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Commerzbank-Aktionäre auf Krawall aus: Zerfrisst „unersättliche Geldgier“ das Gehirn?

Anders als in der Vergangenheit sind die Aktionäre heute kein braves Stimmvolk mehr, das bei Hauptversammlungen die Anträge bloß abnickt. Daher dürfte es bei der bevorstehenden Aktionärsversammlung der Commerzbank am Mittwoch (23. Mai) turbulent zugehen. Allerdings lässt sich kaum sagen, ob man über die Gegenanträge lachen oder weinen soll.

So beklagt sich beispielsweise ein Aktionär über den Kursverfall seiner Commerzbank-Titel  seit 1995 um 98,91 Prozent. „Dieser exorbitant hohe Kursverlust ist nach meiner Auffassung ausschließlich auf die grobe Fahrlässigkeit der Bankmanager der Commerzbank zurückzuführen. Es werden von den Managern im Bereich des Investmentbankings Finanztransaktionen durchgeführt, die dem Kasino- und Raubtierkapitalismus zuzuordnen sind“, schreibt der Antragssteller.

Um anschließend noch eins draufzusatteln: „Der Umstand, dass die unersättliche Geldgier (Bonus- und Provisionszahlungen in Millionenhöhe) auf dubiose und unverantwortlich riskante Kredit- und Wertpapiergeschäfte den Managern das Gehirn zerfressen hat, kann nicht entlastend als verminderte Schuldfähigkeit gewertet werden.“

Den aufwallenden Emotionen versucht die Commerzbank mit Sachlichkeit entgegenzutreten: „Die Commerzbank geht seit Jahren sehr verantwortungsvoll mit dem Thema variable Vergütung um. Die angesprochenen Millionenboni entsprechen nicht den Gepflogenheiten der Commerzbank“, schreibt das teilverstaatlichte Institut in einer Stellungnahme.

Ein weiterer Aktionär beantragt ebenfalls, einer Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand wegen der „desaströsen Geschäfts- und Kursentwicklung“ nicht zuzustimmen. „Eine nachhaltige Anlagekapitalrendite war / ist nicht gegeben und ist auch nicht von / mit dem neuen Aufsichtsratskandidaten zu erkennen. Es stellt sich intensiv die Frage, ob es sich bei der Investition in Commerzbank AG-Aktien um gezielten Kapitalanlegerbetrug handelt?“, ergänzt der Antragsteller.

In der Tat lässt sich der Groll der Aktionäre  angesichts eines Kurses von 1,44 Euro im heutigen Nachmittagshandel durchaus nachvollziehen. Für die schlechte Kursentwicklung dürfte in der jüngsten Vergangenheit indes nicht der „Raubtierkapitalismus“ der Investmentbanker, sondern vielmehr die Maßnahmen zur Schließung der Eigenkapitallücke von 5,3 Mrd. Euro verantwortlich sein. Falls die Allianz-AG ihre verbleibenden stillen Einlagen in Aktien umwandelt, ist sogar mit einer weiteren Verwässerung zu rechnen.

Doch trotz des schwachen Vorsteuergewinns von 550 Mio. Euro im ersten Quartal, sind nicht nur die Aktionäre die gebeutelten. Denn von der schwachen Performance werden die aktienbasierten Bonuszahlungen der Mitarbeiter ebenso empfindlich getroffen. Dabei zählt die Commerzbank im Branchenvergleich ohnehin zu moderaten Zahlern. So belief sich der Personalaufwand zwischen Januar und März gerade einmal auf 18.300 Euro – bei der Deutschen Bank waren es mit 36.300 Euro fast doppelt so viel. Von Millionenboni kann bei der Commerzbank mithin kaum die Rede sein. Allerdings haben die Mitarbeiter von der Hauptversammlung auch nicht allzu viel zu befürchten, denn an den Stimmen des Bundes führt bei der Commerzbank kein Weg vorbei.

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