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INTERVIEW mit dem Leiter der Schiffsfinanzierung der NORD/LB: Wieso in Ship Finance ein struktureller Personalbedarf entsteht

Oliver Faak leitet bei der NORD/LB die Schiffsfinanzierung.

Oliver Faak leitet bei der NORD/LB die Schiffsfinanzierung.

Rund fünf Jahre dauert die Krise der Schifffahrtsbranche mittlerweile. Wir nehmen dies zum Anlass für ein Interview mit Oliver Faak, dem Leiter der Schiffsfinanzierung der NORD/LB. Faak startete nach einem BWL-Studium in Hamburg als Trainee bei der Dresdner Bank in sein Berufsleben. Weitere Stationen führten ihn zur HSH Nordbank und der Dekabank.

Ist ein Ende der Schifffahrtskrise in Sicht?

Ungefähr zeitgleich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise begann 2008 die Schifffahrtskrise. Der Baltic Dry Index stürzte innerhalb von 14 Tagen um 91 Prozent ab und auf diesem niedrigen Niveau bewegen wir uns heute noch. Ab 2014 sehen wir aber durchaus Erholungspotenzial. Der Index liegt ja bereits am Boden und da ein Markt auf einem solchen Niveau nicht dauerhaft existieren kann, ist eine Wende absehbar. Wir sind zuversichtlich, dass die Talsohle durchschritten ist. Und bei manchem Segment wird eine Erholung bald sichtbar werden.

Welche Segmente laufen besser als andere, wo erwarten Sie den Turnaround am ehesten?

Den Turnaround erwarten wir am ehesten im Multi-Purpose-Bereich. Solche Schiffe sind durch ihre Bauart in der Lage, unterschiedliche Ladungsgüter zu transportieren. In diesem Segment sind die Werte nicht ganz so stark eingebrochen wie in anderen Segmenten. Auf Grund der Flottenstruktur sehen wir dort am ehesten Erholungspotenzial. Das ist für uns natürlich eine gute Nachricht. Spezialschiffe zum Bau von Offshore-Windparks, sog. Errichterschiffe, laufen zur Zeit unproblematisch. Im Segment der Produktentanker, die im Unterschied zu Rohöltankern Erdölprodukte wie z.B. Diesel transportieren sowie bei den kleineren Massengutfrachtern sehen wird auf Grund der Altersstruktur der Flotte ebenfalls Erholungspotenzial. Ähnliches gilt für Containerschiffe größer 5000 TEU (20 Fuß Container). In diesem Segment gibt es bereits Abschlüsse, die über dem langfristigen Durchschnitt liegen.

Worin liegen die Vorteile von größeren Containerschiffen?

Durch den Ausbau des Panamakanals sind zukünftig noch größere Containerschiffe auf Ost-West-Verkehren weltweit einsetzbar und haben damit gegenüber ihren „kleineren Geschwistern“ klare Skalen- und damit auch Kostenvorteile.

Ein Teil Ihres Schiffsfinanzierungsportfolios besteht sicherlich auch aus älteren, kleineren Containerschiffen. Wie geht die NORD/LB und die gesamte Branche damit um?

Wir haben in der Tat eine größere Anzahl von kleineren Containerschiffen im Portfolio – insbesondere von unserer heimischen niedersächsischen Kundschaft.  In der Restrukturierung problembehafteter Fälle besteht unser Ansatz häufig darin, ältere und kleinere Containerschiffe in einer Finanzierung mit neueren Schiffen zu bündeln. Neu finanzierte Schiffe sind in der Anschaffung heute deutlich günstiger als vor der Krise und haben bessere Marktchancen. Bündelt man diese gemeinsam in einer übergreifenden Finanzierungsstruktur, dann stützt das neu finanzierte Schiff das andere. Eine solche Struktur nennen wir dann „Black Pearl Solution“. Auf diese Weise werden wir für einen nicht unerheblichen Teil unserer problembehafteten Finanzierungen neue Lösungen finden.

Viele große Anbieter wie die HSH Nordbank und die Commerzbank ziehen sich teilweise aus der Schiffsfinanzierung zurück. Was sind die Pläne der NORD/LB?

Grundsätzlich steht die NORD/LB zum Geschäftsfeld „Schiffsfinanzierung“, das ist auch in der mittelfristigen Strategieplanung verankert. Allerdings sind wir durchaus bereits dabei, unser Portfolio umzuschichten. Die Zusammensetzung wird sich damit mittelfristig ändern. Da die Finanzierungsbereitschaft der Wettbewerber deutlich zurückgegangen ist,  können wir uns heute die Transaktionen aussuchen. Wir kehren hier die Treppe schon von oben.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die NORD/LB eigentlich im Bereich Schiffsfinanzierung?

In gemeinsamer Betrachtung mit unserer Konzerntochter, der Bremer Landesbank, beschäftigen wir unter Berücksichtigung von Markt- und Marktfolgebereich etwa 200 Mitarbeiter in der Schiffsfinanzierung.

Wie sieht die Personalplanung für die nächsten Jahre aus? Wird sich die Zahl der Beschäftigten ändern?

Die Mitarbeiterzahl wird mittelfristig konstant bleiben. Die Bank hat sich an den Verlauf der Krise angepasst: Restrukturierungen sind deutlich arbeitsaufwendiger als reines Neugeschäft, zudem sind die regulatorischen Anforderungen stetig gestiegen. Daher hat die NORD/LB seit 2008 auch spürbar Personal aufgebaut.

