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Verzweifelte Banker: Selbst Spitzenverdiener können sich in London kaum noch ein Eigenheim leisten

London wird für gut verdienende Banker langsam unbezahlbar.

London wird für gut verdienende Banker langsam unbezahlbar.

Die Preisentwicklung auf dem Londoner Immobilienmarkt nimmt immer skurrilere Züge an. Selbst Banker mit einem Jahresgehalt von stolzen 500.000 Pfund (580.000 Euro) können sich kaum noch ein Eigenheim leisten. Und selbst falls sie sich doch die eigenen vier Wände zulegen, dann wird ein wachsender Anteil ihres Gehaltes von den Zinsen aufgezehrt.

„Unser mittleres Personal hat damit zu kämpfen“, gesteht die HR-Chefin einer britischen Bank, die lieber anonym bleiben will. „Sie befinden sich in einer schwierigen Position: Sie haben Familie und streben einen bestimmten Lebensstil an, den sie sich immer seltener leisten können. Sie ärgern sich lautstark darüber, besonders in der Bonussaison. Falls Sie weniger als 500.000 Pfund verdienen, dann fällt es sehr schwer, ein Haus in Zentral-London zu kaufen und die Schulgebühren für mehrere Kinder zu bezahlen.“

Während der Häusermarkt in den USA infolge der Finanzkrise eingebrochen ist und sich nur langsam erholt, ist die Blase auf den britischen Häusermarkt nie wirklich geplatzt. Wie der Economist kürzlich gezeigt hat, bewegt sich das Verhältnis der Gehälter zu den Hauspreisen immer noch oberhalb der historischen Werte. Die britische Regierung steht unterdessen im Verdacht, durch ihr „Help to buy“-Programm die Preise künstlich in die Höhe zu treiben. Dadurch sollen in den kommenden drei Jahren Hypotheken im Volumen von 130 Mrd. Pfund staatlich gefördert werden.

„Die Leute hier besitzen bereits weit mehr Schulden als in der Vergangenheit“, erzählt eine Führungskraft einer europäischen Investmentbank in London, die namentlich ungenannt bleiben möchte. „Ein Mitglied meines Teams hat eine Hypothek von 750.000 Pfund auf sein Haus aufgenommen, was eine große Last für ihn darstellt. Die meisten anderen mittleren Arbeitskräfte können sich hier nicht leisten, in der U-Bahn-Zone 1 zu leben und wohnen stattdessen in den Zonen 3 und 4, was bei den langen Arbeitszeiten von Bankern auf der Karrierestufe eines Vice President schwierig wird.“

Das Problem wird für die meisten Banker virulent, wenn sie die 30 überschritten haben und langsam eigene Familien gründen. Bis dahin sind sie damit zufrieden, in Wohngemeinschaften oder kleinen Mietwohnungen in Zentral-London zu leben. Doch sobald sie eine Familie haben, benötigen sie größere Wohnungen und müssen überdies für die Schulgebühren ihrer Kinder aufkommen. „Plötzlich stellen die Leute fest, wie ihr verfügbares Einkommen dahinschwindet“, erzählt die Führungskraft.

In der Vergangenheit haben Banker ein Eigenheim für die Familie außerhalb Londons gekauft und sich selbst eine kleine Wohnung in Zentral-London für wochentags geleistet, erzählt die HR-Managerin. Doch heute wollen die Ehefrauen ihre eigene Karriere vorantreiben, selbst wenn sie nicht allzu viel zum Familieneinkommen beitragen.

Manche Banker haben auch vor Jahren eine Hypothek in der Hoffnung aufgenommen, dass die Last durch steigende Gehälter mehr als ausgeglichen werde. Doch damit lagen sie oftmals falsch. „Mein Kollege, der 750.000 Pfund aufgenommen hat, musste miterleben, wie seine Vergütung Jahr für Jahr sank. Das ist sehr schwierig für ihn. Er verwendet einen wachsenden Anteil seines Einkommens auf die Bedienung dieser Schulden“, erzählt die Führungskraft.

Bankenanalystin Sandy Chen von Cenkos rechnet sogar damit, dass die Mitarbeiter aus den Finanzdienstleistungen zu den Hauptprofiteuren des „Help to Buy“-Programms zählen könnten. Denn das Programm sieht keine Einkommensgrenze vor, wobei die Leute eine Hypothek von bis zu 95 Prozent einer Immobilie im Wert von bis zu 600.000 Pfund aufnehmen können. Entsprechende Hypotheken sind derzeit zu einem Zinssatz von 4,99 bis 5,49 Prozent zu haben. Auch wenn sie damit zu den besonders teuren Hypotheken auf den britischen Markt zählen, erlauben sie es doch den Begünstigten, eine hohe Leverage auf ihr Eigenkapital zu erreichen.

„Falls Sie darüber nachdenken eine Hypothek unter ‚Help to buy“ aufzunehmen, dann stellt sich schon die Frage, ob Sie eine Hypothek im Wert von 75 oder von 95 Prozent aufnehmen“, meint Chen. „Unter Bankern gibt es schon eine Menge spekulativer Typen, daher kann man davon ausgehen, dass das bei ihnen sehr beliebt sein wird.“

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