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Fall Moritz Erhardt: Holt die Bank of America bei den Arbeitszeiten Goldman Sachs ein?

Moritz Erhardt

Moritz Erhardt

Die jüngste gerichtliche Anhörung zum tragischen Tod des Praktikanten Moritz Erhardt gewährt interessante Einblicke in die Art und Weise, wie die Bank of America Merrill Lynch (BAML) mit ihrem ehrgeizigen Nachwuchs umgeht.

So gibt es im BAML-Investmentbanking sogenannte „Development Officers“ und Mentoren, um den Nachwuchsbankern in die Spur zu helfen. Erhardts Mentor Dennis Wiener, der wie der Verstorbene an der Privatuni WHU in Vallendar studierte, erzählte dem Gericht, dass die Bank einen internen medizinischen Dienst betreibt, um ihren Mitarbeitern das Leben zu erleichtern.

Laut dem Co-Head des Corporate & Investment Banking bei BAML Bob Elfring sei die Bank darin geübt, mit ehrgeizigen und leistungsbereiten Leuten umzugehen. Die Message scheint klar auszufallen: BAML weiß mit den bullishen Gemütern ihrer jungen Analysten umzugehen.

Der Gerichtsmediziner gab unterdessen an, dass Erhardt an Epilepsie gestorben sei und nicht an Erschöpfung. Allerdings gingen Gerüchte um, dass der 21jährige innerhalb von zwei Wochen fünf Nächte durchgearbeitet habe und „eine Menge Redbull“ vor seinem Tod konsumierte.

Bislang ist eher die US-Investmentbank Goldman Sachs für ihre endlosen Arbeitszeiten berüchtigt gewesen. Doch während Goldman Sachs mittlerweile Schritte eingeleitet hat, um die Arbeitszeiten ihrer jüngeren Mitarbeiter zu begrenzen und die Samstagsarbeit untersagt hat, scheint BAML langsam den gleichen Weg zu beschreiten.

Elfring gestand ein, dass die BAML über kein System verfüge, um die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu ermitteln und dass das Institut eine weltweite Untersuchung eingeleitet habe, aber noch zu keinem Ergebnis gelangt sei.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass die Zahl der ehemaligen Mitarbeiter von Goldman Sachs bei BAML in der jüngsten Vergangenheit zugelegt hat. So hat Christian Meissner, Head of Investment Banking Operations bei BAML, zuvor zehn Jahre seiner Karriere bei Goldman Sachs verbracht.

Diego de Giorgi, der das Investmentbanking in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) leitet, stieß im Juni 2012 von Goldman Sachs zu BAML. Im Mai 2013 heuerte die BAML schließlich Luigi Rizzo von Goldman Sachs als M&A-Chef für EMEA an. Gerade das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen scheint übersät von ehemaligen Goldmännern zu sein.

Hat BAML mit diesen Neueinstellungen vielleicht auch die Arbeitskultur von Goldman Sachs geerbt? Die Bank wollte diese Frage nicht kommentieren, allerdings betonte sie, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden sei, um die Arbeitsmuster und Work-Life-Balance für künftige Praktikanten, Absolventen und allgemein für die jüngeren Banker zu verbessern.

Laut einer Headhunterin, die früher selbst in M&A gearbeitet hat, sei der hohe Anteil von Ex-Goldmann Sachs-Mitarbeitern bei der BAML nichts Besonderes. „Es gibt dort genauso viele Mitarbeiter von Morgan Stanley. Jede dieser Banken bringt Sie dazu, ähnlich hart zu arbeiten“, sagt die Headhunterin, die namentlich nicht zitiert werden möchte.

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