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GASTKOMMENTAR: 73 Prozent der neueingestellten Analysten verlassen das Banking innerhalb von sechs Jahren. Wann sollten Sie selbst aussteigen?

Quitting

Eine Karriere in Banking ist oftmals kurz. Tatsächlich scheint das Sprichwort mit „seinen Kräften Raubbau treiben“ von einem M&A-Analysten erfunden worden zu sein. Der Job erfordert extrem harte Arbeit,  denn als Analyst sind Sie nur ein kleines Rad in einer riesigen Maschine und das einzige, was Sie anzubieten haben,stellt Ihre Arbeitszeit dar.

Ihr Abschluss in Wirtschaftswissenschaften ist so lange nichts wert, bis Sie mit Power Point und Excel umgehen können, während jemand Ihren Kopf unter Wasser drückt. Das mag sich brutal anhören, aber es ist richtig und Sie werden für Ihr Opfer gut bezahlt. Wenn ich mich mit einem Freund von mir treffe und wir an die gute, alte Zeit zurückdenken, dann bezeichnet er dies als „Blutgeld“, denn genau darum handelt es sich.

Jeder anfangende Absolvent hat seine eigenen Gründe, um in M&A zu arbeiten (der häufigste stellt offensichtlich das Geld dar, dicht gefolgt vom Prestige). Doch wenn man die Liste weiter durchgeht, dann unterscheiden sich die Beweggründe doch beträchtlich.

Einer unserer Freunde wollte sich einen Sportwagen zulegen und Banking stellte in seinen Augen den schnellsten Weg dar, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Tatsächlich hatte er ihn nach zwei  Jahren. Ein anderer wollte sich verzweifelt gegenüber seinem älteren Bruder beweisen.

Doch nach sechs Jahren ist die Zahl der Analysten, die mit uns im selben Jahr angefangen haben und den gleichen Job machen, vernachlässigenswert. Hier sehen Sie die Analyse, die wir auf einem Bierdeckel in der vergangenen Woche angestellt haben:

Aktuelle Stelle                                              Anteil in Prozent

Exakt die gleiche Stelle                                 4%

Andere Stelle in der gleichen Bank                 7%

In einer anderen Bank                                   16%

Wechsel auf die Buyside                               42%

Ein ganz anderer Job                                     24%

Am Strand                                                    7%

Offensichtlich scheint die Versuchung, vom Banking abzuspringen, sehr hoch auszufallen. Doch wieso verhält sich das so? Die simple Tatsache lautet: die Bezahlung und die Arbeitszeiten scheinen anderswo besser zu sein (Private Equity, Hedgefonds, etc.), aber keines dieser Unternehmen stellt Absolventen ein. Daher benötigen Sie einige Jahre Berufserfahrung im Banking, bevor sich diese Chancen für Sie eröffnen. Und falls die Bezahlung anderswo nicht besser ausfallen sollte, dann ist doch zumindest die Verlockung groß, das Banking zu verlassen und einen Job mit kürzerer Arbeitszeit anzunehmen.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wann springen die Leute ab? Gibt es  ein bestimmtes Zeitfenster, um für einen Private Equity- oder Hedge-Fonds interessant zu werden – bevor Sie durch Schlafentzug  auch noch die letzte Spur von Menschlichkeit verlieren?

Die Daumenregel lautet: Sie können mit der Suche nach einem neuen Job zu jeder Zeit beginnen, nachdem Sie die ersten 18 Monate überstanden haben. Einige der größeren Fonds stellen auch Analysten in ihrem zweiten Berufsjahr ein. Dabei sollten Sie allerdings wissen, dass die großen Fonds wie KKR, Carlyle oder Permira sich ein wenig wie Banking anfühlen und dass die Arbeitszeiten dort ebenso ungünstig ausfallen können. Schließlich macht es keinen Sinn, Pest gegen Cholera einzutauschen. Obgleich es nicht schaden kann, frühzeitig anzufangen, ist die beste Zeit für die Jobsuche, nachdem Sie nach drei bis vier Jahren den Associate Level erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt verfügen Sie über die erfoderlichen Kompetenzen des Financial Modelling und der Unternehmensbewertung ebenso wie über die nötigen Softskills wie Verhandlungskompetenz und wie Sie sich in Geschäftsmeetings mit Unternehmenschefs und Investoren benehmen.

Sollte dies alles Sie davon abhalten, einen ersten Job bei einer Bank anzunehmen? Die Antwort lautet klar: Nein – so lange Sie wissen, worauf sie sich da einlassen.

Der Autor hat seine Karriere im Investmentbanking begonnen und ist später zu einem Hedgefonds gewechselt.

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