☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Was Sie machen sollten, wenn Ihnen ein Abfindungsangebot auf den Tisch flattert

Sie befinden sich gerade vor dem Bürorechner eines Instituts, das Commerzbank, BHF oder RestLB genannt wird?

Falls Sie ein Abfindungsangebot schon nachverhandelt haben und überlegen, ihre Unterschriftt darunter zu setzen, dann kann ich Ihnen nur raten: Lehnen Sie grundsätzlich ab, sobald Sie angesprochen werden! Machen Sie es schriftlich per Email gegenüber Ihrem Chef, der Personalabteilung und dem Betriebsrat (und in CC oder BCC an Ihren Anwalt) und erwähnen Sie, dass Sie diesbezüglich unter keinen Umständen weiter angesprochen werden wollen.

Auch wenn an Ihr gutes Gewissen appelliert wird, dass der Arbeitgeber sich mit Ihnen gütlich einigen will, sollte Ihnen KLAR sein, dass man Sie nicht mehr haben möchte. Die Aussicht auf eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht samt schlechter Presse gefällt keinem Arbeitgeber.

Machen Sie Ihren Job nach bestem Wissen und Gewissen

Sollte Ihr Betriebsrat für die Mitarbeiter einstehen – das gibt es noch, dann haben Sie Glück! Schalten Sie diesen sofort ein und hoffen Sie, dass er scharf schießt. Werden Ihnen unübliche Aufgaben zugetragen, die nichts mit Ihrer eigentlichen Stellenbeschreibung zu tun hat, dann melden Sie das dem Betriebsrat.

Vielleicht sollten Sie darauf hinweisen, dass die Dinge, die normalerweise stillschweigend akzeptiert werden (wie der Verkauf einer Handelsposition, trotz Sperrvermerk), doch mal der Compliance, Revision oder der BaFin gemeldet werden sollten und machen Sie “Dienst nach Vorschrift”.

Dokumentieren Sie alle merkwürdigen Vorkommnisse, aber machen Sie Ihren Job wie immer – routiniert und nach bestem Wissen und Gewissen. Hüten Sie sich vor Fehltritten, denn diese könnten genutzt werden, um Sie kostengünstig ohne Abfindung vor die Tür zu befördern.

Schalten Sie rechtzeitig Ihren Anwalt ein

Werden Sie schon gemobbt und zwangsversetzt ins berühmte Separee? Dann sollten Sie noch schärfer schießen und alles dokumentieren, dem Betriebsrat melden und Ihren Anwalt einschalten. Sollten Sie mehr als 15 Prozent andere Aufgaben erledigen als in Ihrer Position üblich, handelt es sich um eine Versetzung, die der Zustimmung des Betriebsrates bedarf.

Ein Tipp zum Anwalt: Dieser Berufszweig bekommt in der Regel 10 Prozent der Abfindungssumme. Daher sollten Sie gleich nach dem Erhalt eines Abfindungsangebots zum Anwalt gehen, um den Streitwert festzustellen und schriftlich zu fixieren. Ob der Anwalt dann tatsächlich aktiv wird oder es nur einen Informationsaustausch gibt, liegt bei Ihnen.

Eine Rechtsschutzversicherung inklusive Arbeitsrecht hilft leider auch nicht immer weiter! Viele Rechtsschutzversicherungen versuchen sich bei außergerichtlicher Einigung um die Bezahlung zu drücken. Weisen Sie darauf hin, dass die Kosten vor Gericht viel höher wären – beachten Sie indes, dass bei einer gerichtlichen Verhandlung die erste Runde auf beiden Schultern (Arbeitgeber und -nehmer) verteilt wird. Nach längerem Schriftverkehr ersetzt Ihnen hoffentlich die Versicherung “aus Kulanz” zumindest einen Teil Ihrer Kosten. Weitere Auslagen können beim Lohnsteuerjahresausgleich eingereicht werden.

Wie sich ein neuer Job finden lässt

Sind Sie schon auf der Suche nach einer vergleichbaren Position – dann wissen Sie, wie die Lage da draußen gerade ist – leer wie die kahlen Bäume. Viel geht nicht, es sei denn, Sie sind im Treasury, Risiko Controlling oder Commodity/ Energy Trading, dann werden Sie wahrscheinlich auch kein Abfindungsangebot erhalten. Derartige Profile werden derzeit gesucht.

Selbst wenn Sie flexibel sind und in ganz Deutschland suchen, werden Fragen aufkommen, ob Sie wirklich umziehen möchten. “Nein, ich bewerbe mich aus Spaß an der Freude”, sollten Sie sich verkneifen. In Deutschland ist Umzugsbereitschaft immer noch nicht selbstverständlich, erst recht nicht mit Familie.

Falls Sie auf Jobsuche durch die Welt reisen, sollten Sie rechtzeitig Kontakt zu verschiedenen Führungskräften aufnehmen und eine Woche vor Ort einplanen, um alle persönlich zu treffen. Bemerken Sie einfach, dass Sie “gerade vor Ort sind”, um sich zu treffen und kennenzulernen. Dies gilt auch für Headhunter, wobei Sie bei dieser Gilde genau recherchieren sollten, mit wem Sie zusammenarbeiten wollen. So etwas lieben Führungskräfte und Headhunter: Die einen sehen, dass Sie umzugsbereit sind, und die anderen können ihre Datenbank füllen.

Selbst ein neues Stellenangebot birgt Risiken

Sollten Sie bereits einen neuen Arbeitgeber aufgetan haben, dann überlegen Sie es sich noch einmal. Vereinbaren Sie eine möglichst kurze Probezeit oder am besten gar keine. Selbst in diesem Fall verbleibt noch ein Restrisiko: Der Arbeitgeber in spe kann seine Strategie abändern und Ihnen kurzfristig mitteilen, dass Sie nicht mehr gebraucht werden. Halten Sie durch, auch wenn es ganz schwer fällt. Nehmen Sie Bildungsurlaub und nutzen Sie interne Weiterbildungen. Ziehen Sie Ihren maximalen Vorteil daraus, wenn Sie “stillgestellt” werden.

Unser Gastkolumnist hat bei verschiedenen Adressen gearbeitet und die “Konsolidierung” des deutschen Bankensektors am eigenen Leib erfahren.

Kommentare (2)

Comments
  1. Die Sache ist doch ganz einfach: Bevor Du irgendetwas unterschreibst, frag Deinen Anwalt. Alles andere ist doof!

  2. @ Goofy: selbst der Anwalt wird Dir Deine Entscheidung nicht abnehmen.

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier