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Wann die Arbeit bei Goldman Sachs zu einem schlechten Karriereschritt wird

Falls Sie gelegentlich einen Blick in die Medien werfen, dann haben Sie sicher schon festgestellt, dass Goldman Sachs nicht gerade die beste Presse genießt.

Zunächst erschien ein Artikel, in dem Goldman Sachs für die Lebensmittelkrise verantwortlich gemacht wurde. Später erschien ein weiterer Bericht des Rolling Stone Magazines, in dem der Journalist Matt Taibbi für die Bank den Spitznamen “Vampirkrake” erfand. In jüngerer Zeit wurde Goldman Sachs beschuldigt, in “Todesderivate” verstrickt zu sein, und schließlich zitiert die englische Financial Times den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses des US-Senats Carl Levin, dass eine “reale Hoffnung” besteht, dass die Justiz den Bericht seines Gremiums aufgreifen werde, wonach Goldman Sachs Investoren und den Kongress in die Irre geführt habe.

All dies wurde in der Öffentlichkeit ausgiebig ausgebreitet. Und auch auf Twitter wird die Bank regelmäßig für alles verantwortlich gemacht, was auf der Welt schief läuft.

Doch ist dies von irgendeiner Bedeutung für Leute, die bei Goldman Sachs arbeiten wollen?

Goldman Sachs ist nicht zu empfehlen, falls…

1. … Sie den Aktienkurs im Auge behalten und mit einem weiteren Kursverfall rechnen

Für das vergangene Jahr hat Goldman Sachs angeblich 80 Prozent der Boni in bar ausbezahlt – selbst an ihre Managing Directors. Dennoch werden auch aktienbasierte Boni besonders an Führungskräfte ausgegeben.

Der US-Analyst Dick Bove geht davon aus, dass die Goldman Sachs-Aktie auch weiterhin fallen wird, so lange der Druck auf das Unternehmen wachse. Seit Januar hat die Aktie bereits 11 Prozent eingebüßt. Dies ist eine schlechte Nachricht, falls die aktienbasierte Vergütungsbestandteile für Sie eine Rolle spielen sollten – allerdings nicht, wenn Sie ein hohes Festgehalt und ihren Bonus in Cash erhalten.

2. …Sie als guter Mensch betrachtet werden wollen

Die Generation Y will in ihrer Karriere etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Dies scheint bei Goldman Sachs möglich zu sein. So hebt die Unternehmenswebsite ihr soziales Engagement hervor, es werden Unternehmensprojekte von Frauen in Entwicklungsländern gefördert und es wird die Schaffung eines großen Naturreservates in Chile unterstützt.

Allerdings dürften Sie als Mitarbeiter von Goldman Sachs in heiße Diskussionen verwickelt werden, wenn Sie für die guten Absichten der Bank eintreten sollten.

Denn verbreiteter als Lob für die Umwelt-Verantwortung sind Kommentare wie dieser auf Twitter:

“Eine Freundin hat kürzlich damit geprahlt, eine Führungsstelle bei Goldman Sachs erreicht zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das wirklich für eine gute Sache hält.”

3. … Sie die Auffassung vertreten, dass die Reputation der Bank Einfluss auf die Geschäftstätigkeit hat

Zu Jahresbeginn sah es so aus, als ob die Reputationsprobleme der Bank ernsthafte Folgen nach sich ziehen würden, als Goldman Sachs auf den zehnten Platz in einem US-M&A-Ranking absackte. Doch jetzt scheint die Bank wieder zu ihrer weltweit führenden Position zurückgelangt sein.

Allerdings scheint das Unternehmen Verluste von Marktanteilen im Geschäft mit Fixed Income und Aktien verkraften zu müssen, wo die Erträge im ersten Quartal um 28 bzw. 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum einknickten – gegenüber geringeren Verlusten bei JPMorgan oder der Deutschen Bank.

Dagegen hat Goldman Sachs argumentiert, dass eine gewisse Neuverteilung der Erträge aufgrund der abnormalen Marktbedingungen im ersten Quartal unvermeidlich gewesen wäre. Und die Erträge seien bei der Cititgoup und der Bank of Amercia Merrill Lynch noch stärker eingebrochen.

