☰ Menu eFinancialCareers

Wieso die Karriereaussichten in Compliance traumhaft ausfallen

Die Arbeit als Compliance Officer kann Spaß machen.

Die Arbeit als Compliance Officer kann Spaß machen.

„Die Compliance ist eine enorme Wachstumsgeschichte“, weiß Senior Manager Compliance Martin Stolberg von Steria Mummert Consulting in Hamburg. Als die Banken vor 20 Jahren das Thema entdeckten, handelte es sich bloß um eine Backofficefunktion mit geringem Ansehen und Einfluss in der Bank. Das habe sich mit der Krise gründlich gewandelt und auch die Unternehmen außerhalb der Finanzdienstleistungen bauen ihre Compliance deutlich aus. „Das ist wie bei den Banken vor 20 Jahren. Corporate Compliance ist jetzt ein klarer Wachstumsmarkt“, ergänzt Stolberg.

„Compliance hat zwar seinen Ursprung bei den Finanzdienstleistern, wird aber auch  bei anderen börsennotierten Unternehmen immer wichtiger. Es wird eine ganze Welle kommen“, prognostiziert Headhunter Raphael Rosenfeld von TALENTspy in München. Daher könnten Compliance-Mitarbeiter leicht von Banken auf die Corporate-Seite wechseln. Umgekehrt falle ein Umstieg aufgrund der branchenspezifischen Regulierungen allerdings schwer.

Experte rechnet mit Stellenzuwachs von 20 Prozent

Doch auch in den Banken scheint die Zukunft noch recht rosig auszufallen. Stolberg prognostiziert, dass die Branche in den kommenden drei Jahren ihr Personal in dem Bereich um durchschnittlich 20 Prozent aufstocken müsse. Dazu würden die Institute durch neue rechtliche Vorgaben geradezu gezwungen. So arbeite die EU derzeit an der vierten Geldwäsche-Direktive, wonach die Beziehungen zwischen Sendern und Empfängern von Zahlungen wesentlich sorgfältiger untersucht werden müssen. Auch Fatca würde für deutlich mehr Arbeit sorgen. Dabei handelt es sich um ein in 2012 in Kraft getretenes US-Gesetz zur Besteuerung von Amerikanern im Ausland.

Auch in der Schweiz herrschen goldene Zeiten für Compliance

Die Einführung von Fatca sorgt namentlich bei Schweizer Banken für reichlich Ärger und reichlich neue Stellen. So beobachtet Guy de Brabois, Countrymanager beim internationalen Recruitmentunternehmen Robert Walters: „In der Schweiz handelte es sich bei Compliance Spezialisten  um die meistgesuchten Spezialisten in dem Sektor in den zurückliegenden zwei Jahren und wir erwarten, dass die Nachfrage auch weiterhin steigen wird.“ Dazu trage der „starke regulatorische Druck auf die Privatbanken“ bei und auch einschlägige Consulting-Unternehmen würden von dem Trend profitieren.

Was Compliance-Mitarbeiter für eine erfolgreiche Karriere mitbringen müssen

Grundsätzlich gehe es in der Compliance um Themen wie Wertpapier-Compliance, Geldwäsche, Terrorfinanzierung, Betrug und sonstige strafbare Handlungen wie z.B. Steuervermeidung. Hinzu kämen IT-Sicherheit und Reputationsrisiken, erläutert Stolberg. Dabei würden die Einzelthemen ineinandergreifen. So gehe Geldwäsche oftmals mit kriminellen Aktivitäten einher. „Es macht keinen Sinn, die Themen isoliert anzugehen“, betont Stolberg.

Doch wie gelingt ein Einstieg in das aufstrebende Berufsfeld? Da es kaum Studiengänge und Traineeprogramme gibt, sind die Arbeitgeber gezwungen, sich die Fachkräfte selbst heranzuziehen oder von anderen Unternehmen abzuwerben.

„Früher handelte es sich bei Compliance-Mitarbeitern meist um Juristen, aber jetzt werden die BWL-Studiengänge immer wichtiger“, sagt Rosenfeld. Während in der Vergangenheit die rechtliche Beurteilung im Zentrum stand, werde heute die IT-Einbindung immer wichtiger. Rosenfeld beobachtet, dass viele Compliance-Mitarbeiter ihren Berufseinstieg über einschlägige Beratungsunternehmen finden, die „wie Pilze aus dem Boden“ schössen. Falls man bei einer Bank in der Compliance anfange, müsse man hingegen darauf achten, dass man nicht als Sachbearbeiter ende.

