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GASTKOMMENTAR: Wie Sie mit Stress umgehen und so einer Kündigung vorbeugen

Dr Michael Sinclair

Einer meiner Freunde engagiert sich in Hochadrenalin-Sportarten. So betätigt er sich gerade als Seiltänzer. Dabei hat er Probleme, seine Balance zu finden, und er fragte mich nach meinem Rat. Die Diskussion lief inetwa wie folgt ab:

Ich: „Was denkst Du, wenn Du auf dem Drahtseil balancierst?“

Pete: „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich denke wohl, dass ich fallen werde.“

Ich: „Wie geht es Dir dabei emotional und welche köperlichen Auswirkungen hat dies?“

Pete: „Ich werde ängstlich, beginne zu zittern und zu schwanken.“

Ich: „Obgleich solche Gedanken nur zu verständlich und wahrscheinlich richtig sind, hört es sich nicht sonderlich hilfreich an, besonders wenn Du es über das Drahtseil schaffen willst.“

(Nach einer Pause) Ich: „Also Pete, wenn Du Dich das nächste Mal bei dem Gedanken ertappst: „Ich werde fallen“, dann solltest Du lieber die Vorsilbe hinzufügen: „Ich denke, dass ich…“ Vielmehr solltest Du also denken: „Ich habe den Gedanken, dass ich fallen werde.“

Als ich Pete wieder traf, grinste er von Ohr zu Ohr. „Ja, ich habe es über ein 100 Meter langes Drahtseil in einer Höhe von 30 Metern geschafft“, erzählte er.

Es stellt eine Tatsache dar, dass die Art, wie wir denken, einen tiefgreifenden Einfluss auf die Art hat, wie wir Fühlen. Dies hat wiederum einen nachaltigen Einfluss auf unsere emotionale Erfahrung, was unser Verhalten beeinflusst und die Art, wie wir in unserem täglichen Leben (und  unserer Arbeit) reagieren und welche Leistung wir erbringen.

Mir geht es nicht darum, Ihre Intelligenz zu beleidigen.  So mag in dem gegenwärtigen Umfeld der Gedanke: „Ich verliere meinen Job“ verständlich sein und ein Körnchen Wahrheit enthalten. Doch Sie sollten sich selbst fragen, ob dies tatsächlich konstruktiv ist. Bringt es Sie wirklich weiter, wenn Sie so etwas denken?

Umso mehr wir unserem Verstand erlauben,  im Autopilot zu laufen und wir uns Sorgen über katastrophale Ereignisse wie den Verlust des Arbeitsplatzes machen, umso mehr steigt der Stress-Level an und  um so mehr negative Veränderungen unseres Verhaltens werden auftreten. Dies lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass andere einen Abfall in unserer Leistung registrieren und dass die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes des Arbeitsplatzes ansteigt. Damit wird die Angst vor einem Jobverlust zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Um einen Abstand zu Ihren Gedanken zu gewinnen, sollten Sie versuchen, die Vorbemerkung hinzuzufügen: „Ich habe den Gedanken, dass…“, wenn Sie einen Gedanken haben wie: „Ich werde meinen Job verlieren.“ Das stellt schon einen Unterschied dar.

Arbeitslosigkeit verstärkt den Gedanken, dass nur die Starken überleben werden. Viele meiner Klienten arbeiten in den Finanzdienstleistungen und bei einigen handelt es sich um Schlüsselfiguren der Branche. Aufgrund dieser Angst arbeiten sie noch härter und länger, um sicherzustellen, dass sie ihren Job behalten. Doch diese Herangehensweise führt nur zu noch mehr Stress und zum Burnout, was langfristig einen negativen Einfluss auf Ihre Leistung hat.

Darüber hinaus können exzessive Arbeitsstunden den Stress in weitaus ernstere psychologische Probleme verwandeln. Sich am Ende unwohl zu fühlen und nicht mehr zur Arbeit in der Lage zu sein, macht sich sicherlich nicht gut in Ihrem Lebenslauf, sobald Sie sich für einen anderen Job bewerben. Es handelt sich um eine kleine Welt da draußen. Und die Stigmatisierung von Stress und psychologischen Problemen ist in der Unternehmens-Welt immer noch weit verbreitet.

