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„Der Ausgang ist noch offen“: Sind bei der Deutschen Bank die Boni für 2012 bedroht?

Die Schlagzeilen der internationalen Wirtschaftspresse scheint die Deutsche Bank ebenso abonniert zu haben wie die Münchner Schickeria die besten Plätze in den Oktoberfest-Zelten. Denn nach der gestrigen Razzia bei der Deutschen Bank meldeten am heutigen Donnerstag (13. Oktober) die Nachrichtenagenturen eine „Gewinnwarnung“ der Deutschen Bank. Tatsächlich hieß es in einer Mitteilung des Instituts, die Bank erwarte, dass „Sonderposten sich signifikant negativ auf den Gewinn der Bank im vierten Quartal 2012 auswirken werden.“ Dies könnte so manchen Bonustraum abrupt beenden.

Bei der Analystenpräsentation hörte sich dies indes ein wenig anders an. So will der Finanzchef Stefan Krause die heutige Medienmitteilung nicht als „Gewinnwarnung“ verstanden wissen. Vielmehr wolle die Bank nur auf die diversen Risiken und potenziellen Verlustgefahren hinweisen. Überdies sei das operative Geschäft in den ersten beiden Monaten des Quartals recht erfreulich verlaufen. Wörtlich sagte Krause: „Der Ausgang ist noch offen“ und verwies auf die Vorlage des Jahresergebnisses am 31. Januar 2013.

Dabei hat es die heute angekündigte Umstrukturierung durchaus in sich: So bündelt der Bankenriese die nicht fortzuführenden Assets in Höhe von 122 Mrd. Euro im neuen Geschäftsbereich „Non-Core Operations“, den Finanzchef Krause ausdrücklich nicht als „Bad Bank“ verstanden wissen will.

Interessant sind auch die Veränderungen rund ums Investmentbanking. So verschiebt die Deutsche Bank Kosten in Höhe von 83 Mio. Euro aus ihrer Investmentbank (Corporate Banking & Securities) ins Transaktionsgeschäft (Global Transaction Banking). Dies lässt die Gewinne des Investmentbanking auf wundersame Weise steigen und diejenige des Transactionbanking sinken. Daher dürfte die Maßnahme für die Boni der Investmentbanker eine gute und für diejenigen der Transactionbanker eine schlechte Nachricht sein.

Dennoch sollten sich die Investmentbanker des Hauses nicht allzu  früh freuen. Denn gleichzeitig verschiebt die Deutsche Bank das „Passiv- und Drittmittel-Alternatives-Geschäft“ aus dem Investmentbanking ins Asset and Wealth Management. Dazu zählt u.a. auch das Geschäft mit ETFs. Dies dürfte die Investmentbanker umso mehr schmerzen, weil damit nicht nur Erträge in Höhe von 723 Mio. Euro, sondern auch erkleckliche Vorsteuergewinne von 303 Mio. ins Asset and Wealth Management abwandern.

Zwischenzeitlich wurden in der Umsatzsteuerbetrugs-Affäre im Handel mit CO2-Zertifikaten fünf Mitarbeiter der Deutschen Bank dem Haftrichter vorgeführt. Gestern hatten 500 Polizisten die Räumlichkeiten der Deutschen Bank untersucht. Vorwurf: Rund 25 Mitarbeiter des deutschen Branchenprimus hätten dem Fiskus Umsatzsteuern in Höhe von gut 300 Mio. Euro vorenthalten.

Das Pikante dabei: Der jetzige Co-Chef Jürgen Fitschen und Finanzchef Krause hatten die Umsatzsteuererklärung für 2009 unterschrieben, womit sie ebenfalls ins Zielfeld der Justiz geraten sind. Damit dürfte Fitschen gegenüber seinem Co-Chef Anshu Jain weiter an Macht verlieren. Jain war erst später in den Vorstand der Bank gelangt und scheint damit aus dem Schneider zu sein.

Mit den Ergebnissen der Razzia ist indes erst in einiger Zeit zu rechnen. „Die Auswertung der Unterlagen wird Monate dauern“, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Günter Wittig.

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