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Alles was Sie über die erste Rede Anshu Jains als Co-Chef der Deutschen Bank wissen müssen

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Von einem Victory-Zeichen war im Berliner Intercontinental-Hotel am gestrigen Dienstag (12. Juni) wenig zu sehen. Bei seiner ersten politischen Rede als frischgewählter Co-Chef der Deutschen Bank umschiffte Anshu Jain gekonnt jedes Fettnäpfen.

Erste Worte auf Deutsch

Vor der CDU-Mittelstandsvereinigung wagte der gebürtige Inder sogar seine ersten öffentlichen Worte auf Deutsch: „Seit fast zwanzig Jahren ist die Deutsche Bank mein Leben und mein Zuhause. Wie Sie aber merken, arbeite ich noch an der deutschen Sprache und muss diese Zeilen ablesen. Ihr Englisch ist besser als mein Deutsch … also erlauben Sie mir bitte, jetzt ins Englische zu wechseln.“

Im weiteren Verlauf lobte Jain den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Krisenbewältigungspolitik der Bundesregierung: „Interessanterweise haben die Finanzmärkte schon seit geraumer Zeit deutlich signalisiert, dass sie Sparmaßnahmen befürworten. Seit dem vergangenen Sommer kam von den Investoren an den europäischen Märkten für Staatsanleihen dieselbe Botschaft, die auch der Position Deutschlands entspricht: Es gibt nur einen einzigen Weg nach vorn, nämlich den Abbau von Defiziten.“

Auch die anwesenden Mittelstands-Vertreter wurden reichlich mit Streicheleinheiten versehen. Sie seien die „heimlichen Helden“ der deutschen Wirtschaft und für zwei Drittel der Arbeitsplätze verantwortlich. „Bei der Vorbereitung dieser Rede habe ich nach einem englischen Pendant für das Wort Mittelstand gesucht. Ich musste feststellen, dass es keines gibt! Das zeigt mir dass  es sich um ein typisch deutsches Phänomen handelt“, betonte Jain.

Schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter…

Weiter skizzierte Jain die „gewaltigen Herausforderungen für unsere Branche“. So würden die Kapital- und Liquiditätsanforderungen steigen. „Mehr Kapital macht die Banken sicherer, strengere Kapitalanforderungen machen Kapital aber auch knapper und damit teurer für Sie. Das Gleiche gilt für Liquiditätsanforderungen: Die Renditen sinken, und das wiederum verlangsamt die Kapitalbildung“, sagte Jain. Was Jain dabei verschwieg: Geringere Renditen bedeuten auch weniger Bonus für die Mitarbeiter.

Darüber hinaus dürfte die wachsende Automatisierung des Bankgeschäfts zumindest im Backoffice so manchen Arbeitsplatz kosten. Jain formulierte dies freilich etwas eleganter: „Technologischer Fortschritt ermöglicht es uns, Ihnen unsere Leistungen noch besser, schneller und günstiger anzubieten.“ Doch wenn die Sachkosten aufgrund der technischen Investitionen steigen, können die „günstigeren“ Leistungen nur bei den Personalkosten reingeholt werden. Besonders den Backoffice-Mitarbeitern der Postbank dürfte in näherer Zukunft Ungemach drohen. So sagte Jain: „Privatkunden profitieren durch die Integration der Postbank von einer einzelnen Betriebsplattform. Dadurch steigt die technische Effizienz erheblich.“

… und gute Nachrichten für die Mitarbeiter

Die Konsolidierung der Bankenbranche werde weltweit weitergehen. „Angesichts des schwierigen makroökonomischen und Regulierungsumfelds gehen wir davon aus, dass die Zukunft nur noch eine Handvoll starker globaler Banken übrig bleibt“, sagte Jain. Dies bedeutet natürlich auch, dass es unter den Bankern Gewinner und Verlierer geben wird – je nachdem, ob sie bei den Verlierern und Gewinnern der Globalisierung beschäftigt sind. Für Jain dürfte es indes keinen Zweifel geben, dass der deutsche Branchenprimus zu den übrig bleibenden zählen wird: „Diese Banken werden ihren Mitarbeitern, Anteilseignern und Kunden den größten Wertbeitrag bieten.“

Als Lehre aus der Finanzkrise bekennt sich die Deutsche Bank zu Deutschland. „Die Bank sollte fest in einem starken heimischen Markt mit soliden Staatsfinanzen verankert sein. Vor fünf Jahren schien es so, als hätten sich die Banken von ihren nationalen Wurzeln losgesagt. Heute sind sie wichtiger denn je, und wir sind froh, Deutschland als einen Heimatmarkt zu haben.“ Das mögen die Frankfurter Mitarbeiter der Bank gern hören, die in der Vergangenheit zuweilen gegenüber den Londoner Kollegen das Nachsehen hatten.

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