „Kontrollprobleme“ der Bank in 2014 angehen zu wollen. Immerhin sind die Verfehlungen der Vergangenheit im laufenden Jahr mit Milliardenkosten zu Buch geschlagen. Demnach will die Bank in diesen Bereich etwa 2 Mrd. US-Dollar investieren. Für Experten aus den Bereichen Risikomanagement, Compliance, Recht, IT usf. dürften dies verheißungsvolle Aussichten sein.

In den anderen Bereichen sieht es hingegen weniger rosig aus. So hat JP Morgan angekündigt, die Kosten weiter zu drücken und die Effizienz steigern zu wollen. Allerdings hat sich Dimon auch zuversichtlich gezeigt, die Erträge aus dem Investmentbanking in 2014 wieder steigern zu können. Dabei werde allerdings das Trading immer stärker elektronisch abgewickelt.

Morgan Stanley: Restrukturierung wird fortgesetzt

Bei Morgan Stanley ist das Jahr 2013 erfreulich verlaufen. So haben die Aktien der Bank bis zum Dezember um 62 Prozent zugelegt. Mithin kann Morgan Stanley-Chef James Gorman nicht allzu viel falsch gemacht haben, weswegen mit einer Fortsetzung der bewährten Strategie zu rechnen ist. Die Analysten von Bernstein rechnen damit, dass die US-Amerikaner ihre Position im Aktien-Geschäft verstärken.

Dagegen hat die Bank ihre Ambitionen im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) zurückgeschraubt und sich damit abgefunden, dass der Bereich keine Erträge von 6 Mrd. US-Dollar pro Jahr generieren kann, wie es sich die Bank noch vor Jahren zum Ziel gesetzt hatte. So hat im Dezember der Chef des Geschäfts mit institutionellen Anlegern Com Kelleher bei einer Konferenz von Goldman Sachs erwähnt, dass die Erträge im Fixed Income-Geschäft im neuen Jahr voraussichtlich stagnieren würden und dass die Bank die Restrukturierung des Bereichs erst zur Hälfte abgeschlossen habe. Aus dem physikalischen Handel mit Rohstoffen ist Morgan Stanley bereits ausgestiegen, nachdem die Erträge von 3 Mrd. Dollar in 2008 auf nur noch 700 Mio. Dollar in 2013 eingebrochen waren.

Wie Goldman Sachs dürfte auch Morgan Stanley sich in 2014 auf die Verbesserung ihrer Eigenkapitalrendite konzentrieren. Laut Kelleher handle es sich dabei um die „erste Priorität“, was besonders für die Situation im Fixed Income-Geschäft gelte. Die Mitarbeiter dürften indes weiterhin gut bezahlt werden, da der Wettbewerb um die besten Köpfe „intensiv“ sei, wie Kelleher weiter ausführte.

RBS:  Die Furcht vor dem Kahlschlag

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat für den Februar ebenfalls eine Revision der Strategie angekündigt. Die Ergebnisse dieser Überprüfung könnten für das Investmentbanking gravierend ausfallen, besonders weil die Sparte nicht zu den Favoriten des größten RBS-Aktionärs zählt, der britischen Regierung.

„Wenn Sie jetzt im Kapitalmarktgeschäft der RBS arbeiten, dass sollten Sie sich große Sorgen machen“, sagte uns Chris Wheeler, Director bei Mediobanca im November. „Das Ziel der RBS besteht darin, sich auf das Firmen- und Privatkundengeschäft in Großbritannien zu konzentrieren und die risikogewichteten Assets deutlich zurückzustutzen.“

UBS: Viele Neueinstellungen in IBD, weniger Abbau im Frontoffice und Kürzungen im Backoffice

In 2013 hat die Schweizer Großbank intensiv an der Umsetzung ihrer im Hebst 2012 beschlossenen Strategie gearbeitet: Dem weitgehenden Ausstieg aus dem Fixed Income-Geschäft und den Abbau von bis zu 10.000 Stellen. Laut UBS-Chef Sergio Ermotti werde das Jahr 2014 im Zeichen der Effizienzsteigerung in Wealth und Asset Management sowie in den weniger risikobeladenen Bereichen des Investmentbankings liegen. Auch mit einem Abbau im Backoffice wird fest gerechnet.

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