4. … Sie völlig wahnsinnig sind

Kann die allgemeine Antipathie gegen Goldman Sachs aus dem Internet überschwappen?

Nach unbestätigten Hinweisen sollen die Mitarbeiter von Goldman Sachs im vergangenen Jahr angehalten worden sein, öffentlich nicht in großen Gruppen aufzutreten. In 2009 hat Goldman-Chef Lloyd Blankfein seine Mitarbeiter aufgefordert, nicht mit dem Geld um sich zu werfen, und es erschien ein dubioser Bericht, wonach einige US-Mitarbeiter Waffen bei sich trügen.

Goldman Sachs ist dagegen zu empfehlen, falls…

1. …Sie gut bezahlt werden wollen

Goldman Sachs zahlt am besten, so einfach ist das. Nach unbestätigten Gerüchten sollen einige Partner in London sogar Gehälter von über 1 Mio. Euro einstreichen, woran kein Wettbewerber heranreicht.

Im ersten Quartal des Jahres belief sich der Personalaufwand pro Kopf auf 148.000 US-Dollar, gegenüber 124.000 bei JPMorgan, 121.000 bei der UBS und 133.000 bei der Credit Suisse.

“Das Recruitment bei Goldman Sachs ist von der Idee beseelt, dass wenn Sie viel verdienen wollen und gut sind, für Goldman Sachs arbeiten wollen”, sagt eine ehemalige Führungskraft des Unternehmens. “Einige Partner konnten ihr Grundgehalt in den vergangenen Jahren verdreifachen”, ergänzt der ehemalige Mitarbeiter.

2. …Sie nach der Uni bei einem führenden multinationalen Unternehmen anfangen wollen, um Ihre Karriere voranzubringen

Goldman Sachs hängt davon ab, aus eigener Kraft zu wachsen.

“Es ist von zentraler Bedeutung, Leute direkt von der Uni anzuheuern und sie sukzessive zu entwickeln”, sagt der ehemalige Mitarbeiter. “Seiteneinsteiger werden auch eingestellt, aber nur selten.”

Die Personalverantwortlichen von Goldman Sachs achten besonders auf Umfragen, die zeigen, wo die Studenten arbeiten wollen. In diesem Jahr landete Goldman Sachs in Großbritannien beispielsweise auf dem zehnten Platz nach Apple, Google, HSBC, PWC, KPMG, BBC, Microsoft, JPMorgan und der Bank of England.

“So lange die hellsten 3 Prozent dort arbeiten wollen oder an dem Geld interessiert sind, können sie sich vermutlich über die schlechte Presse hinwegsetzen”, ergänzt der Ex-Mitarbeiter.

3. … wenn Sie für den besten arbeiten wollen

Goldman Sachs zählt immer noch zu den Spitzeninstituten in den meisten Märkten, in denen die Bank tätig ist. Im ersten Quartal wurden ihre Fixed Income-Erträge nur von JPMorgan und der Deutschen Bank übertroffen und JPMorgan schlug Goldman in M&A sowie in Debt Capital Markets, alle anderen Mitbewerber blieben abgeschlagen.

4. …Sie sich nicht darum scheren, was andere von Ihnen denken

Laut Headhuntern zeigen sich die meisten Bewerber als immun gegenüber der schlechten Presse. “Goldman Sachs steht immer noch in dem Ruf, die Nummer eins zu sein”, sagt ein Managing Director eines Recruitmentunternehmens mit Geschäftsbeziehungen zur Bank. “Das ist wichtiger als die Realität.”

“Was bei Goldman Sachs wirklich zählt, ist, dass Sie Geschäft machen, Kunden bedienen und Geld verdienen. Dass stellt die Anziehungskraft für das Personal dar und das ist, woran sie wirklich glauben”, behauptet der ehemalige Mitarbeiter. “Was in den Social Media abläuft, ist nur Blabla.”

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