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Traumberuf Heuschrecke (Teil 2)

Die Spitzenmanager in der Hedgefonds-Branche verdienen Hunderte Millionen Euro. Selbst durchschnittliche Lenker von Hedgefonds sind mit einer Viertel Million Euro nicht schlecht bedient. Das macht die Branche attraktiv für Nachwuchs – doch der ist nicht immer so gut wie er sein sollte.

Angesichts der Verdienstmöglichkeiten ist es kein Wunder, dass der potenzielle Nachwuchs die “Heuschrecken-Branche” umschwirrt wie Motten das Licht. Doch wo Quantität ist, ist nicht immer Qualität. Die nicht immer zufriedenstellende Performance einiger Hedgefonds wird von Branchenkennern auch auf die mangelnde Qualität der Nachwuchsmanager zurückgeführt. Doch auch in diesem Punkt muss man zwischen Deutschland und dem Rest der Welt unterscheiden.

Für Deutschland sieht Peter Alex vom Bundesverband Alternative Investments (BAI) das Nachwuchsproblem weniger gravierend. “Wie viel Nachwuchs brauchen wir denn in Deutschland überhaupt?” fragt der BAI-Sprecher. Zwar prognostiziert er weitere Neugründungen von Hedgefonds, dennoch steht seiner Meinung nach die Branche in Deutschland vor größeren Problemen, insbesondere vor regulatorischen und aufsichtsrechtlichen.

Außerhalb Deutschlands sorgt sich die Branche allerdings um adäquate Jungmanager: “Die Qualität der Hedgefonds-Manager hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich verschlechtert”, meint Ivo Felder, Leiter des Hedgefonds Investment Management bei der Schweizer RMF Investment Management, eine Tochter der britischen Man Group.

RMF und ihre britische Muttergesellschaft gehen daher bei der Auswahl ihres Nachwuchses eigene Wege. Jungmanager mit neuen Ideen werden mit ein wenig Kapital ausgestattet, um zu sehen, wie sie sich entwickeln. Nur wenige bestehen diese Testphase: “Lediglich 2 Prozent der unter die Lupe genommenen Manager haben von uns in der Vergangenheit Anlagekapital erhalten”, berichtete Felders Kollegin Claude Francoise Porret, Mitglied des Management Committee von RMF, kürzlich dem Handelsblatt. Der Rest fällt durch das Raster, erfüllt nicht die Anforderungen, die an einen guten Nachwuchs-Hedgefonds-Manager gestellt werden.

Was ein Hedgefonds-Manager können muss

Was aber macht einen guten Hedgefonds-Manager aus? Auf diese Frage hört man verschiedene Antworten wie Mut, Aggressivität, Vitalität, Integrität, Sozialkompetenz, Persönlichkeit, Teamfähigkeit und Risikobereitschaft. Zwei Eigenschaften werden fast immer genannt: Tiefes Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge und hohe mathematische Kenntnisse. Aber: “Es gibt keine allgemein gültigen Anforderungen an einen Hedgefonds-Manager”, betont Peter Alex vom BAI.

Als Beleg dafür dienen die Lebensläufe der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager des letzten Jahres: Edward Lampert, im Jahr 2004 Großverdiener der Branche, studierte Betriebswirtschaft in Yale und durchlief diverse Investmentbanking-Stationen an der Wall Street, u.a. bei Goldman Sachs. Bruce Covner von Caxton Associates hingegen kann kein abgeschlossenes Studium vorweisen – er ging ohne Abschluss von Harvard ab. Als Terminhändler auf eigene Rechnung fand er den Einstieg in die Szene – und machte seinen Weg.

Anders James Simons, im vergangenen Jahr Nummer 2 der Branche: Der am MIT studierte und in Berkley promovierte Mathematiker hat keinerlei Finanzhintergrund. “Wir stellen niemanden von der Business School ein, wir stellen auch niemanden von der Wall Street ein. Wir stellen diejenigen ein, die gut in den Wissenschaften sind”, beschrieb Simons in einem Gespräch mit dem “Institutional Investor” die Rekrutierungsphilosophie seines Unternehmens “Renaissance Technologies”.

Peter Alex wundert diese Strategie nicht: “Es gibt ja eine große Breite an verschiedenen Hedgefonds-Strategien. Die komplexen Strategien und mathematischen Modelle, mit denen ein Großteil der Fonds-Manager erfolgreich ist, sind Nicht-Mathematikern kaum zu vermitteln”, vermutet der BAI-Mann. “Daher gibt es unter dem Hedgefonds-Nachwuchs eine Menge Mathematiker und Physiker, die sich mit diesen Modellen auskennen und die die komplexen PC-Programme – zu einem großen Teil sind es ja Trendfolgeprogramme, die den Hedgefonds zugrunde liegen – programmieren oder zumindest entwerfen können.”

Die Fähigkeiten von Hedgefonds-Managern können breit gestreut sein. “Es existieren keine Standards, die besagen, ein Hedgefonds-Manager muss dieses oder jenes können.” Wichtig ist laut Alex am Ende eines: “Die Hauptsache für einen Arbeitgeber bzw. natürlich auch für einen selbstständigen Manager ist eine gute Performance.” Und das ist der einzige gemeinsame Nenner der Erfolgreichsten in der Branche.

Wie lerne ich “Performance”?

Performance zu leisten ist eine Fähigkeit, die schwierig zu lehren ist. Der von der britischen Man Group eingeschlagene Weg, potenzielle Nachwuchsmanager mit Kapital und Know-how zu unterstützen, um ihr wahres Potenzial zu erkennen, findet auch in Deutschland Nachahmer.

Die Berliner adblue financial systems GmbH, spezialisiert auf die Entwicklung von Handelssystemen für institutionelle und private Kunden, die im Bereich derivative Finanzinstrumente an der Börse Eigenhandel betreiben, bietet seit einem knappen halben Jahr das so genannte “Hedge Fund-Inkubationsprogramm” an. Ziel dieses Programms ist es, aus privaten Tradern, die die Handelssysteme des Unternehmens für ihre Börsengeschäfte nutzen, die besten als Nachwuchs für die Hedgefonds-Branche zu rekrutieren.

Das Programm läuft in zwei Phasen ab: In der Inkubationsphase handeln die privaten Trader auf eigene Rechnung mit eigenem Geld. Nach frühestens 6 Monaten dieses so genannten Live Tradings kann ein Trader dann in die Vorstellungsphase übergehen. Diese Phase des Programms ist für jene Händler gedacht, die die Inkubationsphase erfolgreich absolviert haben. Haben die Kandidaten ihr Einverständnis gegeben, dass ihre Performance an potenzielle Hedgefonds weitergegeben werden darf, übernimmt adblue die Einrichtung von Tradingkonten und die Bereitstellung von Kapital des speziellen Fonds, der gehandelt werden soll. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit der Hilfestellung, sich als unabhängiger Depotverwalter (CTA) zu etablieren.

Da das Programm, an dem derzeit laut Michael Frank von adblue immerhin rund 800 internationale Trader teilnehmen, noch nicht einmal 6 Monate läuft, ist noch keiner der Teilnehmer in der zweiten Phase. “Nach 5 Monaten ist aber zu erkennen, dass maximal 1 Prozent der Teilnehmer überhaupt in Betracht gezogen werden können”, beschreibt Frank die ersten Erkenntnisse.

Der Geschäftsführer von adblue weiß, warum er den restlichen 99 Prozent keine Chance auf eine Karriere in der Hedgefonds-Branche einräumt: “Zu hohe Verluste, zu hohes Risiko, mangelnde Disziplin, unbeständiger oder gar kein Handelsansatz, zu hohe Positionen und schlechtes oder nicht vorhandenes Risikomanagement”, zählt Frank die Eigenschaften derjenigen auf, die er als chancenlos ansieht.

Für das eine Prozent, das die Inkubationsphase übersteht, scheinen die Chancen auf einen Einstieg in die Hedgefonds-Branche nicht schlecht zu stehen: Laut Frank steht adblue mit 12 Hedgefonds und CTAs in Kontakt, die das Programm seiner Firma für ihre Nachwuchssuche nutzen möchten. “Hedgefonds, CTAs und andere Finanzinstitutionen sind immer an guten Händlern interessiert”, meint Frank. Daraus folgert er, dass adblue mit diesem Weg der “Ausbildung” Erfolg haben wird. “Der Weg eines Inkubationsprogramms ist ein kostengünstiger und einfacher Weg, potenzielle Nachwuchshändler zu ermitteln.”

Den Grundansatz dieses Wegs fasste kürzlich Prof. Rolf Tilmes von der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel gegenüber dem Handelsblatt zusammen: “Wirkliche Profis bringt nur die Praxis hervor.” Zwar bietet die ebs in Zusammenarbeit mit dem BAI seit Februar 2004 ein Aufbaustudium zum Thema Hedgefonds an, dieses soll aber lediglich das grundlegende Wissen über Hedgefonds vermitteln. Daher richtet es sich offiziell an potenzielle Berater, die lernen sollen, die Geheimnisse der Branche an mögliche Anleger zu vermitteln.

Peter Alex vom Mitinitiator BAI weiß zwar, dass in Oestrich-Winkel nicht nur zukünftige Sales-Leute, sondern auch potenzielle Nachwuchsmanager die Schulbank drücken, sieht aber ein, dass hier nur die wirklichen Basics vermittelt werden können. “Es ist natürlich schwierig, bei der Varianz an Strategien für eine adäquate Ausbildung zu sorgen. Wie wollen Sie auch Dinge wie z.B. Teamfähigkeit oder Persönlichkeit vermitteln?” So stimmt er Prof. Tilmes zu: “Letztlich stimmt es, dass nur die Praxis die wirklichen Kenntnisse vermittelt und dass sich nur in der Praxis erweist, wer Leistungen bringen kann.”

So funktioniert der Brancheneinstieg

Für den Einstieg in die Branche gibt es grundsätzlich zwei Wege, beschreibt Peter Alex: “Entweder man gründet ein Start-up und versucht es auf eigene Faust oder man findet eine Institution, die einem Geld anvertraut.” Falls ein angehender Fondsmanager den ersten, vermeintlich einfacheren Weg einschlage, sei eines besonders wichtig: “Er muss einen guten Track-Record vorweisen können. Damit kann er zeigen, dass er im Stande ist, eine gute Performance zu leisten.” Nach diesem Prinzip funktioniert auch das Trader-Inkubationsprogramm von adblue.

Normalerweise aber bedeutet das “Klinkenputzen”: Will ein potenzieller Nachwuchsmanager bei einer der großen Hedgefonds-Gesellschaften unterkommen, muss er bei diesen anfragen. “Solche Anfragen kriegen die Fondsanbieter laufend, vor allem von Absolventen, die direkt von der Universität kommen”, weiß Alex. “Darunter sind viele sehr helle Köpfe, besonders aus den Fachrichtungen Mathematik und Physik.”

Natürlich seien auch Absolventen aus wirtschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen und auch einige andere Geisteswissenschaftler darunter. Das Gros aber stamme aus den Naturwissenschaften. Egal welche Fachrichtung der Abschluss hat, wichtig ist, dass er wirklich gut ist: “Echte Chancen haben nur die besten Köpfe mit fantastischen Uni-Noten, die wirklich außergewöhnliche Leistungen an der Universität gebracht haben”, so Alex.

Qualität setzt sich durch

Eine klassische Studienrichtung oder gar ein Ausbildungsberuf wird das Berufsbild Hedgefonds-Manager wohl nie werden. Zu verschieden sind die Investmentstrategien der einzelnen Fonds und zu unterschiedlich daher auch die Kriterien, die ein Manager erfüllen muss. Auch eine Zertifizierung durch die Aufsichtsbehörden, wie sie beispielsweise RMF-Mann Felder fordert, lässt sich wohl nicht realisieren. Das sieht auch Alex so: “Abgesehen davon, dass eine Überwachung von der BaFin ja schon rein ressourcenmäßig gar nicht zu schaffen wäre, bin ich der Ansicht, dass es keine Regulierung auf diesem Gebiet geben sollte, ja geben kann. Das ist ja auch gar nicht praktikabel.”

Potenziellen Nachwuchsmanagern bleiben daher viele Möglichkeiten, den Einstieg in ihren Traumberuf zu finden. Auf ihrem Weg dorthin sollte Sie das Schlusswort von Peter Alex motivieren: “Wer gut ist, wird erfolgreich sein und seinen Platz in der Branche einnehmen.”

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