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GASTKOMMENTAR: Wieso es in Banken keine Kontinuität mehr gibt

Wer in den 70er, 80er und bis Mitte der 90er eine Bankausbildung genossen hat, galt zwar als “Spießer und uncool”, fand jedoch in seinem Beruf eine Konstante und Planungssicherheit. Dies wandelte sich schleichend ab Mitte der 90er und seit dem Platzen der Dot.Com-Blase gibt es schließlich weder im Servicebereich noch im Investmentbanking die Kontinuität, die man sich erhofft hatte. Mitte der 90er Jahre gab es auch die erste Bestrebungen kleiner Genossenschaftsbanken, sich zusammenzuschließen und die Bilanzsumme auf über eine 1 Mrd. Mark zu bringen.

Der Internethype Ende des Jahrtausends brachte noch einmal eine starke Nachfrage nach Bankangestellten jeder Art, um die Kunden mit Krediten zu füttern, damit diese an der Börse mehr Geld machen konnten. Dazu brauchte es also Schaltermiezen, Kreditsachbearbeiter, Börsenhändler, M&A-Spezialisten etc., damit das Uhrwerk reibungslos schnurrte.

….und dann platze die Blase und die Kontinuität gehört seitdem der Vergangenheit an. Die erste Dekade des 21. Jahrhunderts ist für Mitarbeiter in den Bankhäusern alles andere als schön.

Die Bankenkonsolidierung erreicht jetzt mit dem Anfang vom Ende der Landesbanken einen neuen Höhepunkt. Zuvor waren die ländlichen Genossenschaften schon – wie erwähnt – gut dabei, sich zusammenzuschließen und Stellen zu streichen. Dann folgte das langsame Sterben der großen Häuser: So fusionierten Hypobank und Bayerische Vereinsbank zur Hypo Vereinsbank, DG und SGZ zur DZ Bank sowie DGZ und Dekabank zur Deka. Weiter wurde die Dresdner Bank von der Commerzbank und die Postbank von der Deutschen Bank übernommen. Und die Liste ist nicht einmal vollständig.

Erfahrene Mitarbeiter sind letztendlich profitabler

Die “sozialverträgliche” Freisetzung von überdurchschnittlich ausgebildeten Mitarbeitern ist enorm und die Jobsicherheit leider nur noch ein Relikt aus ferner Vergangenheit. Dies zeigt auch David Charters in seinem Gastkommentar “Wie alt, ist zu alt?” auf.

Ohne die Kontinuität sinkt auch die Berufserfahrung im Handelssaal rapide, was sich negativ auf die Qualität auswirkt. Während in den 70er bis 90er Jahren die Bankangestellten nach ihrem Schulabschluss mit 16 bis 18 Jahren in die Ausbildung einer Bank eintraten, ist der heutige Bankangestellte mindestens fünf Jahre älter, hat in der Regel Abitur. Sollte noch ein Studium hinzukommen, fängt der beruflich unausgebildete Mensch frühestens mit 25 Lebensjahren zu arbeiten an – natürlich kommen noch diverse Praktika hinzu.

Nun dürfen diese “Grünschnäbel” gleich das große Rad drehen und je nach dem, in welchem Handelsbereich sie arbeiten, sehr große Summen bewegen. Ohne jegliches Marktgefühl, sondern allein aufgrund von Zahlen, die auf einer Riskomatrix beruhen, werden Aktien “durchgedrückt” – egal wie sensibel die jeweilige Aktie reagiert.

Sehe ich mir Kollegen an, die nun über 20 Jahre dabei sein dürfen – trotz der massiven Veränderung, was die Produkte und das Angestelltenumfeld anbelangt – gehen diese doch gerade wegen ihrer Handelserfahrungen sehr viel sensibler mit entsprechenden Positionen um und machen sich zuvor Gedanken, wie man möglichst schadlos aus den angezeigten Positionen herauskommt. Diese Erfahrung macht sie profitabler!

Manchmal ist Kontinuität wichtiger als Gehaltssteigerungen

Auch im Bereich Unternehmensanalyse hängen die Nachwuchskräfte den Vorständen, Finanzverantwortlichen und Unternehmenssprechern an den Lippen und halten all das Gehörte für die reinste Wahrheit. Dass es zu entsprechend positiven Bewertungen in dem 50seitigen Bericht kommt, ist somit mehr als verständlich.

Die ersehnte Kontinuität in unserem Beruf verlieren wir somit immer weiter, solange wir die “wie alt, ist zu alt?”-Frage nicht von den Verantwortlichen klar mit einem “je mehr Berufserfahrung, desto besser” beantwortet wird.

Der Angestellte, der nun seit über 20 Jahren dabei ist, braucht nicht noch eine Gehaltserhöhung, er will Kontinuität, seiner Profession nachgehen, der Jugend vielleicht zur Hand gehen und unterstützen und ggf. dem Hausdrachen entfliehen – aber das mit Spaß. Denn wer abends zufrieden nach Hause kommt, geht mit einem Lachen am nächsten Tag wieder zur Arbeit.

Unser Gastkolumnist hat bei verschiedenen Adressen gearbeitet und die “Konsolidierung” des deutschen Bankensektors am eigenen Leib erfahren.

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