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GASTKOMMENTAR: Sollte ich meinen Banking-Job für ein Start-up aufgeben?

What happens when you leave the City

What happens when you leave the City

Es gab eine Zeit, in der ich keinen Gedanken daran verschwendete, das Banking zu verlassen. Das  würde ich nicht einmal heute, wenn sich die verlockenden Angebote nicht überschlagen würden. Dabei geht es nicht um abwegige Strategien für das Leben nach dem Banking, die mich anziehen. Ein Beispiel hierfür stellt der Ex-Trader von Goldman Sachs dar, der die Investmentbank verlassen hat, um sein eigenes Kondomgeschäft aufzumachen.  Vielmehr handelt es sich um gescheite Geschäfte, die von ehemaligen Kollegen und Freunden aufgebaut wurden.

In den zurückliegenden zwölf Monaten wurde ich eingeladen, beim Aufbau einer Projektentwicklung in Mitteleuropa, bei einem Fastfood-Franchise-System, einem Investmentfonds für Schwellenländer und einem IT-Geschäft in London mitzumachen. Dabei wird immer das gleiche Argument vorgebracht: Sie brauchen mich und ich wäre in dem neuen Geschäft ein geschätzter Partner. Auch die Leute sind kaum zu unterscheiden: Immer handelt es sich um Personen mit vielen Kontakten, die gut vernetzt sind, kürzlich ihren Job verloren haben und über einen reichen Verwandten verfügen, der die Unternehmensgründung finanziert.

Das Problem dabei: Normalerweise gibt es einen Grund, wieso diese Leute nicht mehr in den Finanzdienstleistungen arbeiten: Man ließ sie ziehen. Und es gibt auch einen Grund, warum man sie ziehen gelassen hat: Ihre Leistung war nur während des Bullenmarktes gut. In den meisten Fällen verfügen Sie über keine soliden Kenntnisse in der Erarbeitung von Geschäftsmodellen, Rechnungslegung oder Präsentationen. Das ist auch der Grund, wieso sie mich benötigen. Denn ich wäre die Person, die die ganze harte Arbeit machen müsste, wie sie bei einem Start-up anfällt. Es muss ja einen geben, der sich mit der Verwaltung herumschlägt, und der dafür sorgt, dass die Prozesse laufen und der Cashflow stimmt.

Ein Freund von mir ging ganz selbstverständlich davon aus, dass er in den ersten zwölf Monaten einen siebenstelligen Umsatz generieren würde. Dabei benötigte ich nicht lange, um herauszufinden, dass eine Reihe von Kosten, die er für fix hielt, tatsächlich variabel waren.  Er schaute ein wenig überrascht (und auch ein wenig verschnupft) aus, als ich ihn daran erinnerte, dass die Erträge nichts wert sind, solange die Profite nicht stimmen.

Dennoch wäre es unklug, diese Projekte unbeachtet zu lassen. Denn Banker, die sich nach einem Notfallplan umschauen,  sollten einige Aktivitäten jenseits ihres Job verfolgen. Ich verwende ein wenig Zeit darauf, bei einem dieser Start-ups mitzuhelfen, wofür ich einen kleinen Anteil an dem Unternehmen erhalte. Falls dies erfolgreich sein sollte, dann mag dies bessere Zukunftsperspektiven  als das Banking bieten.

Der Autor hat in verschiedenen Positionen im Investmentbanking gearbeitet und ist an guten Angeboten interessiert.

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