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Die große Geheimniskrämerei: Bei der Vergütung lassen sich Banken immer noch ungern in die Karten schauen

Nicht jeder lässt sich gern in die Karten schauen.

Nicht jeder lässt sich gern in die Karten schauen.

Eigentlich wollte der Gesetzgeber mit der Institutsvergütungsverordnung aus dem Oktober 2010 ein wenig Licht in die Vergütungspraxis deutscher Banken bringen. Denn seither sind die Institute verpflichtet, Informationen über Höhe und Ausgestaltung ihrer Boni zu veröffentlichen. Doch nach einer Studie der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) unter den 50 nach der Bilanzsumme größten deutschen Banken bestehe hier noch reichlich „Nachholbedarf.“„Unsere Analyse der aktuellen Praxis des Vergütungsausweises in den Top-Banken in Deutschland zeigt, dass die Institute der generellen Forderung nach einem Vergütungsausweis nachkommen, dabei aber in Hinblick auf Detailgrad, Vollständigkeit und Verständlichkeit der Vergütungsberichte zum Teil höchst unterschiedliche Wege beschreiten“, sagt Bankenexperte Werner Klein von hkp. „Die Uneinheitlichkeit im Vergütungsausweis führt zu nur begrenzt vergleichbaren Darstellungen und lässt oftmals zentrale Fragen zum Verständnis der unternehmensspezifischen Vergütungspraxis offen.“

Banken spielen bei der Veröffentlichung auf Zeit

Der Gesetzgeber schreibt eigentlich vor, dass die Vergütungsberichte innerhalb von zwölf Monaten vorgelegt werden müssen. Allerdings versäumte er dabei klarzustellen, ab wann diese Frist gilt. Als Folge davon spielt so manche Bank offensichtlich auf Zeit und veröffentlicht ihren Bericht erst so spät, bis er kaum noch jemanden interessiert. So stützt sich die hkp-Studie auch auf die Vergütungsberichte für 2011 und nicht etwa auf die für 2012. „Knapp die Hälfte veröffentlichte erst im vierten Quartal 2012 und 56 Prozent überschritten sogar die gesetzlich vorgegebenen zwölf Monate – ein Zeitverzug, der sich mit einer gestiegenen Komplexität und dem größeren Umfang der Publikationen erklären lässt“, heißt es in der Studie.

Großes Geheimnis um die Boni

Traditionell zeigen sich die Banken besonders bei den Boni bedeckt. Laut der hkp-Studie versäumen einige sogar, ihren gesetzlichen Informationspflichten nachzukommen. So würden lediglich 62 Prozent der Banken die „geforderte Obergrenze“ der variablen Vergütungen genauer beschreibe

„Die Informationen über die Ausgestaltung der Vergütung sind lückenhaft,” so die Studie. Nur 58 Prozent der Banken würden die Kriterien der Leistungsbeurteilung näher erläutern. Zumeist orientiere sich die Bonushöhe am Gewinn. Lediglich ein Viertel aller Banken berücksichtige nicht-finanzielle Kriterien wie etwa die Reputation oder die Kundenzufriedenheit. Fast ein Drittel der Banken schlüssle die Vergütungen nicht nach den einzelnen Geschäftsbereichen auf, obgleich dies der Gesetzgeber eigentlich vorschreibe.

Banken zahlten insgesamt 20,8 Mrd. Euro

Trotz der Finanzkrise scheinen die Banken immer noch zu den großzügigeren Arbeitgebern zu zählen. So ließen die 50 größten Institute in 2011 insgesamt 20,8 Mrd. Euro für ihre Mitarbeiter springen. Davon entfielen 22 Prozent oder 4,6 Mrd. Euro auf Boni.

Unter dem Strich zahlten die 23 bedeutenden Banken rund 80.000 Euro für jeden ihrer Mitarbeiter; bei den 27 nicht-bedeutenden Instituten waren es hingegen lediglich 69.000 Euro. Die durchschnittliche Gesamtvergütung von Vorstandsmitgliedern belief sich bei bedeutenden Instituten auf 973.000 und bei den nicht-bedeutenden auf 735.000 Euro – der Bonusanteil lag hier bei 44 Prozent.

Es gibt sie immer noch: Garantieboni

Kaum zu glauben, aber laut der Studie sind deutsche Banken immer noch bereit einen Bonus zu zahlen, damit ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz antritt. Sieben Banken gewährten für das Jahr 2011 noch derartige Boni. Allerdings gaben auch 13 Institute an, keine derartigen variablen Vergütungen gezahlt zu haben. Generell sei die Gewährung derartiger Performance-unabhängiger Vergütungen zurückgegangen. „Offensichtlich zeigt die gesetzliche Begrenzung dieser Praxis auf Ausnahmen sowie die Pflicht zu deren Veröffentlichung Wirkung“, heißt es in der Studie.

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