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GASTKOMMENTAR: Wie Sie mit einer ausgeklügelten Fallstudie in einem Private Equity-Vorstellungsgespräch umgehen

gail-mcmanus

Falls Sie von einem Private Equity-Fonds zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, dann stehen die Chancen gut, dass Sie mit einer Fallstudie konfrontiert werden. Für viele Bewerber stellt dies die größte Herausforderung in einem Vorstellungsgespräch dar.

Dabei werden PE-Fallstudien aus einem einfachen Grund in ein Vorstellungsgespräch aufgenommen: Um zu sehen, ob Sie selbstständig denken können. Die erste Frage, die Ihnen gestellt wird, lautet: „Würden Sie in das Unternehmen investieren?“

Dies kann Sie vor ein Dilemma stellen: Nachdem Sie sich vor dem Gespräch eingehend mit dem Fonds auseinandergesetzt haben, wird ihnen bewusst sein, dass es sich möglicherweise um ein Unternehmen aus dem Fondsportfolio handelt.  Doch wie sollten Sie in diesem Fall antworten? Sollten Sie eindeutig „Ja“ sagen, Sie würden investieren; oder „Nein“, womit Sie das Urteilsvermögen Ihres potenziellen Arbeitgebers anzweifeln würden. Tatsächlich antworten die meisten Teilnehmer an unseren Fallstudien-Workshops mit „Ja“.

Doch eine weitere Tatsache lautet, dass die meisten Leute aus den falschen Gründen „Ja“ sagen. Vielmehr sollten Sie auf der Basis ihres eigenen Urteils „Ja“ sagen und nicht aufgrund ihrer Recherche über den PE-Fonds. Denn die PE-Teams sind nicht einfältig. Vielmehr können sie ziemlich hinterhältig sein. So können sie beispielsweise die Zahlen in der Fallstudie verändert oder das ein oder andere Detail hinzugefügt oder entfernt haben. Möglicherweise bedauern sie sogar selbst das Investment. Daher sollten Sie sich auf Ihr eigenes Urteil stützen – wieso sollten sie Sie ansonsten einstellen?

Zur Bewertung müssen Sie sich äußern

Der nächste Test bei einer Fallstudie besteht darin, wie gut Sie das Geschäft bewerten. Dabei müssen Sie zeigen, dass Sie sich über den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Bewertung und der Investmententscheidung im Klaren sind. Falls Sie eine Investition tätigen würden – würden Sie dies zu jedem Preis tätigen? Und falls Sie nicht investieren würden: Wäre die Antwort „Nein“, auch wenn der Preis gering wäre. Sie werden mit Sicherheit danach gefragt werden, welchen Preis Sie für das Unternehmen in der Fallstudie zahlen würden.

Viel zu viele Leute kneifen vor dieser Frage und melden Vorbehalte an. Das ist nicht ratsam. Denn es ist nahezu sicher, dass Sie den Job nicht bekommen, falls Sie sich um die Bewertungsfrage drücken. Daher sollten Sie sich das Leben selbst nicht schwer machen.  Leiten Sie einfach einen Wert für das EBITDA ab und multiplizieren sie dies mit einem sinnvollen Faktor, der üblicherweise zwischen fünf und acht liegt. Seien Sie mutig und nennen einen genauen Preis – das wird sich für Sie auszahlen.

Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand

Schließlich sollten Sie Ihren gesunden Menschenverstand nutzen – denn dieser ist meiner Erfahrung nach keinesfalls allzu gewöhnlich. Denn bedenken Sie: Wenn etwas falsch aussieht und sich falsch anfühlt,  dann ist es wahrscheinlich auch falsch. Nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und hinterfragen Sie ihn. Beharren Sie nicht auf Ihrem Standpunkt, falls er sich als unzutreffend herausstellt.

So habe ich selbst in einem Vorstellungsgespräch erlebt, wie ein Bewerber ausgerechnet hat, dass eine Investition 35 Jahren benötigen würde, um sich zu rentieren. Bei allem, was er über die Branche wusste, musste dies komplett falsch sein. Er erzählte den Gesprächspartnern, dass dies ein schlechtes Investment  sei und auf keinen Fall weiterverfolgt werden dürfe.

Dabei ist ihm nie in den Sinn gekommen, dass er vielleicht die Daten falsch berechnet haben könne und manövrierte sich damit selbst ins Abseits. Vielmehr hätte er sagen sollen: „Dies sieht ein wenig sonderbar aus. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht.“ Auch wenn er keinen Fehler gemacht hätte, hätte er damit die Unstimmigkeit erkannt.  Und wenn er einen Fehler gemacht hat, dann zeugt diese Antwort von ein wenig Bescheidenheit.

Achten Sie auf das richtige Timing

Darüber hinaus sollten Sie im Hinterkopf behalten: Sie werden niemals über genügend Zeit verfügen, um die Fallstudie zu beenden. Hören auf Sie auf das, was von Ihnen verlangt wird. Bedenken Sie, dass es keine richtige und falsche Antwort gibt. Haben Sie Ihre eigene Meinung und rechtfertigen Sie diese mit den Belegen, die vor Ihnen liegen und mit Ihren eigenen Erfahrungen. Achten Sie auf Unstimmigkeiten in den Informationen. Und bleiben Sie sich selbst treu  – es macht keinen Sinn, sich im falschen Job wiederzufinden.

Gail McManus in Gründerin und Managing Director von PER, einem Recruitment-Unternehmen für Private Equity.

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