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ENDE EINER ÄRA: Deutsche Bank schluckt Sal. Oppenheim

Seit Monaten zeichnete sich die Übernahme ab. Einen Tag vor Bekanntgabe der detaillierten Zahlen für das dritte Quartal hat die Deutsche Bank nun Nägel mit Köpfen gemacht und die Privatbank Sal. Oppenheim übernommen.

Der Frankfurter Branchenprimus übernimmt Sal. Oppenheim, einschließlich BHF-Bank für eine Mrd. Euro, hieß es in einer Mitteilung.

Daneben erwirbt sie direkt von den Gesellschaftern für rund 300 Millionen Euro die Private-Equity-Sparte Sopep und das Wertpapierverwahrungsgeschäft der BHF-Bank. Zumindest letzteres soll weiterverkauft werden.

Die bisherigen Gesellschafter haben die Möglichkeit, sich langfristig an der deutschen Privatbanktochter Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA in Köln mit bis zu 20 Prozent zu beteiligen.

Die Vermögensverwaltungsaktivitäten von Sal. Oppenheim werden zukünftig unter der etablierten Marke der traditionsreichen Privatbank weitergeführt und ausgebaut. Durch die Transaktion stärkt die Deutsche Bank ihre Position im gehobenen Privatkundengeschäft in Deutschland.

An den laufenden Gesprächen über einen Verkauf der Investment-Banking-Aktivitäten von Sal. Oppenheim wird sich die Deutsche Bank beteiligen. Daran interessiert ist die australische Bank Macquarie, die seit Wochen über einen Kauf verhandelt. Mit einer Vereinbarung über die Sparte mit einem geschätzten Wert von rund 300 Millionen Euro wird in den nächsten Wochen gerechnet.

Die Sal. Oppenheim Gruppe betreute Ende Juni 2009 rund 135 Mrd. Euro verwaltetes Kundenvolumen und beschäftigte rund 4.400 Mitarbeiter.

Die Deutsche Bank verwaltete Ende Juni 2009 im Private Wealth Management weltweit ein Anlagevolumen von rund 171 Mrd. Euro. Sie wird nach Abschluss der Transaktion zum Marktführer in Deutschland in der Betreuung vermögender Privatkunden, Familienvermögen und Stiftungen.

Sal. Oppenheim steckt in der schwersten Krise der Firmengeschichte. Die Eigentümerfamilien hatten im Frühjahr bereits 200 Mio. Euro frisches Kapital nachgeschossen, nachdem die Bank 2008 erstmals in der Nachkriegszeit Verluste geschrieben hatte.

Einem weiteren Kapitalbedarf konnten sie nicht mehr nachkommen, weil einige Gesellschafter persönlich für einen 300 Mio. Euro schweren Kredit der Bank an die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebürgt hatten.

Die Deutsche Bank musste im August eine Kapitalerhöhung über 300 Mio. Euro bei Sal. Oppenheim finanzieren. Im Laufe der Verhandlungen und der langwierigen Buchprüfung zeichnete sich schnell ab, dass die Deutsche Bank die Mehrheit übernehmen würde.

Nach der Übernahme muss die Deutsche Bank vorsichtig agieren. Reiche Kunden sind auch scheue Kunden. “Wer als Familienunternehmern bei einer Privatbank sein Geld anlegt, sucht Diskretion”, sagt Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln. Die Kunden wollten ihr Geld gerade nicht einer börsennotierten Großbank anvertrauen.

Manche sehen in der Übernahme einen Weckruf für weitere Zusammenschlüsse: “Jetzt sollten sich auch einige Landesbanken, die Zockerbuden ohne Geschäftsmodell sind, auf Zusammenschlüsse verständigen”, fordert Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

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