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Das langweilige Paradies: Wie Hedgefondsmanager in Zug leben

Zug

Für viele Finanzprofis aus dem angelsächsischen Raum stellt der Umzug ins eher beschauliche Zürich schon einen gewissen Kulturschock dar. Doch wie müssen sich Banker aus London, New York oder Hongkong  erst in Zug mit seinen rund 27.000 Einwohnen fühlen? Selbst falls man den Nachbarort Baar hinzurechnet, zählt die Agglomeration gerade einmal rund 50.000 Einwohner. Ein älterer Einwohner aus Zug beklagte gegenüber eFinancialCareers.ch: „Ich bin vor einigen Jahrzehnten nach Zug gezogen, als es noch klein war, heute ist es kaum wiederzuerkennen.“

Trotz seiner Beschaulichkeit übt Zug weiterhin Anziehungskraft auf internationale Finanzprofis aus. So quittierte der ehemalige Chef von J.P. Morgans Eigenhandel Deepak Gulati unlängst seinen Dienst bei der Investmentbank, um seinen eigenen 500 Mio. Dollar schweren Hedgefonds Argentière in Zug aufzuziehen. Auch sein Team von 20 Mitarbeitern zieht von London in die  Schweiz um.

Dabei ist Zug schon seit langem als eine erste Adresse für Hedgefonds bekannt. So residieren dort Kinesis Capital, Tiberius Asset Management, Abrias Asset Management, Amplitude Capital und Progressive Capital. Doch die Anziehungskraft für die Unternehmen spiegelt nicht die Attraktivität für das internationale Finanzpersonal wider. Indessen mehren sich die Berichte, dass die sogenannten Expats ihr Heimweh in einschlägigen Bars wie Mr Pickwicks in Zug ertränken.

In der Realität müssen sich die Finanzprofis mit Migrationshintergrund erst einmal an den etwas langsameren Lebensstil gewöhnen. Abgesehen von Unterstellplätzen für Ferraris und reichlich überteuerten Immobilienpreisen hat Zug nicht viel von seinem kleinstädtischen Charme verloren. Auf den ersten Blick bleibe es ein „Provinznest“, wie ein britischer Hedgefonds-Trader meint, der vor 18 Monaten dorthin umgezogen ist und lieber anonym bleiben möchte.

„Um Trubel zu haben, ziehen Sie nicht nach Zug“, ergänzt er. „Es ist sauber, effizient und jeder spricht Englisch. Im Winter können Sie Schifahren, im Sommer im See schwimmen und es gibt viele gute, aber teure Restaurants“, erläutert der Hedgefonds-Trader. „Im Vergleich zu London ist das Leben ruhig.“

Laut einer Hedgefondsstudie der Fachhochschule Zürich zählt Zug zu den reichsten Schweizer Kantonen und ein Viertel der Einwohner sind Expats, wovon wiederum 88 Prozent aus Europa stammen. Zug beherbergt auch die stolze Zahl von 30.000 Unternehmen – manche verfügen allerdings nur über einen Briefkasten. Einen Pluspunkt für Unternehmen wie Glencore oder Gazprom stellt die Unternehmenssteuer von 8,8 Prozent dar, wie sie für privilegierte Unternehmen gilt, die 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften.

„Es ist unfair zu behaupten, dass es sich bei den meisten Hedgefonds nur um Briefkastenfirmen handelt“, betont der Hedgefonds-Trader. „Wir  verfügen zwar über Infrastruktur anderswo, dennoch arbeitet hier ein Team von fünf Frontoffice-Mitarbeitern inklusive unseres Finanzchefs. Die meisten Leute ziehen wegen des Jobs hierher, aber der Sektor ist groß genug, dass die Leute auch vor Ort Karrierechancen haben.“

Die meisten Finanzprofis ziehen indes nach Zug, wenn sie eine Familie gegründet haben, und sich niederlassen wollen. Dennoch kann es schon einige Überzeugungsarbeit bedeuten, wenn ein Hedgefondsmanager seine Gattin vom Umzug nach Zug überzeugen will – zumal Plätze in internationalen Schulen rar sind.

So hat Daniel Köppel, der heute Managing Director beim Asset Manager Zug Finance ist, zuvor für die UBS in New York gearbeitet. Obgleich viele Hedgefondsmanager auch wegen der relativen Ruhe nach Zug ziehen, fänden es viele Ehefrauen, die an London oder New York gewöhnt sind, „ein wenig langweilig“, wie Köppel berichtet. „Zug stellt eine erstklassige Adresse dar, um eine Familie aufzuziehen. Die Kriminalität ist gering und die Schulen sind gut, aber es ist nichts für jedermann.“

Laut Gianni Bomio, dem Generalsekretär des Zuger Volkswirtschaftsdepartements, kommen die Expats wegen des gesunden Lebensstils, der niedrigen Kriminalitätsrate und den erstklassigen internationalen Schulen in den Kanton Zug.

„Die Schweiz hat eine lange Tradition darin, Expats willkommen zu heißen, und wenn sie hier länger bleiben, dann werden sie in die lokale Gemeinschaft integriert“, erläutert Bomio.

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