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Der Bonushammer: Acht Maßnahmen, mit denen die EU die Banker-Gehälter beschneiden will

So mancher Banker in der EU dürfte Geier für das neue EU-Wappentier halten. Fotomontage: eFinancialCareers

So mancher Banker in der EU dürfte Geier für das neue EU-Wappentier halten. Fotomontage: eFinancialCareers

Obgleich die EU bereits eines der strengsten Vergütungssysteme für Banker rund um den Globus aufweist, regen sich im EU-Parlament Pläne, die Maßnahmen weiter zu verschärfen.

So hat die European Banking Authority (EBA) jetzt eine umfassende Studie über die unterschiedlichen Vergütungs-Vorgaben in den einzelnen EU-Staaten veröffentlicht. Falls man dort sorgfältig zwischen den Zeilen liest, dann findet sich dort einiges, das auf eine weitere Verschärfung hindeutet:

1. Die Zahl der sogenannten „Regulated Employees“ muss ausgeweitet werden

Bei den „Regulated Employees“ (so nennt sie z.B. die Deutsche Bank) handelt es sich um diejenigen Mitarbeiter einer Bank, die für Geschäftserfolg und Risiko besondere Verantwortung tragen. Diese Gruppe wird je nach Land auch als „Code Staff“ oder „Identified Staff“ bezeichnet. Bei diesen Mitarbeitern müssen 40 bis 60 Prozent der Boni über drei Jahre zeitverzögert ausbezahlt werden. Die Hälfte davon muss an den Geschäftserfolg gebunden werden.

In 2010 haben viele Banken in Europa einen recht naheliegenden Weg gefunden, um diese Regelung zu umschiffen: Sie haben relativ wenige „Regulated Employees“ ausgewiesen. So belief sich in sechs EU-Ländern der Anteil dieser Mitarbeiter auf unter 1 Prozent, in fünf weiteren auf 1 bis 5 Prozent und nur in zwei auf mehr als 10 Prozent. In zwei Fällen wiesen die Investmentbanking-Sparten sogar einen geringeren Anteil als die Retailbanken auf. „Dies ist für ein effektives Riskomanagement ungeeignet“, meint die EBA.

Daher möchte die EBA diese Gruppe schärfer umreißen, so dass weniger Leute diesen Regeln entgehen. Dabei soll klargestellt werden, welche „Risk Takers“ tatsächlich hierzu gerechnet werden. Als Folge davon müssen sich mehr Banker darauf einstellen, ihre Boni zeitverzögert ausbezahlt zu erhalten. So hat die Deutsche Bank die Zahl ihrer „Regulated Employees“ laut dem Vergütungsbericht 2011 gegenüber dem Vorjahr deutlich heraufgesetzt.

2. Banken haben das Verbot von Garantieboni für mehr als ein Jahr umgangen

Die EBA untersagt jegliche Garantieboni, die über das erste Anstellungsjahr hinausgehen, was die meisten EU-Mitgliedsländer auch umgesetzt hätten. Dennoch scheint so manche Bank einen Weg gefunden zu haben, das Verbot geschickt zu umgehen. „In der Praxis scheint die Klassifizierung von Zahlungen von Garantieboni nicht immer eindeutig ausgefallen zu sein“, schreibt die EBA. „Aufsichtsbehörden haben Fälle ermittelt, bei denen bestimmte Zahlungen als feste Zahlungen deklariert wurden, wobei eine genauerer Untersuchung der Charakteristika dieser Zahlungen ergeben hat, dass sie einer Überprüfung unterliegen.“ Dies soll es in Zukunft nicht mehr geben.

3. Alle Vergütungen müssen offengelegt werden

Bislang mussten die Banken in Europa nur offenlegen (und das auch nicht alle Banken), wie sie ihre „Regulated Employees“ vergüten. Dies hat zu einigen interessanten Erkenntnissen geführt wie z.B. bei der Deutschen Bank.

In Zukunft will die EBA, dass die Vergütungen sämtlicher Mitarbeiter ebenso offengelegt werden. „Eine wirksame Offenlegung erlaubt es, dass das Bewusstsein der Märkte zu den Vergütungen ansteigt“, heißt es weiter. Daher müsse eine gleicher Standard bei den Offenlegungspflichten sichergestellt werden. Dies sei bislang nicht gegeben. Falls sich die EBA durchsetzen sollte, dann würden künftig wesentlich mehr Details zu den Vergütungen veröffentlicht, was sicherlich sehr interessant werden dürfte.

4. Die Boni müssen weitaus kräftiger zusammengestrichen werden

Seit 2009 sinkt der Anteil der Boni an den Gesamtvergütungen. Doch dies reicht der EU noch nicht. Demnach habe es noch keinen ausreichenden „Bruch“ mit der Vergangenheit gegeben. Denn der variable Anteil übersteigt besonders im Investmentbanking den festen Anteil oftmals beträchtlich.

5. Boni müssen auf 50 Prozent der Gesamtvergütung begrenzt werden

Bislang wollte das Europäische Parlament die Boni auf das Zweifache der Grundgehälter begrenzen. Doch jetzt sollen die variablen Vergütungen auf 100 Prozent limitiert werden. „Falls die potenzielle variable Vergütung den dominierenden Teil der Gesamtvergütung darstellt, dann könnte dies das Personal dazu animieren, ein zu hohes Risiko einzugehen, um ein bestimmte Minimalvergütung zu erhalten“, stellt die EBA fest.

Die EBA hat ermittelt, dass sich der Median der Boni bei den „Regulated Employees“ auf 313 Prozent beläuft und in Einzelfällen sogar bei 914 Prozent liegt.

Die Begrenzung der Boni auf die Höhe der Festgehälter dürfte zwei Folgen nach sich ziehen: Erstens werden die Festgehälter ansteigen und zweitens werden die Banken Personal abbauen, um ihre Fixkosten im Griff zu behalten, oder aber Personal nach Asien verlagern, wo die Regulierungen weniger streng ausfallen.

6. Die Clawback-Regelungen sollen verschärft werden

Bei Clawbacks handelt es sich um Bestimmungen, die es Banken erlauben, (aufgeschobene) Bonuszusagen rückwirkend wieder einzukassieren. Nach den Vorstellungen der EBA solle dies nicht nur eintreten, sofern das Unternehmen Verluste einfährt, sondern auch wenn die Geschäftseinheit oder die Person für Verluste verantwortlich sei.

7. Alle Boni müssen an Risiken gebunden werden

Bislang sind lediglich die Boni von Führungskräften direkt an die Risiken gebunden. Dies soll jetzt auf weitere Mitarbeitergruppen ausgeweitet werden.

8. Einige Mitgliedsstaaten – wie Deutschland – müssen die Vergütungsregeln auf weitere Banken ausdehnen

Laut der EBA dehnen die einzelnen Mitgliedsstaaten die Regeln auf einen recht unterschiedlichen Kreis von Banken aus. Besonders lax ist dabei Deutschland, während Italien recht streng ist. So müssen in Deutschland keine Institute die Bonusrestriktionen befolgen, deren Bilanzsumme in den zurückliegenden drei Jahren unter 10 Mrd. Euro lag. Dies hat laut Branchenexperten dazu geführt, dass kleinere Banken wie Berenberg und Hauck & Aufhäuser im Investmentbanking attraktivere Cahshboni zahlen konnten als die Großbanken. Für so manchen deutschen Banker könnten die bevorstehenden Änderungen so zu einem bösen Erwachen führen.

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