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KOMMENTAR: Wie die Schweizer Banken in einer strategischen Zwickmühle gefangen sind

FHamannEditor

Schon aus Kinderspielen sind Zwickmühlen einschlägig bekannt: Was immer man auch unternehmen will, schnappt die Falle zu. Es gibt schlicht kein Entrinnen. Ganz ähnlich scheint es sich mit den Gegebenheiten im Schweizer Wealth Management zu verhalten.

Denn auf der einen Seite gehen die Gewinne in der Branche tendenziell zurück. So führt die Weißgeldstrategie unweigerlich zu einem Abfluss von Kundenvermögen, womit auch die Erträge purzeln. Die Frankenstärke bedeutet, dass die Einnahmen aus US-Dollar und Euro gemessen in Franken ebenfalls schwächeln, während die Kosten zum Großteil in Schweizer Franken anfallen und damit die Gewinne schmälern. Nicht zuletzt steigen die Regulierungsanforderungen und die damit verbundenen Kosten ganz empfindlich.

Doch dies ist nur die eine Seite der Zwickmühle. Denn auf der anderen Seite hängen zumindest die Schweizer Universalbanken immer mehr von den sprudelnden Gewinnen im Wealth Management ab. So generierte der Geschäftsbereich bei der Credit Suisse im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn  von 937 Mio. Franken, womit diese Sparte allein für 81,4 Prozent des Vorsteuergewinns des Bankenriesen in Höhe von 1,151 Mrd. Franken verantwortlich war.

In den guten alten Zeiten vor der Finanzkrise war dies noch ganz anders.  Damals schien das Bankgeheimnis noch in Stein gemeißelt und die Kapitalmärkte befanden sich in einer Hausse. Somit konnte das Wealth Management im ersten Halbjahr 2007 einen Vorsteuergewinn von 2,82 Mrd. Franken einstreichen – etwa das Dreifache des heutigen Niveaus. Dennoch war die Credit Suisse damals von Wealth Management weniger abhängig als heute.  Denn die Sparte trug zum Vorsteuergewinn des Konzerns von 9,863 Mrd. Franken gerade einmal 28,6 Prozent bei.

Bei der UBS zeigt sich ein ganz ähnliches Bild: Im ersten Halbjahr 2012 erwirtschaftete das Wealth Management beiderseits des Atlantiks einen Vorsteuergewinn von 1,725 Mio. Franken. Damit waren die Geschäftsbereiche für 76,5 Prozent des UBS-Vorsteuergewinns von 2,256 Mrd. Franken verantwortlich.

Vor der Krise im ersten Halbjahr 2007 war auch dies grundverschieden: Damals belief sich der Vorsteuergewinn im Wealth Management auf 4,585 Mrd. Franken und auf Konzernebene auf 10,212 Mrd. Franken. Die Sparte war also damals lediglich für 44,9 Prozent des Vorsteuerergebnisses verantwortlich. Der Grund für diese Entwicklung liegt schlicht darin, dass die Gewinne im Investmentbanking noch stärker als im Wealth Management abgestürzt sind. Eine Trendwende ist nicht abzusehen.

Eine Lösung kann nur darin bestehen, sich mit geringeren Erträgen und Renditen dauerhaft abzufinden, was eine geringere Beschäftigung in der Branche nach sich zieht oder aber die Spielregeln zu ändern und eine ganz neue Strategie zu entwickeln.

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