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Große Karrierechancen bei kleinen Arbeitgebern: Boutiquen wachsen auf Kosten der etablierten Investmentbanken

David mit dem Kopf Goliaths

David mit dem Kopf Goliaths

Der Kampf David gegen Goliath erhält im Investmentbanking eine neue Dimension. Während die Großbanken und Landesbanken reihum Geschäftsbereiche dichtmachen und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, nutzen kleine Banken und Boutiquen die Gelegenheit, um in die entstehenden Lücken vorzustoßen.

Baader und Berenberg blasen zum Angriff

Ein gutes Beispiel stellt die Baader Bank aus Unterschleißheim bei München dar. Denn in der Bayernmetropole hat der Platzhirsch Hypo Vereinsbank im abgelaufenen Jahr sein Equity-Geschäft geschlossen und sämtliche Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Damit eröffnete sie ungewollt neue Geschäftschancen für die mit aktuell 416 Mitarbeitern geradezu winzige Baader Bank.

So zog die Wertpapierhandelsbank rund um das Equity-Geschäft mit deutschen und österreichischen Werten ein eigenes Investmentbanking auf. 2011 war man mit gut 30 Mitarbeitern an den Start gegangen und jetzt – rund anderthalb Jahre später – zählt die Sparte bereits 50 Beschäftigte.

Mithin hat die Bank kürzlich ihr Analysten-Team um sechs auf zwölf Mitarbeiter aufgestockt. Dabei zielt die Baader Bank vor allem auf internationale Investoren ab, die sich in Deutschland und Österreich nach lohnenden Aktien umsehen. Da sich viele Großbanken aus dem Geschäft zurückgezogen haben, wittern die Münchner hier interessante Chancen – besonders in den im Ausland oftmals übersehenen Unternehmen unterhalb des DAX.

Allerdings geht der Stellensegen bei der Wertpapierhandelsbank langsam zu Ende. „Wir haben den avisierten Mitarbeiterstand weitgehend erreicht“, sagt ein Banksprecher. Vorerst würde nur noch „punktuell“ eingestellt.

Besser sieht es hingegen bei der Privatbank Berenberg aus. Das Hamburger Traditionshaus will innerhalb von zwei Jahren sein Londoner Research-Team um 30 auf insgesamt 100 Analysten ausbauen. Noch mehr Jobs verheißt die Wachstumsstrategie für Frankfurt. Dort soll das Investmentbanking in drei bis fünf Jahren von derzeit 50 auf 200 Stellen aufgestockt werden. Im Zentrum stehen die Bereiche Strategic Advisory, Equity Capital Markets und Equity Sales. Auch dort dreht sich vieles um europäische Werte.

Kleine Banken und Boutiquen bieten mittlerweile attraktive Arbeitsplätze

Den Vorstoß der kleinen Banken und der Boutiquen beobachtet auch Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult: „Die bauen alle stark auf. Sie profitieren von dem Abbau bei den klassischen Investmentbanken.“ Das Research sei heutzutage austauschbar und im Zuge von Kostensenkungsprogrammen hätten viele große Banken die Sparte verkleinert.  „In dem Bereich wird einfach nicht mehr so viel verdient wie früher“, erläutert Behrens.

Aufgrund dieser Entwicklung finden die kleinen Häuser gute Leute auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus hätten kleine Banken und Boutiquen deutlich an Attraktivität gewonnen. „Die bieten mittlerweile vernünftige Arbeitsplätze“, ergänzt Behrens. Dort böte sich oftmals eine längerfristige Karriereperspektive. Außerdem hätten diese Institute „einen guten Marktzugang“. In der Finanzkrise habe das Vertrauen der Buyside in die Groß- und Investmentbanken gelitten, wovon jetzt die Nischenanbieter  profitieren.

Im M&A-Geschäft stellen fast nur noch Boutiquen ein

Ein ganz ähnlicher Trend wie im Aktiengeschäft zeigt sich auch im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). So sagt z.B. Berent Wallendahl, der bei Leonardo & Co. das Deutschland- und Skandinaviengeschäft leitet: „Wir spüren im Markt eine hohe Nachfrage nach unabhängiger Beratung. Leonardo & Co. hat das Team in den zurückliegenden Jahren konsequent ausgebaut, um die Leistungsfähigkeit für die Kunden weiter zu erhöhen. Derzeit beschäftigt Leonardo & Co. europaweit ein Team von rund 130 Investmentbankern mit den Schwerpunkten Mergers & Acquisitions, Debt Advisory/Restructuring und Equity Capital Market Advisory. Für die Zukunft ist eine weitere Stärkung des Teams insbesondere mit Blick auf grenzüberschreitende Transaktionen in Europa geplant.“

„Bei den Top-Tier-Banken ist überhaupt kein Recruitment zu beobachten“, beobachtet Headhunter Nils Wilm von Banking Consult. „Bei den Boutiquen sehen wir mehr Bewegung“, ergänzt der Personalexperte. Besonders gesucht würden Associates mit etwa drei bis vier Jahren Berufserfahrung, weil dort die Gehälter noch nicht allzu hoch ausfielen. Neben den Boutiquen wie Leonardo würden auch die Big 4 rekrutieren, wobei die Kandidaten ebenfalls Abstriche vom Gehalt akzeptieren müssten.

Allerdings dürften die Bäume im M&A-Geschäft auch bei den Boutiquen nicht in den Himmel wachsen. Denn bei großen Deals würde an kapitalstarken Groß- und Investmentbanken oftmals kein Weg vorbeiführen. Darüber hinaus seien die komplexen Geschäftsbeziehungen bei derartigen Transaktionen oftmals ausschlaggebend. Laut Wilm gelte dort das Motto: „Die kreditgebende Bank erhält das Mandat.“

Boutiquen verfügen über günstigere Kostenstrukturen

Auch Headhunter Andreas Krischke von Indigo Headhunters beobachtet im Investmentbanking einen Trend zu Boutiquen und kleineren Banken. Dafür macht der Experte vor allem zwei Entwicklungen verantwortlich: So besäßen die Boutiquen auf der Kostenseite einen geringeren „Overhead“ als die klassischen Groß- und Investmentbanken. Dies würde es ihnen erlauben, flexibler in der Honorargestaltung vorzugehen.

Durch die niedrigere Kostenstruktur könnten die Boutiquen auch bei kleineren Transaktionen lukrativ arbeiten und böten sich damit für den Mittelstand an. Doch auch auf der Kundenseite finde derzeit ein Umdenken statt. Früher hätte sich der deutsche Mittelstand zumeist über Kredite finanziert. „Heute orientiert sich der Mittelstand mehr und mehr am Kapitalmarkt“, ergänzt Krischke. Davon würden die Boutiquen derzeit profitieren.

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