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Vier Dinge, die Sie keinem Headhunter verraten dürfen

So sahen früher Headhunter aus - beide Hände voller Kandidaten. Foto: Tropenmuseum of the Royal Tropical Institute (KIT)

So sahen früher Headhunter aus - beide Hände voller Kandidaten. Foto: Tropenmuseum of the Royal Tropical Institute (KIT)

Nachdem ich drei Jahre selbst als Recruiter gearbeitet habe und heute immer noch nahezu täglich mit dieser besonderen Spezies der Gattung Mensch zu tun habe, weiß ich, dass sie deutlich besser als ihr Ruf sind. Die meisten halten sich streng an moralische Vorgaben. Denn wer eine längere Karriere in dieser Branche anstrebt, kommt um ein wenig Anstand kaum herum. Wer hingegen trickst, die Unwahrheit sagt und die Brücken hinter sich abbricht, hat keine langfristigen Überlebenschancen.

Doch es gibt auch Situationen, in denen es keinen Sinn macht, einen Recruiter einzuweihen, sofern dies seinen ureigensten Interessen widerspricht und er nur verlieren kann. Vier Punkte sollten Sie niemals gegenüber einem Personalvermittler erwähnen. Diese Situationen müssen Sie vielmehr ganz alleine durchstehen.

Falls Sie ein Gegenangebot erhalten

Wie so mancher unserer Leser betont, hassen Recruiter kaum etwas inständiger, als wenn ein Kandidat ein Gegenangebot seines alten Arbeitgebers erhält. Professionelle Personalvermittler tendieren eher dazu, Kandidaten von der Annahme eines Gegenangebots abzuraten. Sicherlich gibt es auch gute Gründe für diesen Ratschlag. Schließlich haben Sie mit Ihrer (möglichen) Kündigung dem Arbeitgeber bereits signalisiert, dass Sie bereit sind, das Unternehmen zu verlassen. Dennoch kann es gute Gründe geben, ein Gegenangebot tatsächlich anzunehmen.

Dies ist jedoch niemals im Interesse eines Recruiters, denn so muss er nicht nur auf seine Kommission verzichten, vielmehr muss er auch seinen Kunden anrufen und diesem den peinlichen Umstand beichten, dass der so viel versprechende Kandidat soeben abgesprungen ist.

Falls Sie also Ihrem Recruiter von Ihrem Gegenangebot erzählen, dann sollten Sie sich darauf gefasst machen, dass er Sie davon mit allen verfügbaren Mitteln abzuhalten versucht. Bevor Sie zum Telefonhörer greifen und dem Recruiter Ihre Absage mitteilen, müssen Sie also zu 100 Prozent von diesem Schritt überzeugt sein und sich auch harte Gegenargumente einstellen.

Wenn Sie feststellen, dass Sie einen Fehler begangen haben

Jeder Recruiter kennt solche Fälle: Ein Kandidat hat überglücklich ein Angebot angenommen, um dann einen Monate später anzurufen und zu beichten, dass er womöglich die falsche Entscheidung getroffen habe. Gleich wie die konkrete Situation aussieht, wird Sie der Recruiter zu überzeugen versuchen, im ungeliebten neuen Job verharren.

Auch hierfür gibt es wieder eine Menge guter Gründe: Ein Unternehmen bereits wieder nach so kurzer Zeit zu verlassen, hinterlässt in einem Lebenslauf eine hässliche Lücke, was die spätere Jobsuche belasten kann. Allerdings müssen Sie sich selbst im Klaren sein, was das Beste für Sie selbst und Ihre eigene Karriere ist. Falls Sie versehentlich auf einem sinkenden Schiff angeheuert haben oder Sie von Ihrem neuen Chef schlecht behandelt werden, dann kann es schon sinnvoll sein, sich eher früher als später nach einem neuen Job umzuschauen.

