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Umweltschutz oder Bilanz-Verschmutzung: Was Sie noch NIE über Banken wissen wollten

Scared

„Window dressing“ bedeutet auf Englisch eigentlich die ansprechende Gestaltung eines Schaufensters. Doch im Analysten-Jargon bezeichnet es auch die ansprechende Gestaltung von Geschäftsberichten – pünktlich zum Stichtag selbstverständlich. Doch immer häufiger findet sich in Geschäftsberichten nicht nur die Aufhübschung von Bilanzzahlen, sondern Informationen, die für die wirtschaftliche Beurteilung des Unternehmens schlicht überflüssig sind. Hier einige Beispiele aus Deutschland und der Schweiz:

NordLB: Jeder Mitarbeiter legte 1.790.160 Meter mit dem PKW zurück

Die NordLB stellt traditionell die letzte Landesbank dar, die ihren Geschäftsbericht vorlegt. Vielleicht tragen dazu auch die folgenden minutiösen und zeitaufwendigen Aufstellungen hierzu bei.  So hat jeder Mitarbeiter Abfall im Gewicht von 178,63 Kilogramm produziert, was 38,54 Kilo weniger als in 2009, aber – und das ist bedauerlich – 2,59 Kilo mehr als in 2010 waren.

Bei der Geschlechter-Diversität macht die Deutsche Bank langsam Fortschritte. Quelle: Corporate Responsability Report

Eine bedenkliche Entwicklung zeigt sich bei den „Dienstreisen“.  Während jeder NordLB-Beschäftigte in 2009 mit dem PKW  1453 Kilometer (und zehn Meter) zurücklegte, waren es in 2011 schon 1790 Kilometer (und 160 Meter), was eine Steigerung von 23,2 Prozent in zwei Jahren gleichkommt. Beim Wasserverbrauch zeigt sich sogar eine weit bedrohlichere Entwicklung:  Jeder Mitarbeiter konsumierte 14,75 Kubikmeter des kostbaren Nass in 2011, was 1,65 Kubikmeter mehr als im Vorjahr waren. Dennoch schlägt die NordLB klar den deutschen Branchenprimus, bei dem jeder Mitarbeiter im gleichen Zeitraum 18,9 Kubikmeter verbrauchte.

Deutsche Bank: 45 Arbeitstage gingen wegen Banküberfällen flöten

Auch der Corporate Responsability Report der Deutschen Bank beantwortet Ihnen jede Frage, die Sie noch nie interessiert hat. So ist der Weg zur Arbeit bei dem deutschen Branchenprimus offensichtlich gefährlicher als die Arbeit selbst. Denn insgesamt gingen der Deutschen Bank 1941 Arbeitstage aufgrund von „Wegeunfällen“ verloren und nur 905 aufgrund von Betriebsunfällen. Ganz (un-)wichtig ist auch folgende Angabe: „Wegen Banküberfällen“ verlor das Institut 45 Arbeitstage – eine Steigerung von 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dennoch können Konvolute wie der Corporate Responsability Report der Deutschen Bank, der mit 20 Megabyte umfassender ist als der eigentliche Geschäftsbericht, interessante Informationen enthalten. So lagen die „Austritte wegen Stellenwechsels“ in 2011 bei 5,6 Prozent, in 2010 bei 6,6 Prozent und in 2009 bei 4,8 Prozent – und korreliert dabei auffallend negativ mit der Situation am Arbeitsmarkt.

UBS:  Schweizer brauchen besonders viel Wasser

Die Schweizer Großbank UBS scheint hingegen einen sorglosen Umgang mit dem Wasser zu pflegen. So verbrauchte jeder Mitarbeiter 30,1 Kubikmeter des Lebenssaftes, was mehr als doppelt so viel wie bei der NordLB waren.

Auch bei den Dienstreisen scheinen die Großen weitaus sorgloser als die Kleinen zu sein. Denn bei der UBS legte jeder Mitarbeiter durchschnittlich 11.489 Kilometer zurück (gleich mit welchem Verkehrsmittel), bei der Deutschen Bank waren es 11.219 Kilometer – während es bei der NordLB umweltschonende 3838 Kilometer waren. Dabei handelt es sich sicherlich um die Informationen, die jeder Aktienanalyst (und auch jeder Journalist) schon immer wissen wollte. Da kann man nur hoffen, dass diese Berichte nicht gedruckt werden , denn dann würde dies Papierverbrauch kräftig in die Höhe treiben und die Umwelt-Bilanz verschlechtern.

Quelle: UBS-Geschäftsbericht 2011

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