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Wie Sie nach einem Vorstellungsgespräch nachfassen, ohne sich zu blamieren

Oft müssen Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch lange warten.

Oft müssen Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch lange warten.

Auf ein Vorstellungsgespräch folgt regelmäßig eine Zeit der Unsicherheit, in der die Bewerber auf eine – hoffentlich positive – Rückmeldung warten. Falls eine Absage im E-Mail-Eingang liegt, dann erfahren die Kandidaten nur selten die wahren Gründe für die Entscheidung.

Laut einschlägigen Karriereratgebern sollten Bewerber regelmäßig nachfassen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn Nachfassen spricht einerseits für Motivation und Interesse des Kandidaten, andererseits darf dies nicht zu Bewerbungs-Stalking ausarten, die meist als nackte Verzweiflung gedeutet wird. Daher haben wir Taktiken zusammengestellt, wie Bewerber geschickt nachhaken, ohne als Idiot dazustehen.

1. Wie Sie sich subtil einschmeicheln

Was Sie unternehmen sollten: Bedanken Sie sich innerhalb von 48 Stunden nach dem Jobinterview für das Vorstellungsgespräch. Laut Karrierecoach Jeremy L’Anson handelt es sich um eine wirksame Taktik, um sich bei den Gesprächspartnern ins Gedächtnis zu rufen: „Dies sollten Sie nicht nur für unterwürfige Komplimente nutzen. Suchen Sie nach einem Bezugspunkt zu Ihrem Vorstellungsgespräch – einen Artikel oder eine interessante Website – und versenden Sie dies. Damit zeigen Sie, dass Sie über die Stelle nachgedacht haben und engagiert sind.“

Was Sie unterlassen sollten:  Jagen Sie Ihren Gesprächspartnern nicht nach, wenn diese sich nach einer Woche noch nicht gemeldet haben – selbst wenn sie angegeben haben, sich in diesem Zeitraum zu melden. „Bewerber sollten nicht auf die Idee kommen, einer Entscheidung hinterher zu telefonieren. Dies wirkt immer ein wenig verzweifelt“, warnt Interview-Coach Margaret Buj.

2. Umgarnen Sie nicht den Überbringer der Nachricht

Was Sie unternehmen sollten:  Zu Recruitern sollten Sie freundlich sein. Obgleich so mancher Recruiter im Rufe steht, in entscheidenden Situationen abzutauchen, gibt die Mehrheit der Recruiter doch ein Feedback weiter, sobald sie es vom Arbeitgeber erhalten.

„Ein gelegentlicher Anruf, um im Kontakt zu bleiben, ist immer willkommen. Auch wenn wir kein direktes Feedback erhalten haben, kann es immer Chancen für Kandidaten geben oder wir können zumindest sagen, dass wir bislang nichts Neues gehört haben“, erzählt Headhunter Mike Leeman von Eden Scott.

Was Sie unterlassen sollten: Kritisieren Sie Personalberater nicht dafür, dass der Arbeitgeber noch keine Entscheidung gefällt oder keinen Hinweis gegeben hat. „Wir helfen gern, doch mit beleidigenden E-Mails macht sich niemand beliebt“, warnt Leeman.

3. Benehmen Sie sich nicht kindisch

Was Sie unternehmen sollten: Nehmen Sie das Feedback wie ein Erwachsener auf. Erfolglos zu sein und sich sogar Kritik anhören zu müssen, kann schon entmutigend sein. Dennoch können Sie hieraus Lehren für die Zukunft ziehen. „Wenn Sie ein echtes Feedback wollen, dann müssen Sie auch die Wahrheit vertragen können“, sagt Headhunter Peter Harrison von Harrison Careers, der früher selbst für Goldman Sachs gearbeitet hat. „Versuchen Sie es mit: ‚Ich bin erwachsen und kann mit Kritik umgehen. Ich nehme es nicht persönlich. Gibt es irgendeine Chance, dass Sie mir den Hauptgrund mitteilen, wieso Sie sich für einen anderen Bewerber entschieden haben? Das könnte mir beim nächsten Mal weiterhelfen“, empfiehlt Harrison.

