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Wie sich Arbeitgeber und Headhunter das perfekte Bewerbungsfoto vorstellen

Foto: Getty Images

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Bewerbungsfotos sind wie Schnitzel oder Döner. Während sie im deutschsprachigen Raum allgemein verbreitet sind, findet man sie in anderen Ländern selten. Laut Headhunter David Kitzinger von Badenoch & Clark in Luxemburg, dem Bewerbungen aus den unterschiedlichsten Ländern auf den Tisch flattern, sind Bewerbungsfotos in den angelsächsischen Ländern sogar verpönt, ansonsten fügen weniger als die Hälfte der Bewerber Fotos bei. „Bei Bewerbungen aus Deutschland sind es aber immer noch 80 bis 90 Prozent“, berichtet Kitzinger. „Und das sogar, wenn die Bewerbungen auf Englisch sind.“

Dagegen schätzt Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt, dass bei den Lebensläufen in den Finanzdienstleistungen noch rund zwei Drittel ein Bewerbungsfoto aufweisen.

Bewerbungsfoto stellen keine Pflicht mehr dar

Für Kitzinger stellen Bewerbungsfotos somit auch keinen Pflichtbestandteil einer Bewerbung dar. „Wir geben zum Beispiel niemals einen Originallebenslauf an Kunden weiter. Vielmehr überführen wir die Angaben in ein eigenes Format, wozu kein Foto gehört“, erzählt Kitzinger.

Auch das Antidiskriminierungs-Gesetz aus 2006 scheint der Popularität von Bewerbungsfotos nichts anhaben zu können. „In Deutschland ist es nach wie vor verbreitet, seinen Lebenslauf mit einem Bewerbungsfoto zu versehen, Gleichwohl stellen wir von Union Investment über die letzten Jahre eine abnehmende Tendenz fest“, erzählt Sonja Albers, Leiterin des Bereichs Konzernpersonal bei Union Investment in Deutschland.

Arbeitgeber stehen dennoch zum Bewerbungsfoto

„Ein Bewerbungsfoto verleiht dem Lebenslauf ein Gesicht und kann – ein professionelles Bild vorausgesetzt – den positiven Eindruck der Unterlagen unterstreichen. Das Foto selbst ist allerdings kein Entscheidungskriterium. In erster Linie zählt die Qualifikation, die sich aus den Unterlagen ergibt“, betont Albers.

Auch Riske empfiehlt Kandidaten weiterhin ein Foto dem Lebenslauf beizufügen: „Normalerweise kann man mit einem Foto nur gewinnen.“ Er habe schon Arbeitgeber gehabt, die nachträglich tatsächlich noch nach einem Foto gefragt haben. Denn ein Foto sage etwas über die Persönlichkeit aus und ob ein Kandidat einem sympathisch ist.

Durch Xing und LinkedIN erleben Bewerbungsfotos eine Renaissance

Obgleich die Bewerbungsfotos nur noch im deutschsprachigen Raum im Einsatz sind, erlebt das eigene Konterfei bei Bewerbungen dennoch eine Renaissance. „Heutzutage ist es so, dass man sich als Headhunter das Profil eines Bewerbers regelmäßig auf Xing oder LinkedIN anschaut“, sagt Kitzinger.

Bitte keine Riesenfotos beifügen

Laut Kitzinger ist es bei deutschen Bewerbungen verbreitet, dem eigenen Lebenslauf ein Deckblatt beizufügen, auf dem sich neben persönlichen Angaben und Kontaktdaten ein – riesengroßes – Foto findet. „Das gilt auch für Lebensläufe, die elektronisch erstellt wurden“, wundert sich Kitzinger. Der Experte empfiehlt, das Foto eher klein zu halten und am Rand des Lebenslaufes unterzubringen. Denn schließlich handle es sich nur um eine Nebensache.

Bewerbungsfotos müssen professionell sein

Oftmals spricht bereits die Qualität gegen Bewerbungsfotos. „Merkwürdigerweise sind die meisten Bewerbungsfotos so, dass Bewerber sie lieber weglassen sollten“, betont Kitzinger. Der Headhunter rät zu professionellen Bewerbungsfotos. Immer noch gebe es zu viele amateurhafte Fotos, die teilweise sogar unscharf seien. Bei den Fotos auf sozialen Medien zeigen sich die Leute sogar in Freizeit- oder Strandkleidung – was bei einem potenziellen Arbeitgeber selten gut ankomme. Vielmehr sei Business-Kleidung Pflicht.

Laut Riske kommen schlechte oder unpassende Fotos immer wieder vor:  „Manche Leute wollen durch ein ausgefallenes Foto aus der Masse der Bewerber herausstechen.“ In der konservativen Finanzbranche kämen derartige Extravaganzen selten gut an. „Man sollte sich auf einem Bewerbungsfoto so präsentieren, wie man es auch bei einem Vorstellungsgespräch machen würde.“

Auch für Online-Bewerbungsfotos gelten professionelle Standards

„Bei Bewerbungen fällt der erste Blick unweigerlich auf ein beigefügtes Foto. Dessen Wert darf daher nicht unterschätzt werden. Gerade die Verlagerung der Bewerbung in den Online-Bereich verleitet leicht dazu, ein privates Bild am Computer selbst zurechtzuschneiden. Digitale Fotografie ist heute einfacher denn je und so entscheiden sich vermeintliche Hobbyfotografen nicht selten zu dieser schnellen und kostengünstigen Variante“, beobachtet Albers. „Doch auch bei der Online-Bewerbung ist Sorgfalt geboten und weil der erste Eindruck zählt, ist der Gang zum Profi unumgänglich.“

Bei den Damen ist oftmals weniger mehr

Kitzinger beobachtet, dass vor allem weibliche Kandidaten gelegentlich zur Selbstdarstellung neigen. Weniger sei manchmal mehr. Riske sieht dies ganz ähnlich: „Wenn die Fotos 15 Jahre alt oder stark bearbeitet sind, dann entsprechen sie nicht der Realität.“ Dies könne bei einem potenziellen Arbeitgeber negativ ankommen.

Fotos müssen zu der Stelle passen, auf die Sie sich bewerben

Wer sich bei einer jungen, trendigen Werbeagentur bewirbt, für den ist ein kreativeres, gewagteres Bewerbungsfoto geradezu Pflicht. Ganz anders in der eher konservativen Bankenbranche. „Wichtig beim Foto ist ein offener und direkter Blick sowie ein der Branche und Position angemessener Dresscode. Das Foto sollte darüber hinaus aktuell sein, d.h. dem aktuellen Erscheinungsbild entsprechen. Ob das Foto schwarzweiß oder bunt ist, spielt ebenso wenig eine Rolle wie das Format“, rät Albers.


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