Sicherlich ist das wirtschaftliche Umfeld schwierig und Kündigungen greifen um sich. Das Klima – namentlich in der Londoner City – ist beunruhigend und quälend. Denoch sollten Sie sich in Erinnerung rufen, dass die Konjunktur in Zyklen verläuft und sich das gegenwärtige Klima wieder verändern wird und sich damit neue Chancen auftun werden. Wir haben selbst die Wahl, wie wir mit den aktuellen Schwierigkeiten und den stressreichen Zeiten umgehen. Der Stress und die Angst vor einer Kündigung kann uns zu nicht hilfreichen Gedanken führen und dazu bringen, auf eine Weise zu handeln, die tatsächlich zu noch größeren Problemen führt, wenn wir nicht aufpassen.  Wir können mit der Angst leben oder uns zu folgendem entscheiden:

Geben Sie Ihr Bestes und verfallen Sie nicht in Panik: Lassen Sie sich nicht von der Weltuntergangsstimmung in den Medien mitziehen oder von dem, was Sie auch immer noch besorgt. Dies führt nur zu großer Angst und schlechten Entscheidungen. Versuchen Sie nicht überzureagieren. Versuchen Sie vielmehr ruhig und konzentriert zu bleiben.

Beachten Sie, wie Sie mit Stress umgehen

Viele von uns versuchen Stress zu bewältigen, indem sie wenig hilfreiche Gewohnheiten annehmen wie mehr Alkohol zu trinken, zu spielen,  zu schlemmen oder eben noch härter zu arbeiten. Doch diese vermeintlich rasche „Problem-Bewältigung“ führt langfristig nur zu noch mehr Stress.  Falls Sie bei sich entdecken sollten, dass sich irgendeine dieser Verhaltensweisen verschlimmert, dann sollten Sie sich nach professioneller, psychotherapeutischer Hilfe umschauen. Versuchen Sie andere befriedigende und entspannende Tätigkeiten in Ihrer Arbeitswoche unterzubringen.

Akzeptieren Sie Ihre Gefühle

Zumeist wird unser Stress durch Stress mit unserem Stress verstärkt. Die Stigmatisierung von Stress in der Arbeitswelt hilft hierbei nicht weiter. Denn aus verständlichen Gründen versuchen wir, unsere Gefühle zu verbergen. Dabei erscheint der Stress umso mehr berechtigt, je mehr wir einen starken Überlebenswillen zeigen. Dies verstärkt nur unseren Stress, worunter unsere Arbeitsleistung noch mehr leidet. Auch wenn Sie sich gestresst fühlen, sollten Sie sich daran erinnern, dass schlechte Gefühle auch vergehen.  Sie sind ein Mensch mit Leistungsgrenzen und das ist vollkommen in Ordnung.

Achten Sie darauf, was Sie denken

Falls Sie sich gestresst fühlen – gleich ob weniger oder mehr – dann stellt dies ein Zeichen dafür dar, dass Ihre Gedanken nicht sonderlich hilfreich für Sie sind. Sie mögen sich Sorgen um die Zukunft machen, über die Vergangenheit nachgrübeln oder übermäßig selbstkritisch und von Selbstzweifeln zerfressen zu sein. Doch all diese Denkweisen werden Ihr Selbstbewusstsein nur noch mehr herabsetzen und quälender ausfallen. Dies erschwert Ihren aktuellen Job zu behalten oder einen neuen zu finden.

Fällen Sie Entscheidungen und gehen Sie voran

Eine Verzögerungstaktik ist einer der bedeutendsten und stabilisierendsten Faktoren von Stress in Zeiten wie diesen. Versuchen Sie sich zu einer Entscheidung durchzuringen und Taten zu ergreifen, versenden Sie Ihren Lebenslauf und sprechen Sie mit Recruitern – gleich was dabei herauskommt, Sie werden damit zurechtkommen.

Versuchen Sie diese herausfordernden Zeiten auch als eine Chance für Wachstum, Entwicklung und Veränderung zu begreifen. Nutzen Sie die Gelegenheit, mehr Zeit mit Ihren Freunden und Ihrer Familie zu verbringen, liebgewonnene Gewohnheiten zu überdenken und neue Kompetenzen zu erlernen die Ihre Karriere-Aussichten verbessern. Der Trick besteht darin, die Auszeit zu nutzen, um kreativ über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Bei Dr. Michael Sinclair handelt es sich um einen psychologischen Berater und klinischen Direktor bei der City Psychology Group. Sinclair hat zu dem Thema einschlägige Bücher veröffentlicht.

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