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Trotz Stress: Wie Sie als Investmentbanker bei Laune bleiben

Happiness

Falls Sie im Investmentbanking arbeiten, dann stehen die Chancen gut, dass Sie unglücklich sind. Nach beträchtlichem Personalabbau, mangelnden Aufstiegschancen und immer kleineren Teams, die eine immer größere Arbeitslast bewältigen müssen, steigt der Stress und sinkt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Der ehemalige Chef der britischen Finanzaufsicht und Leiter des Barclays-Compliance Hector Sants ist sicher nicht der einzige, der wegen wachsender Belastungen am Arbeitsplatz das Handtuch wirft. All das hat nach einer Untersuchung der Gewerkschaft Uni Finance zu einer wachsenden Zahl gesundheitlicher Probleme bei Bankern gesorgt. Dies bestätigt auch eine Umfrage der internationalen Personaldienstleisters Randstad unter 2000 Beschäftigen der Finanzdienstleistungsbranche. Demnach gaben 42 Prozent der Teilnehmer an, mit ihrer aktuellen Position unzufrieden zu sein, wobei es sich immerhin um eine der höchsten Quoten unter allen Branchen handelt. Auch die Arbeitgeber scheinen sich der Gefahr zunehmend bewusst zu werden. Laut Karrierecoachs und Psychologen, die mit der Branche zu tun haben, unternehmen die Investmentbanken einiges, um die Jobzufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu heben und den Stress zu vermindern. Allerdings gibt es auch Schritte, die sie ganz allein unternehmen können.

1. Entledigen Sie sich Ihrer Angst

Was treibt eine Karriere tatsächlich an? Laut dem Psychologen Michael Sinclair von der City Psychology Group spielen Ängste in den Finanzdienstleistungen eine große Rolle. Es handelt sich um die Furcht zu scheitern, hinter die Konkurrenz zurückzufallen, weniger Geld zu verdienen oder sogar gekündigt zu werden.

„Die Unternehmenskultur in den Finanzdienstleistungen führt dazu, dass die Leute immer mehr anstreben, sie arbeiten immer härter an ihrem Erfolg und legen die Latte für sich selbst immer höher“, erzählt Sinclair. „Wir ermutigen die Menschen, über Ihre Werte nachzudenken und zu erkennen, dass Erfolg in der Karriere und eine Menge Geld längst nicht alles sind. Falls Sie nur noch eine Woche zu leben hätten, wie wichtig wäre Ihnen dann Ihr Job? Wir versuchen die Menschen dazu zu bringen, sich stärker um ihr eigenes Wohlbefinden zu kümmern.“

Dabei müssen Sie nicht sogleich Ihre gesamte Lebensführung umkrempeln. Es kann sich schon um einfaches Mentoring handeln oder um die Hilfe bei einem Projekt. Es geht um etwas jenseits Ihrer Jobbeschreibung, das Ihr Leben ein wenig glücklicher gestaltet.

2. Konzentrieren Sie sich auf das Hier und Jetzt

Als Louise Chester in den 90er Jahren für die Schweizer Großbank UBS als Telekom-Analystin arbeitete, beobachtete sie zunächst nur fünf Unternehmen. Später wurde sie von einer Reihe von Privatisierungen in der Branche und dem Aufstieg der Mobilfunkriesen geradezu überwältigt. Sie wandte Aufmerksamkeitstraining an. Dabei handelt es sich um eine Meditationstechnik, bei der man sich auf das Hier und Jetzt konzentriert, was zu weniger Stress und steigender Effizienz führt. Die heutige Arbeitswelt scheint ihrer damaligen Situation zu ähneln. „Es fällt unglaublich leicht, das Aufmerksamkeitstraining anzuwenden, dazu braucht man sich täglich nur einige Minuten Zeit zu nehmen und die Wirksamkeit ist mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen“, sagt Chester, die heute das Unternehmen Mindfulness at Work betreibt. „Wir arbeiten mit einer Reihe von Investmentbanken zusammen, die mittlerweile erkennen, welche Vorteile dies ihren Angestellten bietet.“

3. Werfen Sie einen objektiven Blick auf Ihre Karriere

Unzufriedenheit resultiert aus Stress und mangelnder Motivation für seinen Job sowie aus dem Eindruck keine Alternativen zu haben, sagt Karrierecoach Andrew Pullman vom Beratungsunternehmen People Risk Solutions. Er arbeitet mit einer Reihe von Investmentbankern zusammen, die auf dem gegenwärtigen Arbeitsmarkt keine Alternative finden können oder der Branche sogar gänzlich den Rücken kehren wollen.