Und wie schätzen Sie die längerfristigen Beschäftigungsaussichten in der Branche ein?

Meines Erachtens wird bei Branchenerholung ein struktureller Personalbedarf entstehen. Ich arbeite schon seit vielen Jahren in der Branche, auch bei anderen Banken. Viele meiner ehemaligen Kollegen haben die Branche inzwischen verlassen und sind z.B. zu Beratungsunternehmen gewechselt. Seit Anbeginn der Krise gab es innerhalb der Branche eine hohe Fluktuation. Wenn das Geschäft wieder anspringt, wird der so entstehende Bedarf relativ schnell sichtbar werden.

Wie sehen die klassischen Jobprofile in der Schiffsfinanzierung aus? Was muss man für den Job mitbringen?

Normalerweise sollte eine Bewerberin bzw. ein Bewerber einen wirtschaftswissenschaftlichen oder auch juristischen Hochschulabschluss mitbringen. Die Schiffsfinanzierung ist eine internationale Branche. Die meisten Gespräche werden auf Englisch geführt – seien es kreditvertragliche Verhandlungen,  Arrestierungen, Versteigerungen oder andere Zwangsmaßnahmen. Man sollte daher relativ fit im Umgang mit der englischen Sprache sein. Sicher gehört auch eine gewisse Begeisterung für Technik dazu. Zwar muss man nicht zwangsläufig ein Ingenieur sein, aber ein Interesse an solchen Themen wäre durchaus wünschenswert.

In unserem Job geht es um die Strukturierung von komplexen Finanzierungen, es handelt sich um klassisches Financial Engineering. Man sollte Spaß am Umgang mit Kunden haben und mit ihnen einen strategischen Dialog eingehen können. Die kreditvertragliche Dokumentation muss man zwar nicht selber aufbereiten können, dafür nutzen wir – wie das in dieser Branche üblich ist – externe Anwaltskanzleien. Doch muss man durchaus in der Lage sein, diese Dokumentation qualifiziert begleiten zu können. Daher sollte man ein generelles Verständnis für die Risiken eines Finanzierungsgeschäfts haben, um zu verstehen, was in den Verträgen umgesetzt wird. Das maritime Recht bringt da zusätzlich noch einige Besonderheiten mit sich.

Wie können  Studenten und Absolventen in die Schiffsfinanzierung einsteigen? Gibt es Traineeprogramme oder Praktika bei der NORD/LB?

Es gibt viele verschiedene Traineeprogramme in der NORD/LB, die fast alle Geschäftsbereiche abdecken. So gibt es z.B. Traineeprogramme für den Spezialfinanzierungsbereich „Structured Finance“ oder „Schiffs- und Flugzeugfinanzierung“. Dabei lernt man über eine Zeitspanne von zwölf bis 18 Monaten sowohl alle für den späteren Arbeitsbereich wichtigen Schnittstellenbereiche als auch den zukünftigen Bereich selbst durch verschiedene Einsätze detailliert kennen.

Alle weiteren Informationen zu den Traineeprogrammen der NORD/LB und damit auch zu dem Programm „Schiffs- und Flugzeugfinanzierung“ sind auf der Homepage der NORD/LB unter www.nordlb.de/karriere zu finden.

Wie wichtig ist ein einschlägiges Praktikum?

Ein Praktikum in der Branche wäre schön, ist aber nicht unbedingt Voraussetzung. Wenn wir von der Persönlichkeit und den fachlichen Voraussetzungen überzeugt sind, können wir entsprechende Praktika auch gern arrangieren. Wir haben z.B. jemanden, der in unserer Abteilung ein Praktikum absolviert hat und anschließend bei uns seine Bachelorarbeit geschrieben hat.

Fällt es Ihnen schwer, Talente nach Hannover zu locken?

Nein, überhaupt nicht. Hannover hat zwar für „Außerhalblebende“  schon das Image der „grauen Maus“. Doch wenn man den Schritt erst einmal gemacht hat und seinen Lebensmittelpunkt nach Hannover verlagert hat, so ist man doch meist positiv überrascht, was diese Stadt alles zu bieten hat. Es beherbergt mit der Eilenriede das größte innerstädtische Waldgebiet nach dem Central Park in New York, der Maschsee ist gleich um die Ecke und die Herrenhäuser Gärten bieten idyllischen Raum zum Verweilen. Sie haben außerdem das ganze Angebot an Kultur- oder Sportveranstaltungen wie die erste Fußball- und Handballbundesliga. Auch an Einkaufsmöglichkeiten mangelt es in Hannover nicht. Und all das bekommen Sie zu günstigen Mieten.

Um noch mal auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Wann wird Ihrer Einschätzung nach die Krise in der Schifffahrtsbranche vorbei sein?

Also, im nächsten Jahr geht’s bergauf. Allerdings wird dies nur einzelne Teilsegmente betreffen. Bevor wir die Krise wirklich überwinden können, wird es wahrscheinlich noch zwei Jahre länger dauern. Nach der herrschenden Lehre dauert ein vollständiger Schifffahrtszyklus etwa sechs bis sieben Jahre. Eine Erholung wäre demnach nicht nur sehr wünschenswert, sondern durchaus auch überfällig.

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