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Zwölf Gründe, wieso Banker eine Zweitkarriere als Headhunter starten

So sahen früher Headhunter aus - beide Hände voller Kandidaten. Foto: Tropenmuseum of the Royal Tropical Institute (KIT)

So sahen früher Headhunter aus - beide Hände voller Kandidaten. Foto: Tropenmuseum of the Royal Tropical Institute (KIT)

Falls Sie Banker sind und sich nach einem neuen Job umschauen, dann haben viele Headhunter ein gutes Verständnis für Ihre Situation. Dafür gibt es auch einen guten Grund: Viele Personalvermittler haben vorher selbst als Banker ihre Brötchen verdient. Denn so mancher Banker hat von der Branche genug und macht sich als Headhunter selbständig. Wir haben mit Leuten gesprochen, die den Karriereschwenk bereits hinter sich haben. Hier die Gründe, die sie zu diesem Schritt bewogen haben:

1. Eine bessere Work-Life-Balance

Wenn Sie auch weiterhin sich täglich mit Bankern über das Geschäft unterhalten wollen, aber die endlosen Arbeitszeiten der Branche scheuen, dann könnte Personalvermittlung genau das Richtige für Sie sein. „Nach zwei Jahrzehnten im Front Office einer Bank war es an der Zeit, die Lebensqualität und den Umgang mit den Finanzmarkt-Teilnehmern besser auszubalancieren“, erzählt Jens Soderlund, der früher für Chase Manhattan arbeitete und heute Miteigentümer des Recruitmentunternehmens Sirius Partners in Hongkong ist. „Sie können Ihre Zeit und Ihr Tempo selbst bestimmen, das Leben genießen und mehr Zeit auf Ihre Hobbies verwenden, bevor es zu spät dafür ist.“

2. Ausstieg aus einem sterbenden Berufsfeld

So mancher Arbeitsplatz wird outgesourced oder sogar gleich ganz nach Indien verlegt. Andere Jobs haben sich durch den technischen Fortschritt erledigt. Matthew Hoyle, der heute das gleichnamige Recruitmentunternehmen in Hongkong betreibt, hat dies selbst in 2003 am eigenen Leib erfahren. „Ich war ein Aktienoptions-Market Maker in einem Handelssaal in Amsterdam, als der Handel vollständig digitalisiert wurde“, sagt er. Nachdem er einige Monate bei einem Recruitment-Startup eines Freundes ausgeholfen hat, entschied Hoyle, dies zu seinem neuen Beruf zu machen. „Aber wenn Sie mir zu meiner Trader-Zeit gesagt hätten, dass ich später einmal ein Headhunter werden würde, dann hätte ich Ihnen das nicht geglaubt.“

3. Für mehr als nur eine Bank arbeiten

So mancher Finanzprofi fühlt sich auch durch die schmalen Karrierepfade in der immer gleichen Bank beengt. „Für einen Recruiter ist es besonders interessant, mit mehreren Banken zusammenzuarbeiten und sie zu verstehen, als immer nur ein und dieselbe Bank zu repräsentieren“, sagt Farida Charania, der früher bei HSBC und Barclays arbeitete und heute Chef des Recruitment-Unternehmens Natrac Group in Singapur ist. „Nachdem man vom Markennamen einer Bank profitierte, können die ersten beiden Jahre im Recruitment schwer fallen.“

4. Sein eigener Chef sein

Die meisten ehemaligen Banker arbeiten für Recruitment-Boutiquen oder machen gleich ihren eigenen Laden auf. Doch selbst die größten Recruitmentunternehmen der Welt weisen im Vergleich zu Banken eine flache Hierarchie auf. „Ich bin eine unternehmerische Persönlichkeit und Headhunting ist, als wenn man sein eigenes Unternehmen betreibt und immer motiviert sein muss“, erzählt Rahul Sen, der früher als Private Banker für HSBC, Deutsche Bank und DSP Merrill Lynch in Indien arbeitete und heute für Sheffield Haworth in Singapur tätig ist.

5. Einen leichteren Zugang zur Managern

Das niedere Management wird kontinuierlich von Recruitern angegangen und diese sprechen lieber mit Leuten, die selbst einmal ein Team in einer Bank geleitet haben. „Sie können leichter einen Kontakt zu Führungskräften herstellen, da Sie einfach ihre Sprache sprechen. Diese können Sie dann schneller durch die HR-Prozesse führen“, sagt Simon Tulloch vom Recruitmentunternehmen Ingenium Group in Hongkong, der früher beim Broker ICAP in Tokyo arbeitete. „Als ein ehemaliger Finanzprofi erhalten Sie leichter Aufträge und können selbst bessere Ratschläge geben, wie man ein Team aufbaut“, ergänzt Tulloch.

6. Sie können Kandidaten helfen…

Beim Recruitment geht es nicht allein darum, den Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen. Die besten ins Recruitment gewechselten Banker haben Spaß daran, Kandidaten bei ihren Karriereplänen zu helfen. Headhunter Rafael Brana von Bo Le Leaders in Hongkong hat seine eigene Karriere bei JP Morgan in New York begonnen, bevor er zu einem Recruitmentunternehmen in den USA wechselte, das Banken beim Anheuern von Hochschulabsolventen half. „Ich fand es sehr erfüllend, jungen Menschen bei ihrem Einstieg ins Banking zu helfen“, sagt Brana. „Und jetzt helfe ich Kandidaten bei ihrem nächsten Karriereschritt. Dieses menschliche Element stellt eine besondere Erfüllung dar, die man so im Banking nicht findet.“

7. … und Kandidaten werden Sie lieben

Wenn Sie Jobsuchenden helfen, dann werden diese lieber mit Ihnen zusammenarbeiten, da Sie selbst einmal als Banker gearbeitet haben. „Meine Produkt- und Marktkenntnisse helfen mir dabei, die Bedürfnisse der Kandidaten zu verstehen und die Politik, die mit der Arbeit bei einer großen Bank verbunden ist. Und Sie wissen, dass ich auch einmal auf der anderen Seite des Tisches gearbeitet habe, weshalb Sie mir zutrauen, ihnen zu helfen“, ergänzt Sen.

8. Am Erfolg von anderen beteiligt sein

Anstatt neidisch die Karrieren Ihrer Kollegen zu verfolgen, können Sie sich an deren Erfolg freuen. „Für mich stellte es einen Glücksfall dar, ins Trading-Geschäft einzusteigen, als ich noch recht jung war. So habe ich während meiner Headhuntinglaufbahn erkannt, dass mein Netzwerk im Laufe der Zeit reift“, sagt Hoyle von Matthew Hoyle International. „Sie stellen fest, dass jedes Jahr einige Ihrer alten Freunde und Kontakte befördert werden und daher in die Situation geraten, selbst Leute einstellen zu müssen.“

9. Sie können Ihre Vertriebskompetenzen einsetzen…

„Im Großen und Ganzen ist Executive Search eher etwas für Leute, die im Sales von Banken gearbeitet haben“, sagt Hoyle. „Während das Recruitmentgeschäft auch in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, wird das Sales in Banken eher abgebaut.“

10. … aber Sie dürfen Sie nicht missbrauchen

Falls Sie sich sorgen, dass die Arbeit als Recruiter Ihren Ruf ruinieren könne, dann sollten Sie unbekümmert sein. „Während des vergangenen Jahrzehnts habe ich so viele Recruiter kennengelernt, die sich aggressiv selbst vermarktet haben, ihren Markt nicht kennen und mit den Fingern in der Keksdose erwischt wurden, indem sie Mitarbeiter von ihren Kunden vermittelt haben“, erzählt Soderlund von Sirius Partners. „Sie müssen kein Gebrauchtwagenhändler sein; man kann auch ehrlich arbeiten.“

11. Täglich etwas Neues erleben

Viele Banker zieht es ins Recruitment, weil sie das Auf und Ab der Märkte lieben. Im Recruitment sorgt dabei der Arbeitsmarkt für die Herausforderung. „In so mancher Hinsicht ähnelt das Recruitment dem M&A-Geschäft. Sie haben mit Menschen zu tun und die Entscheidungsfindung befindet sich niemals voll unter Ihrer Kontrolle“, sagt Brana von Bo Le. „Man weiß nie, was morgen passiert: Kandidaten und Kunden ändern ihre Meinung.“

12. Sie bleiben ein Spezialist

Als ehemaliger Banker besteht Ihr Hauptvorteil in Ihrer Branchenkenntnis. Daher erkennen Sie die Trends rascher als so mancher Wettbewerber. „Offensichtlich handelt es sich um eine gute Idee, den gleichen Sektor wie während Ihrer Bankkarriere abzudecken. Allerdings wundert es mich, wie viele Leute genau das nicht machen. Sie wollen gleich ins Front Office-Geschäft und scheitern folglich“, sagt Hoyle. „Also bleiben Sie bei Ihren Kompetenzen und machen Sie sich in diesem Bereich einen Namen. Anschließend können Sie darüber nachdenken, in andere Bereiche vorzustoßen.“

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