„Für einige Leute ist der Rückzug aus der Branche tatsächlich eine Option. Aber für Leute mit Kindern an Privatschulen und einer hohen Hypothek ist dies praktisch unmöglich. Ich habe schon mit Leuten gearbeitet, die nach einem schlechten Bonus, langer Zeit ohne Beförderung oder Gehaltserhöhung gegangen sind. Aber es gibt keinen Ort zu dem sie gehen können“, erzählt Pullman. „Sie sollten Emotionen aus der Entscheidung heraushalten. Unterziehen Sie Ihrer Karriere einer SWOT-Analyse. Sie können feststellen, dass es auch gute Aspekte gibt, die ihnen noch gar nicht bewusst waren. Wenigstens wird eine Kündigung vorher gründlich durchdacht.“

4. Hören Sie mit dem Grübeln auf

Einer der Hauptgründe für Stress besteht darin, dass man endlos über Ereignisse nachgrübelt und über diese Gedanken die Kontrolle verliert. Wenn Sie sich auf die Gefahr der Kündigung, die Möglichkeit einer geringeren Bezahlung und den Eindruck zu wenig zu leisten konzentrieren, dann stoßen sie damit einen Teufelskreis an, sagt Sinclair. Der Trick bestehe in einer mentalen Technik, die als „Diffusion“ bekannt ist. Dabei werden Ihre Gedanken als das entlarvt, was sie sind: Ihr eigenes Festhalten an negativen Gedanken.

„Sie sollten Ihre Gedanken an einer fröhlichen Melodie wie Happy Birthday oder Jingle Bells orientieren oder stellen sie sie sich als die Pointe eines Witzes vor“, ergänzt Sinclair. „Dabei handelt es sich um die Akzeptanztherapie, eine Mischung aus Aufmerksamkeits- und Akzeptanzstrategien, die von immer mehr Leuten aus den Finanzdienstleistungen angewandt wird.“

5. Folgen Sie Ihrem Herzen

Mit der Erhöhung der Widerstandskraft ihrer Mitarbeiter versuchen die Banken dem zunehmenden Stress Herr zu werden. Dabei setzen die Banken u.a. auf eine Technik, die laut Pullman als Heart Math bekannt ist. Die Grundidee besteht darin das Bewusstsein dafür zu wecken, wir Ihr Herz in unterschiedlichen Stresssituationen reagiert. Auf diese Weise soll der Pulsschlag kontrolliert und der Stress vermindert werden. „Der Stress im Finanzdienstleistungssektor verschwindet so, abgesehen von einigen Fällen von Burnout bei hohen Führungskräften“, sagt Pullman. „Zu wissen, was unter der Motorhaube in Stresssituationen passiert, ist entscheidend, um ihn zu bekämpfen.“

 6. Suchen Sie nach Lösungen und sprechen Sie keine Drohungen aus

Viele Leute erliegen der Fehlvorstellung, dass wenn sie lange im Büro bleiben, unersetzlich würden. Falls es dann in der Karriere zu Zwischenfällen kommt, z.B. bei einer fälligen Beförderung oder Gehaltserhöhung übergangen zu werden, dann sprechen die Leute schnell Drohungen aus, beobachtet Pullman. Doch dies stelle einen schweren Fehler dar.

„Treffen Sie sich mit Ihrem Manager und erklären Sie, dass Sie angesichts der knappen Ressourcen, Prioritäten setzen müssten. X und Y würden so erledigt, aber Z könne unmöglich fristgerecht umgesetzt werden“, sagt Pullman. „Dies zeigt, dass Sie an den Grenzen Ihrer Möglichkeiten angelangt sind und es erlaubt dem Management, eine bewusste Entscheidung zu treffen, welche Prioritäten gesetzt werden müssen. Sie bieten ihnen Informationen an, auf Grundlage derer sie eine Entscheidung fällen können, die Ihnen weiterhilft. Das ist allemal besser als mit der Kündigung zu drohen, was normalerweise damit endet, dass man vor die Tür gesetzt wird.“

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