Auch dies kann niemals im Interesse eines Recruiters sein. Denn die meisten Verträge mit ihren Kunden enthalten Klauseln, dass diese ihre Gebühren ganz oder teilweise zurückerstattet erhalten, wenn der neue Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder abspringt. Daher wird Ihnen jeder Recruiter wärmstens empfehlen, auch weiterhin in dem ungeliebten neuen Job auszuharren.

Falls Sie bereits entschieden haben, den neuen Job wieder aufzugeben

Stellen wir uns vor: Sie haben es ein oder zwei Jahre im neuen Job ausgehalten, der Recruiter konnte seine Gebühren komplett einstreichen und Sie stehen eigentlich für neue Karrierechancen bereit. Dennoch sollten Sie sich zweimal überlegen, ob Sie tatsächlich ausgerechnet denjenigen Recruiter kontaktieren, der Sie auf Ihre aktuelle Stelle vermittelt hat.

Das Problem liegt hierbei in der Natur der Dreiecksbeziehung zwischen Recruiter, seinem Kunden und dem Kandidaten. So kann der Recruiter im Auftrag eines Kunden Dutzende von Positionen besetzen – doch Sie selbst stellen immer nur einen einzigen Kandidaten dar.

Aus diesem Grund legen die Recruiter einen größeren Wert auf die Beziehungen zu ihren Kunden als zu ihren Kandidaten. Im besten Fall teilen sie einem Kandidaten mit, dass sie ihn nicht ruhigen Gewissens von einem eigenen Kunden abwerben können. Ich selbst musste diverse solcher Gespräche mit Kandidaten führen, die tatsächlich bei meinen aktiven Kunden arbeiteten. Schlimmstenfalls können Recruiter ihren Kunden sogar verraten, dass sich ein Kandidat nach einer neuen Chance umsieht. Damit riskiert der Kandidat ggf. seinen aktuellen Job, bevor er eine neue Stelle finden konnte. Daher sollten Sie davon einem Recruiter nur erzählen, wenn Sie sich sicher sein können, dass dieser Ihr Anliegen tatsächlich vertraulich behandelt. Weniger kritisch fällt die Situation aus, wenn Sie in Erfahrung bringen konnten, dass der Recruiter nicht länger für Ihren aktuellen Arbeitgeber tätig ist. Dann können Sie Ihren Recruiter durchaus anrufen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen.

Sobald es gute Gründe gibt, dass Angebot doch nicht anzunehmen

Hierbei handelt es sich um einen ganz besonders schwierigen Fall. Nach gängiger Meinung sollten Kandidaten mit einem Recruiter alles besprechen können, was mit der Jobsuche zusammenhängt. Doch dies muss nicht immer in Ihrem ureigensten Interesse sein. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn Sie beispielsweise nach einem neuen Job suchen, aber lieber mit einem Wechsel noch sechs Monate warten wollen, um den vollen Bonus einzustreichen. Dann kann der Recruiter möglicherweise kein Interesse daran haben, für Sie ein Vorstellungsgespräch einzufädeln. Wieso sollte er auch, wenn er über drei andere, motivierte Kandidaten verfügt, die er risikolos platzieren kann?

Das Ziel jedes Recruiter besteht stets darin, so viele Unbekannte wie irgend möglich zu eliminieren. Daher kann es in Ihrem Interesse sein, einem Recruiter nicht alle für diesen womöglich unschönen Details zu nennen. Allerdings sind es dann Sie, der die Brücken hinter sich abbricht…

 

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Kommentare (1)

Comments
  1. Für alle Verantwortlichen Redakteure von efinancialcareers: Warum mischen Sie immer wieder den Begriff “Headhunter” mit “Recruiter”? Ein Headhunter ist im deutschsprachigen Raum ein Personalberater und die haben nichst mit den von Ihnen hier beschriebenen Praktiken und Beweggründen zu tun. Also, wenn Sie die Machenschaften von Recruitern beschreiben, dann schreiben Sie das doch bitte auch in der Artikelüberschrift.

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