☰ Menu eFinancialCareers

Wann ein Jobwechsel neue Kräfte freisetzt!

Es war ein klassischer Grund, aus dem sich Marie Guss entschloss, eine Banklehre zu absolvieren: “Mein Vater war der Meinung, ich sollte nach dem Realschulabschluss etwas Solides lernen.” Insgesamt zwölf Jahre blieb sie bei der Bank, vor allem in der Schlussphase wurde die Arbeit zur Quälerei. “Am schrecklichsten fand ich, dass man mehr und mehr dazu gedrängt wurde, den Kunden Bausparverträge und andere Abschlüsse aufzudrängen”, erinnert sich die ehemalige Bankkauffrau.

Sie bekam Magenbeschwerden und fühlte sich an ihrer Arbeitsstelle nur noch “traurig, unglücklich und unzufrieden”. Bis zur Rente wollte sie so nicht weitermachen, trotzdem blieb sie zunächst: “Die Sicherheit einer Festanstellung aufzugeben, fiel mir damals schon schwer.” Und in der jetzigen wirtschaftlichen Situation will solch eine tiefgreifende Entscheidung doppelt gut überlegt sein.

Wer seine ursprüngliche Berufswahl im Nachhinein bereut, hat nicht mit einem Einzelschicksal zu kämpfen: Einer internationalen Studie des Personaldienstleisters Kelly Services zufolge hätte mehr als ein Drittel der Deutschen nach der Schule lieber einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Rund 15 Prozent der Befragten waren sogar fest davon überzeugt, den falschen Beruf ergriffen zu haben. Weitere 20 Prozent waren sich über ihre Karrierewünsche unsicher. “Mitunter liegt es daran, dass die Erwartungen an den Beruf nicht mit der Realität übereinstimmen, in anderen Fällen stellt sich im Laufe der Jahre eine gewisse Ernüchterung ein”, sagt Jessica Schönfeld, Marketing Managerin bei Kelly Services.

Spätestens nach dem Schulabschluss muss der Entschluss gefasst werden, wie der weitere Lebensweg aussehen soll. Das Problem: In diesem Alter kennen sich nur die wenigsten gut genug. “Die Frage, ob einem das gewählte Arbeitsfeld Perspektiven bietet und ob man sich in dem Umfeld auch wohl fühlen wird, werden bei der Berufswahl meist zu wenig berücksichtigt”, sagt Heike Cohausz, Geschäftsführerin der Personalberatung von Rundstedt HR Partners in Düsseldorf.

Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielten neben den Eltern auch Freunde und der Zufall: Abiturienten entscheiden sich für Studienfächer weil ihr Numerus Clausus nicht für das Wunschfach reicht und Schulabgänger unterschreiben nicht selten nach dem ersten erfolgreichen Einstellungsgespräch einen Arbeitsvertrag. Später haben viele mit wachsendem Frust zu kämpfen: Der Gang ins Büro kostet Überwindung, der Feierabend wird schon bei Arbeitsbeginn herbeigesehnt.

Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, scheint jedoch der Wunsch nach beruflicher Veränderung eher ein Luxusproblem zu sein. Die zu erwartenden finanziellen Einbußen sind laut der Studie der Hauptgrund, im alten Job zu verharren. Aus Expertensicht ist es dringend notwendig, vor einem Jobwechsel die eigenen Chancen und Fähigkeiten einer genauen Analyse unterziehen. Was kann ich? Was will ich? Was bietet der Markt? Und auch: In welche Richtung wird er sich jetzt, während der aktuellen Finanzkrise, aller Voraussicht nach entwickeln? Wie sehen meine Perspektiven aus?

Sind diese Fragen geklärt, dann ist es sinnvoll, die berufliche Umorientierung geplant anzugehen. Der Neustart muss dabei nicht zwingend mit einem Branchenwechsel oder einer Kündigung einhergehen. “Wenn man sich an seinem Arbeitsplatz unwohl fühlt, muss man versuchen dieses Bauchgefühl zu konkretisieren: Was stört mich genau? Liegt mein Unbehagen wirklich am Beruf? Oder eher am Umfeld?” rät Cohausz. “Oft genug lässt sich eine neue Tätigkeit in der Firma finden. Die Möglichkeit, an die Personalleitung heranzutreten mit dem Wunsch sich innerhalb des Unternehmens zu verändern, wird viel zu wenig genutzt.”

Dass im Laufe eines Berufslebens immer wieder der Wunsch nach einer Neuorientierung auftaucht, hält die Personal-Expertin Cohausz für absolut natürlich. Hat man wirklich das Zeug, als Berufsmusiker jahrelange Durststrecken zu überstehen? Macht es einen glücklich, als Unternehmensberater ständig bis in die Abendstunden zu arbeiten? Solche Fragen kann nur das Leben selbst beantworten. “Ich kenne nicht wenige Menschen, die erst in einem Alter von Mitte 40 wissen, was sie beruflich machen und erreichen möchten”, so Cohausz. “Es ist auch eine typisch deutsche Eigenschaft, zu glauben, dass man ein Leben lang in einem Beruf verharren muss. In den USA ist es durchaus üblich, dass man sechs oder acht Mal im Laufe des Lebens in einem anderen Bereich tätig ist.”

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier