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Vergessen Sie Credit Suisse: UBS vor Comeback

“Das Schweizervolk hat die Nase von den Großbanken gestrichen voll”, so tönte ein Aktionär auf der UBS-Generalversammlung im April. Ein weiterer bezeichnete den Verwaltungsrats-Präsidenten Kaspar Villiger gar als “Bankenkasper”. Mancher verfiel derart in Rage, dass er auf Hochdeutsch nicht mehr weiterwusste und in den heimischen Dialekt abglitt.

Der Ärger der Aktionäre ist verständlich, denn die UBS-Aktie ist in den drei Jahren bis zum 30. April um 78,7 Prozent auf 16,87 Franken abgeschmiert. Dagegen purzelten die Anteilsscheine des Rivalen Credit Suisse (CS) in der Finanzkrise “nur” um 47,3 Prozent auf 49,70 Franken.

Bei den Gewinnen hat die UBS schon jetzt die Nase vorn

In den zurückliegenden Jahren hatte es die UBS in der Produktion von rabenschwarzen Nachrichten zu einer wahren Meisterschaft gebracht: So versenkte die UBS 5,1 Mrd. in 2007, in 20,9 Mrd. in 2008 und 2,1 Mrd. Franken Franken in 2009.

Überdies erklärte sich die UBS bereit, rund 4500 Kundendaten an die US-Behörden auszuhändigen, womit die Bank nicht nur Schweizer Recht brach, sondern auch das eidgenössische Bankgeheimnis beerdigte.

Doch vielleicht haben sich die Aktionäre – und so mancher Mitarbeiter – zu früh geärgert. So konnte die UBS im ersten Quartal 2010 wieder mit einem Reingewinn von 2,2 Mrd. Franken kraftvoll in die Gewinnzone zurückkehren. Damit verwies die UBS sogar den Rivalen CS mit einem Gewinn von knapp 2,1 Mrd. Franken auf den zweiten Platz.

Die Mitarbeiter scheinen jedenfalls von der Trendwende überzeugt zu sein. Während die strauchelnde Großbank in 2009 rund 12.500 Mitarbeiter abbaute und Spitzenkräfte scharenweise die Flucht ergriffen, haben es Headhunter bei den UBS-Bediensteten zunehmend schwer.

“Attraktivität des Hauses wieder vorhanden”

“Die Attraktivität des Hauses ist wieder vorhanden. Die Leute sind aus der UBS einfach nicht mehr herauszubekommen. Die Stimmung ist da sehr positiv”, sagt Klaus Robert Biermann, der als Executive Search Experte in Zürich tätig ist. Auch die Vergütungen seien wieder wettbewerbsfähig.

Unterdessen bläst die UBS selbst zum Großangriff auf die Mitbewerber und steht vor einer Rekrutierungsoffensive: So hat die Großbank im ersten Quartal netto 150 Investmentbanker neu eingestellt und will in den kommenden Quartalen noch einige hundert Investmentbanker hinzugewinnen, wie UBS-Finanzchef John Cryan der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte.

Einstellungsoffensive im Investmentbanking geplant

“Wir wollen weiterhin unsere Sales und Vertriebs-Kräfte ausbauen, sowohl in Fixed Income als auch in geringerem Maß bei Aktien”, ergänzte Cryan. In anderen Kernbereichen plant die UBS zumindest “selektiv” Verstärkungen.

Denn als Goldesel hat sich bei der UBS in den zurückliegenden Monaten vor allem das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren erwiesen. Allein aus dem Investmentbanking stammt ein Vorsteuergewinn von knapp 1,2 Mrd. Franken. Dabei vervierfachten sich die Erträge im Bereich Fixed Income, Currencies and Commodities auf 2,165 Mrd. Franken. Auch in den boomenden Schwellenländern ist die UBS gut aufgestellt.

Dagegen sieht Biermann die Entwicklung bei der CS kritisch: “Die Stimmung der Mitarbeiter ist im Sättigungsbereich.” Durch die vergleichsweise positive Entwicklung der CS verfügen die Beschäftigten über üppige Aktienpakete und Pensionspläne, weshalb sie kaum zu einem Wechsel ermuntert werden könnten. “Die Leute sind nicht ansprechbar”, klagt Biermann.

Nach der Sauregurkenzeit gebe es bei der UBS indes noch viel Spielraum nach oben. Die Zukunftsaussichten der beiden Großbanken beschreibt Biermann mit einem Vergleich: “Wenn ich einen Trade machen würde, dann würde ich in UBS long und in CS short gehen.”

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