Was Sie unterlassen sollten: Versuchen Sie nicht den Arbeitgeber zu überzeugen, dass er einen Fehler gemacht hat. Eine Diskussion ist sinnlos. Wenn Sie eine Absage erhalten, ist die Entscheidung längst gefallen. „Ein Kandidat wurde beleidigend, indem er die Gründe für die Absage in Frage stellte und den Hiring Manager zu überzeugen versuchte, dass er perfekt auf die Stelle passe und alle Anforderungen mitbringe. Damit erscheinen Sie bloß als komischer Kauz“, warnt Buj.

4. Vermeiden Sie Floskeln

Was Sie unternehmen sollten: Versuchen Sie an der Personalabteilung vorbeizukommen. Während Sie bei den Recruitment-Teams der Arbeitgeber meist nur allgemeine Floskeln hören, wieso Sie nicht zum Zuge gekommen sind, erhalten Sie bei den Fachabteilungen eher eine konstruktive Kritik. „Wenn Sie hören wollen, dass es passendere Kandidaten gibt oder Sie nicht alle Anforderungen für die Stelle mitbringen, dann sollten Sie bei HR nachfragen. Doch meistens fallen die Entscheidungen in den Fachabteilungen, daher erhalten Sie dort auch ein ehrlicheres Feedback“, erläutert Leeman.

Was Sie unterlassen sollten:  Veranstalten Sie keinen Telefonterror und hinterlassen Sie keine verzweifelten Nachrichten auf der Mailbox. Eine wohlformulierte E-Mail an die richtige Person erreicht meist eher ihr Ziel, rät Buj. „Ich gebe selten ein Feeback über das Telefon. Eine E-Mail gibt mehr Zeit zum Nachdenken und besseren Rat, wo Kandidaten an sich arbeiten können.“

„Es irritiert mich, dass nur wenige Unternehmen Kandidaten mit einem hilfreichen Feedback versorgen“, sagt unterdessen L’Anson. „Wer dies dennoch leistet, macht es üblicherweise eher in einer langen E-Mail als in einem zehnminütigen Telefonat.“

5. Pflegen Sie Kontakte

Was Sie unternehmen sollten: Schmeicheln Sie einem Banker, damit er bei anderer Gelegenheit ein gutes Wort für Sie einlegt. Das Ego zu streicheln, stellt dabei eine gute Möglichkeit dar, so lange man es nicht übertreibt. „Konzentrieren Sie sich mehr auf das Unternehmen als auf die Person“, rät Leeman. „Sagen Sie, dass Sie sie gerne treffen würden, Sie gern mehr über die Bank erfahren würden und sich fragen, ob sich in der Zukunft eine Gelegenheit ergeben könne.“

„Ich empfehle, dass Sie sich auf ein anderes Arbeitsgebiet fokussieren“, sagt Harrison. „Während meiner Zeit bei Goldman Sachs habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kandidaten, die von einer Abteilung (z.B. Equities) abgelehnt worden sind, von einer anderen Abteilung (z.B. Fixed Income) doch noch eingestellt wurden. Das kommt bei berufserfahrenen Kandidaten, Berufseinsteigern und Associates mit MBA vor.“

Was Sie unterlassen sollten:  Erzählen Sie, dass Sie ein gutes Verhältnis aufgebaut haben. Vielleicht massieren Sie auch ein wenig das Ego Ihrer Gesprächspartner. Dennoch sollten Sie bei einem professionellen Ton bleiben – auch ein übertrieben freundlicher Ton klingt ein wenig nach Verzweiflung. „Falls ein Gesprächspartner viel von Ihnen hält und Sie dennoch eine Absage erhalten, dann sollten Sie sich ihn warmhalten, um vielleicht in der Zukunft eine zweite Chance zu bekommen. Allerdings sollten Sie sich nicht zu viel Hoffnung machen“, betont Harrison.

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