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Anleitung zum Millionenscheffeln: Wie wird man eigentlich Insolvenzverwalter?

Mit gut 9,5 Mio. Euro zählt Deutsche Bank-Chef zu den bestbezahlten Managern eines DAX-Unternehmens. Sein möglicher Kronprinz und Chef des Investmentbankings Anshu Jain kommt nach dem Vergütungsbericht immerhin auf eine Gesamtsalär von knapp 7,8 Mio. Euro. Obwohl die Spitzenbanker für ihre Millionenvergütungen gern und heftig gescholten werden, handelt es sich doch um arme Schlucker – im Vergleich mit so manchem Insolvenzverwalter.

Denn das große Geld wird nicht in gesunden Großbanken mit Milliardenüberschüssen wie der Deutschen Bank verdient, sondern mit der Abwicklung des deutschen Wirtschaftsmülls. So soll sich das Honorar für den Insolvenzverwalter des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, laut Süddeutscher Zeitung auf bis zu 50 Mio. Euro belaufen.

Dabei wurde der promovierte Jurist erst vor gut einem Jahr vom Essener Amtsgericht mit der Arcandor-Sanierung betraut. In der Vergangenheit sollen Görgs Forderungen indes “sehr zahm” ausgefallen sein.

Von dem Honorar müssen auch die übrigen Kosten für das etwa 20köpfige Team Görgs sowie für externe Berater geschultert werden. Dabei wird die Vergütung in der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung minutiös geregelt:

Letzte Entscheidung liegt beim Amtsgericht

Die Rechnung wird am Ende des Verfahrens gestellt und bemisst sich an der Insolvenzmasse zu diesem Zeitpunkt. Der Anteil für den Insolvenzverwalter beläuft sich bis 25.000 Euro auf 40 Prozent und sinkt bis 50 Mio. Euro degressiv ab. Von allem, was über diese Summe hinausgeht, erhält der Insolvenzverwalter weitere 0,5 Prozent. Kurz, wenn die Insolvenzmasse groß genug ist, regnet es Millionen.

Der Weg zu einem derart wohldotierten Posten ist einfach und steinig zugleich. So gibt es keine konkreten Vorschriften an die Vorbildung oder die Managementqualitäten der Bewerber, wobei es sich üblicherweise um Juristen – wie im Falle Görgs -, um Betriebswirte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer handelt.

“Zum Insolvenzverwalter ist eine für den jeweiligen Einzelfall geeignete, insbesondere geschäftskundige und von den Gläubigern und dem Schuldner unabhängige natürliche Person zu bestellen, die aus dem Kreis aller zur Übernahme von Insolvenzverwaltungen bereiten Personen auszuwählen ist “, heißt es in den rechtlichen Vorgaben.

Der entscheidende Karriereschritt besteht indes darin, auf die entsprechenden Listen der Amtsgerichte zu gelangen, die über die Einsetzung von Insolvenzverwaltern bestimmen.

Selbstbedienungsmentalität?

An diesem Punkt hagelt es indes Kritik. “Ungefähr die Hälfte der Insolvenzverwalter in Deuschland, also rund 1000, verfügen nicht über die notwendige Qualifikation, die man braucht, um heute in einem Unternehmen jede Sanierungschance zu nutzen”, sagte der ehemalige Konkursrichter Hans Haarmeyer.

“Statt die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, versorgt die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens offenbar weitgehend und flächendeckend nur die Insolvenzverwalter und die mit ihnen verbundenen Strukturen,” ergänzt Haarmeyer.

Doch das letzte Wort über die Görgs Vergütung ist noch nicht gefallen. Denn laut dem Angaben seines Sprechers sei es noch zu früh, um derartige Rechnungen anzustellen. Außerdem hat sich Karstadtretter Nicolas Berggruen noch nicht mit dem Warenhaus-Vermieter Highstreet über eine Verminderung des Mietzinses geeinigt und so lange ist das Verfahren auch noch nicht abgeschlossen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Das ist umso schlimmer als letztendlich Gläubiger und Mitarbeiter diese Spitzenlöhne zahlen. Dabei verfügen Insolvenzverwalter meist über weitaus geringere Kompetenzen als richtige Manager, die allerdings weniger verdienen.

  2. Ich bin mal einem Insolvenzverwalter beim Konkurs der ABC Informatik begegnet, als ich dort Mobiliar fuer meine Jungfirma guenstig erstehen wollte. Der Typ ist so negativ aufgefallen, dass ich mir geschworen habe, nie wieder dieser Aasgeiern aehnlichen Kaste begegnen zu wollen. Geld verdirbt den Charakter sagt ein Sprichwort, viel Geld kann ihn gar ausloeschen, wuerde ich nach dieser Begegnung behaupten. Ich habe mir daraufhin neue Moebel gekauft.

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