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INTERVIEW: Wie Robert Walters die Zukunft des Financial Services-Arbeitsmarktes einschätzt

RobertWalters

Wir haben mit Robert Walters, dem Chef des gleichnamigen weltweit operierenden Recruitmentunternehmens über den Markt gesprochen. Was hat sich seit dem jüngsten Gespräch im Januar verändert?

Es gibt immer noch wenige Einstellungen in den Finanzdienstleistungen. Denken Sie, dass es sich um ein konjunkturelles oder ein strukturelles Problem handelt?

Das lässt sich unmöglich sagen. Wenn das Banking zurückkommen sollte, dann wird es in einer anderen Form zurückkommen. Doch das heißt nicht, dass es keine Wiederbelebung bei den Neueinstellungen in den kommenden Jahren geben wird. Als in 2000 die Internetblase platzte, hat jeder gesagt, dass der Arbeitsmarkt sich nicht erholen werde und dann hat sich die Beschäftigtenzahl der Banken zwischen 2000 und 2007 verdoppelt.

Diese Erfahrung lehrt, dass sich der Arbeitsmarkt erholen wird. Doch wann  dies geschehen wird, lässt sich kaum sagen. Ich rechne damit, dass es wenigstens ein Jahr dauern wird.

In einem anderen Interview haben Sie erwähnt, dass der US-Markt das größte Zukunftspotenzial aufweist. Wieso denken Sie das?

Ich habe mich nicht nur auf den Arbeitsmarkt in den Finanzdienstleistungen bezogen. Ich habe lediglich meine persönliche Meinung über die US-Wirtschaft ausgedrückt. Ich bin kein studierter Ökonom und daher nicht der beste Ansprechpartner für einen Kommentar. Dennoch bin ich überzeugt, dass die USA das Powerhouse der Weltwirtschaft bleiben und dass sich die Wirtschaft in den USA schneller als anderswo erholen wird.

Sehen Sie irgendeine Verbesserung auf dem Finanzdienstleistungs-Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten?

Leider nein. Er bleibt schwach. Wir sehen nirgendwo auf der Welt einen Anstieg der Neuanstellungen bei Banken. Die gute Nachricht dabei ist, dass es nicht wirklich schlechter wird.

Wirklich, selbst nach dem Jobabbau bei der UBS in der vergangenen Woche?

Sie müssen beachten, dass es in jedem Unternehmen eine natürliche Fluktuation von 15 Prozent im Jahr gibt und dass es somit auch überall Einstellungen gibt, um Schlüsselpositionen wiederzubesetzen.

Werden mit all den Arbeitslosen nicht Finanzdienstleistungs-Recruiter zunehmend umgangen? Bewerben sich die Leute nicht vielmehr direkt bei den Banken?

Es handelt sich ein bisschen um eine falsche Einschätzung, wenn man denkt, dass es sich um eine gute Zeit fürs Recruitment handelt, wenn Leuten gekündigt wird. Die Banken tendieren dazu, Leute einzustellen, die eine Arbeit haben, und gute Leute wiederum tendieren dazu, ihre Köpfe einzuziehen und wollen von Unternehmen angesprochen werden. Gute Leute müssen herausgekitzelt werden und dabei handelt es sich um etwas, bei dem Recruiter durchaus hilfreich sein können. Es gibt nicht wirklich eine Umgehung der Recruiter. Schon immer gabt es Direct Rercruitment und Leute, die sich direkt bei bestimmten Unternehmen bewerben. Daran hat sich nichts geändert.

Abgesehen von den Finanzdienstleistungen – Sehen Sie irgendwelche Branchen, die sich in den kommenden Jahren lebhaft entwickeln?

Alternative Energien? Technology scheint auch sehr attraktiv zu sein. Wir haben gerade eine Niederlassung in San Francisco eröffnet und diese entwickelt sich extrem gut. Es scheint eine Menge Zuversicht in den Technologiebranchen zu geben. Sales-Positionen werden auch stark nachgefragt.

Was passiert auf dem asiatischen Markt? Wie entwickelt sich dort der Finanzdienstleistungs-Arbeitsmarkt?

China wächst immer noch, doch das Wachstum könnte sich abschwächen. Wir beobachten tatsächlich einen Wechsel bei den dortigen Recruitmentaktivitäten. Unser Geschäft in Malaysia entwickelt sich extrem gut. Allerdings hat sich das Geschäft in Singapur verlangsamt. Ich denke das liegt teilweise daran, dass Singapur ein Hub für viele Banken gewesen ist und nicht so günstig wie Jakarta oder Vietnam ist. In Singapur gibt es auch einen Zufluss von Recruitment-Wettbewerbern,  die dort spät einsteigen, da sie dies für einen Wachstumsmarkt halten.

Wie sieht es in Hongkong aus?

Lustigerweise schlägt sich ausgerechnet Hongkong, das traditionell der volatilste Markt der Region ist, ganz gut. Das Asiengeschäft lässt sich schlecht auf einen Nenner bringen. So befindet sich Japan beispielsweise seit Jahrzehnten in einer Rezession, dennoch handelt es sich um eine unserer erfolgreichsten Niederlassungen. Denn japanische Banken suchen nach mehrsprachigen Kandidaten aus dem Ausland und wir sind in der Lage, diese zu liefern.

Wo in der Welt werden Ihrer Meinung nach die Einstellungen im nächsten Jahr stattfinden?

Ich würde auf Amerika wetten.

Welche Geschäftsbereiche der Finanzdienstleistungen werden im kommenden Jahr die meisten Neueinstellungen vornehmen?

Ich würde sagen, wahrscheinlich diejenigen Bereiche, die am härtesten getroffen wurden. In diesem Jahr wurden in Regulatory und Compliance viele Einstellungen vorgenommen, doch vieles davon ist jetzt abgeschlossen. Im nächsten Jahr rechne ich damit, dass sich die Einstellungen in einigen traditionellen Frontoffice-Bereichen des Investmentbankings erholen werden.

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