Stolberg rät Einsteigern, sich erst einmal eine „solide Basis“ aufzubauen. Diese bestehe aus einem VWL-, BWL- oder Jurastudium sowie einigen Jahren Berufserfahrung in den klassischen Bereichen einer Bank wie Vertrieb, Produktmanagement oder Handel. Anschließend sollten über Weiterbildungen die Kenntnisse in Compliance gezielt ausgebaut werden.

Neben Fachkenntnissen müsse ein guter Compliance-Mitarbeiter die Geschäftsabläufe einer Bank verstehen und über IT-Kompetenz verfügen. Bei einem Consulting-Unternehmen wie Steria Mummert sei überdies auch noch Beratungskompetenz gefragt. „Wenn sie das mitbringen, dann sind sie sehr nachgefragt bei Banken und Beratungen“, resümiert Stolberg.

Eine besondere Herausforderung stelle die wachsende Bedeutung der IT für die Compliance dar. So müssten z.B. große Datenmengen gezielt nach Mustern zur Geldwäsche analysiert werden. „Das wird immer stärker mit der IT verbunden. Compliance ohne IT geht nicht“, sagt Stolberg.

Wieso Compliance alles andere als langweilig ist

Den Vorwurf, bei Compliance handle es sich um ein langweiliges Berufsfeld, lässt Stolberg nicht gelten. „Ich finde, dass es sich um einen attraktiven Beruf handelt“, meint der Experte. Während es sich früher eher um eine Back- und Middleoffice-Tätigkeit gehandelt habe, spiele Compliance heute immer häufiger bei Management-Entscheidungen eine gewichtige Rolle. Damit hätten sich auch die Mitarbeiter gewandelt. „Das ist heute ein ganz anderer Typus als in der Vergangenheit“, erzählt Stolberg. Wer etwas bewegen wolle oder an ethischem Handeln interessiert ist, sei in der Compliance goldrichtig.

Zudem würde die Compliance heute nicht mehr tief in der Hierarchie einer Bank versteckt sein. „Der Compliance Officer berichtet direkt an den Vorstand“, erläutert Stolberg. Laut Rosenfeld komme es entscheidend darauf an, ob die Compliance-Abteilung von der obersten Managementebene unterstützt werde. „Wenn der Rückhalt da ist, dann kann es sich um eine spannende Abteilung handeln, die auch innovativ tätig ist.“ Der enge Markt und die hohe Nachfrage führten überdies zu steigenden Gehältern, ergänzt Stolberg.

Was Compliance-Spezialisten in Deutschland und der Schweiz verdienen

Dies bestätigt Till Rodheudt, der das Deutschlandgeschäft von Robert Walters leitet: „Die Gehälter in Compliance steigen jährlich um ca. 5 Prozent. 2012 lagen die Gehälter bei drei bis sieben Berufsjahren bei  ca. 55.000 bis 95.000 Euro. 2013 sogar bei bis zu 100.000 Euro im Jahr.“ Mit einer Berufserfahrung ab sieben Jahre beziffert Rodheudt die Gehaltspanne in 2012 auf 90.000 bis 150.000 und in 2013 sogar auf bis zu 160.000 Euro.“

Ähnlich sieht es in der Schweiz aus. „Ein Compliance Analyst mit drei Jahren Berufserfahrung, einem guten Ausbildungshintergrund und besonderen Sprachkenntnissen kann 120.000 Franken pro Jahr verdienen. Mit über 15 Jahren kann auch die 200.000 Franken-Marke leicht erreicht werden“, ergänzt De Brabois von Robert Walters Schweiz. Mit den immer spezifischeren Aufgaben, den wachsenden Sprachanforderungen und dem Wissen über die kulturellen Eigenarten von Ländern würden auch die Gehälter steigen. Stolberg zeigt sich jedenfalls für die Zukunft der Compliance optimistisch: „Die Karriereaussichten fallen auf absehbare Zeit sehr gut aus.“

Ähnliche Artikel:

Wie wird man Risikomanager? Einstieg und Fortbildungen in einen boomenden Beruf

Geht der Boom in der Consultingbranche weiter? Welche Profile gesucht werden

GASTKOMMENTAR: Risk Manager, Qualifikation mit Zukunft

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier