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Was die Abschlussberichte zum Adoboli-Desaster über die Kultur im Investmentbanking aussagen

Image via Wikipedia

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Die Abschlussberichte der Schweizer Finma und der englischen FSA zum Fall Adoboli  offenbaren ein desaströses Bild über das Innenleben des UBS-Investmentbankings. Die englische Aufsicht FSA verhängte am heutigen Montag (26. Oktober) ein Bußgeld von 29,7 Mio. Pfund und die Finma nimmt die UBS an die kurze Leine: Die risikogewichteten Aktiva müssen bis 2015 kontinuierlich zurückgeführt werden, Akquisitionen sind untersagt und jegliche Geschäftsinitiativen, die das „operationelle Risiko“ erhöhen, sind genehmigungspflichtig.

All dies ist wenig spektakulär: Die Buße dürfte der Bankenriese aus der Portokasse begleichen und die geschäftlichen Einschränkungen liegen auf einer Linie mit dem bereits von UBS-Chef Sergio Ermotti verkündeten Kahlschlag in der Sparte. Viel interessanter sind indes die Mängel, die Finma und FSA rund um Adobolis Fehlverhalten ausmachten und die einen tiefen Einblick in die reale Welt des Investmentbankings erlauben. In dem Abschlussbericht wird Kweku Adoboli nicht namentlich genannt, vielmehr ist immer von einem ominösen „Händler X“ die Rede. Da ein Londoner Gericht Adoboli in der vergangenen Woche für schuldig befunden hat, dürfte die Identität unstrittig sein.

Die UBS hat Adoboli für sein Fehlverhalten üppig belohnt

„Zwischen Juni und Juli 2011 wurde mindestens vier Mal offensichtlich, dass Adoboli seine Limiten überschritten hatte. Bei einer Überschreitung legte er seinem Vorgesetzten in New York offen, dass er einen Reingewinn von 6 Mio. Dollar erzielt hatte, indem er Positionen von über USD 200 Mio. eingegangen war, weit über der ihm erlaubten Risikolimits. Zuerst gratulierte der Linienvorgesetzte Adoboli zum Gewinn, bevor er ihm mit Verzögerung in Erinnerung rief, dass er eine Bewilligung brauchte, wenn er seine Limits überschreite“, resümiert die Finma.

Die Vorgänge belegen weiter, dass die Anreizsystem auch in 2011 noch das Eingehen hoher Risiken und sogar den Regelverstoß regelrecht belohnten. „Die UBS hat falsche Signale gesetzt, indem sie einem Händler, der offenkundig und mehrfach Compliance-Regeln verletzt hatte, markante Lohnerhöhungen und Boni gewährte und ihn sogar in ein Programm zur Nachwuchsförderung aufnahm“, heißt es von der Finma. „Diese finanzielle und nicht-finanzielle Anerkennung lieferte stillschweigend Anreize für ein riskantes Verhalten.“

Hierin sieht auch die englische FSA einen Kardinalfehler: „Der Desk hat die Risikolimits, die ihm auferlegt wurden, verletzt, ohne dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wurde.“ Dabei handle es sich um ein Schlüsselelement der Risikobegrenzung. „Dies schuf eine Situation, in dem das Eingehen von Risiken von den Verantwortlichen nicht aktiv kritisiert und bestraft wurde“, ergänzt die FSA.

Bei der Kontrolle wusste keiner, was er macht

Rund um den Londoner ETF-Desk, an dem Adoboli arbeitete, herrschten chaotische Zustände, die Adoboli auszunutzen verstand. Niemand hielt es für nötig, selbst offensichtlichen Alarmsignalen nachzugehen. So war Adoboli ab April 2011 nicht mehr einem Vorgesetzen in London, sondern im fernen New York unterstellt. „Warnhinweise gelangten nicht zum neuen direkten Vorgesetzten in New York, sie landeten vielmehr bei dem ehemaligen Linienvorgesetzen in London. Dieser nahm sie entgegen und quittierte sie, auch wenn er nicht mehr für diese Überwachung zuständig war“, ergänzt die Finma. Im Juli 2011 sei der Vorgesetzte sogar von der Verteilerliste der Gewinn und Verlust-Einschätzungen genommen worden.

Abgesehen davon waren Operations, Produktkontrolle und Risikokontrolle in die Überwachung involviert und scheiterten allesamt kläglich. So war Operations für die korrekte Erfassung und Abwicklung der Handelsgeschäfte verantwortlich. Dumm nur, dass die dortigen Beschäftigten keine Ahnung vom eigentlichen Geschäft hatten. „Der Bereich Operations verstand sich als Dienstleister für Adoboli und hinterfragte dessen Handelsgebaren kaum. Sogar wenn Abstimmungsfehler mehrere Wochen dauerten, die Erklärungen nicht glaubwürdig waren und Ungereimtheiten vereinzelt eskaliert wurden, waren die Vorgesetzten und Kontrolleure zu rasch zufrieden mit den Erklärungen von Adoboli“, stellt die Finma fest.

In der Produktkontrolle sah es kaum besser aus. Diese war für die korrekte Abbildung und Plausibilisierung von Gewinnen und Verlusten verantwortlich. „Ebenfalls im August 2011 überzeugte Adoboli den Bereich Produktkontrolle davon, dass die Handelssysteme fälschlicherweise Verluste in der Höhe von einer Milliarde Dollar anzeigten. Seine Beteuerung, er werde diesen ‚Buchungsfehler‘ demnächst korrigieren, wurde anstandslos akzeptiert. In Tat und Wahrheit wollte Adoboli damit den Verlust der Bank wenigstens temporär aus der Buchhaltung entfernen“, kritisiert die Schweizer Finanzaufsicht.

Back- und Middleoffice verstehen sich als Dienstleister und Untergebene und nicht als Kontrolleure des Frontoffice

Diese Beispiele zeigen zumindest zwei Missstände auf, die wahrscheinlich auch heute noch in der Investmentbanking-Realität alltäglich sind: Viele Mitarbeiter im Back- und Middleoffice verstehen die Geschäfte nicht, die im Frontoffice getätigt werden, was eine effektive Kontrolle erschwert. Außerdem stehen Back- und Middleoffice in der Investmentbanking-Nahrungskette unterhalb des Frontoffice und verstehen sich eher als dessen Dienstleister und als Supportfunktionen denn als effiziente Kontrolleure. So konstatiert die britische FSA: „Ihr Hauptaugenmerk lag auf Effizienz und nicht auf der Risikokontrolle und sie haben das Frontoffice nicht angemessen in Frage gestellt.“

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