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McKinsey-Bankenreport 2012: Alles was Sie wissen müssen

Ein trauriges Bild vom Zustand der europäischen Bankenbranche zeichnet der McKinsey-Bankenreport 2012 „The triple transformation. Achieving a sustainable business model“, der am heutigen Dienstag (9. Oktober) erschienen ist. Wir haben die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

Die Eigenkapitalrendite ist katastrophal

Lange vergangen sind die Zeiten, als der damalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent träumte. Dagegen haben die Banken in Europa laut McKinsey in 2011 gerade einmal 0 Prozent verdient. Selbst ohne die Institute der Euro-Peripheriel-Länder liegt die Rendite gerade einmal bei 5 Prozent. Weltweit sind es auch nur 7,6 Prozent.

Das Dumme daran: McKinsey geht in Europa von Eigenkapitalkosten in Höhe von 9 bis 10 Prozent aus, womit die Banken weit davon entfernt sind, ihre eigenen Eigenkapitalkosten zu erwirtschaften. „Die Größe dieser Herausforderung zeigt die Notwendigkeit für eine grundlegende Veränderung auf“, schreibt McKinsey trocken.

Für die schwache Profitabilität macht die Strategieberatung eine Zwickmühle von niedrigen Zinsen und wachsenden Kosten aufgrund strengerer Regulierung infolge der Finanzkrise verantwortlich. So würde eine Erhöhung des Zinsniveaus um 100 Basispunkte die Eigenkapitalrendite der europäischen Banken auf einen  Schlag um 0,6 Prozentpunkte verbessern. Allerdings ist aufgrund der anhaltenden Staatschuldenkrise ein kräftiges Anziehen der Zinsschraube durch die Europäische Zentralbank nicht in Sicht.

Kaum ein Bereich des Investmentbanking lohnt sich

Besonders gravierend sind die Auswirkungen der strengeren Regulierungen auf die Profitabilität des Investmentbanking. In dem neuen regulatorischen Umfeld sind lediglich der Devisenhandel und das Geschäft mit Cash Equities lukrativ. Dort wird ein Profit von 16 bzw. 15 Prozent erzielt, womit die Eigenkapitalkosten von 10 Prozent übertroffen werden. Dagegen liegen sämtliche anderen Investmentbanking-Geschäfte deutlich unter dieser magischen Schwelle.

Katastrophal sieht es im Geschäft mit Kredit- und Zinsderivaten aus, wo die Profitabilität  bei gerade einmal 3 bis 4 Prozent liegt. Selbst falls die Banken Gegenmaßnahmen ergreifen und beispielsweise an der Kostenschraube drehen, dürfte in diesen Geschäftsfeldern die Rentabilität nicht über 8 Prozent steigen – zu wenig um die Eigenkapitalkosten von 10 Prozent zu generieren.

Quelle: McKinsey Bankenreport 2012

Die Aufwandsquote muss um ein Drittel gesenkt werden

Für Europa ermittelt McKinsey in 2011 eine Aufwands-Ertrags-Quote von durchschnittlich 68 Prozent. Falls die europäischen Banken ihre Eigenkapitalkosten erwirtschaften wollten, müsste diese Quote um rund ein Drittel auf 46 Prozent vermindert werden. Von daher scheint kein Weg an einem weitergehenden Personalabbau vorbei zu führen.

Entsprechend schreibt McKinsey: „Die Banken müssen diejenigen Veränderungen umsetzen, die wir bereits in anderen Branchen wie der Automobilindustrie gesehen haben, wozu die Vereinfachung des Geschäfts, stromlinienförmige Abläufe und die Optimierung schlanker Prozesse zählen.“

Leverage deutlich gesunken: Dennoch zu hoch in Europa

Allerdings haben die Banken auch schon deutliche Fortschritte erzielt. So sei die Leverage der Bilanzsumme zum Eigenkapital weltweit zwischen 2007 und 2011 von 22 auf nur noch 17 Prozent gesunken. Allerdings hinken hier ausgerechnet die Institute auf dem alten Kontinent hinterher, wo die Leverage immer noch bei dem Faktor 24 liegt.

Weltweit ist die Tier 1-Eigenkapitalquote in der gleichen Zeit von 8,2 auf 11,7 Prozent gestiegen, womit die Branche heute deutlich krisenresistenter als vor der Krise ist.  Dies bedeutet, dass die Banken rund um den Globus die immense Summe von 2 Billionen Dollar an Eigenkapital hinzugewonnen haben.

McKinsey schlägt „dreifache Transformation“ vor

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, schlägt McKinsey eine dreifache Transformation vor. So müsse die Wirtschaftlichkeit durch die Konzentration des Kapitals auf lukrative Wachstumsnischen sowie durch Effizienzsteigerungen verbessert werden. „Das ist notwendig, wird aber nicht in allen Segmenten reichen, insbesondere nicht im Privatkunden- und Kapitalmarktgeschäft; diese brauchen eine Reform der Geschäftsmodelle“, sagt der Koautor der Studie Eckart Windhagen von der McKinsey Banking Practice. Windhagen rechnet hier mit einer Spezialisierung und Differenzierung. Als Drittes fordert der Experte einen Kulturwandel: „Das öffentliche Vertrauen zurückzugewinnen, ist für den Bankensektor von strategischer Bedeutung und nicht bloß eine Frage der PR.“

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