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Mythos & Wahrheit: Wie Auslandserfahrung Ihre Karriere vorantreibt

In Buchhandlungen wimmelt es nur so von Karriereratgebern, die sich alle in einem Punkt einig sind: Internationale Erfahrung schmückt Ihren Lebenslauf wie ein Picasso die heimischen vier Wände. Doch wie sieht die alltägliche Realität im Recruitmentprozess aus? Wo liegen Mythos und Wahrheit? eFinancialCareers hat bei Executive Search-Experten in Frankfurt nachgefragt:

1. Auslandserfahrung kann nur von Vorteil sein

“Grundsätzlich können Sie Auslandserfahrung nur als Plus werten. Das ist positiv für die Persönlichkeit und Sie können sich schon einmal sicher sein, dass Sie einer interessanten Persönlichkeit gegenübersitzen, wenn der Kandidat eine Station im Ausland verbracht hat”, sagt Mirja Linke von Deininger Consulting. Damit könne ein Auslandsaufenthalt auch für die Karriere nur einen Pluspunkt darstellen. Dennoch sei dies keine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere.

Die Relevanz von Auslandserfahrung für die Karriere hänge auch vom jeweiligen Geschäftsbereich ab. “Wenn Sie im Investmentbanking oder in Capital Markets arbeiten, dann ist es wichtig, auch einmal in London oder New York gewesen zu sein”, ergänzt Linke.

2. Auslandssemester und Praktika sollten selbstverständlich sein

“In der Tat hat internationale Erfahrung einen großen Einfluss auf die Karriere. Man unterstellt dem Kandidaten Flexibilität und interkulturelle Erfahrung”, betont auch Gunnar Belden von DIS Consulting.

“Auslandsaufenthalte während des Studiums sollten heute eine Selbstverständlichkeit sein, sind es aber nicht”, beobachtet Belden. Noch immer würde nur eine Minderheit der Absolventen Auslandserfahrung mitbringen.

Allerdings dürfe ein Auslandspraktikum auch nicht überbewertet werden. “Ein Praktikum beweist gar nichts. Ein Praktikum findet in erster Linie für den Praktikanten und nicht für das Unternehmen statt”, ergänzt Belden. Ein Praktikant müsse nicht unbedingt Leistung für das Unternehmen erbringen.

Ein Recruiter könne auch nicht ersehen, ob das Praktikum bei einem Onkel stattgefunden hat und nur Deutsch gesprochen wurde. Für Belden stellt es auch kein Geheimnis dar, wieso sich sonnige Destinationen für Auslandssemester so großer Beliebtheit erfreuen.

3. Spezialgebiet wichtiger als Destination

Ob ein Auslandseinsatz in Mailand, Paris oder London verbracht wurde, ist laut Stefanie Storck von Euro London Appointments zweitrangig. Wichtiger sei indes, dass der Einsatz im betreffenden Fachgebiet stattgefunden habe. Wenn sich also ein Kandidat für eine Stelle in M&A bewirbt, dann werde auch ein Auslandspraktikum in diesem Bereich gern gesehen. Etwas unattraktiver seien berufsfremde Auslandserfahrungen wie z.B. als Au-pair.

4. Wie ein Auslandseinsatz zum richtigen Karriereturbo wird

Doch anders als Auslandssemester und Praktika stellen Auslandseinsätze im Auftrag eines Arbeitgebers laut Belden einen richtigen Karriereturbo dar. “Wer mit einem Leistungsauftrag ins Ausland gegangen ist, wird sicherlich eine höhere Lernkurve haben. Der Wert für das Unternehmen besteht darin, dass der Mitarbeiter gezeigt hat, dass er im Ausland Leistung erbringen kann”, betont Belden. Dabei könne sich ein solcher Auslandseinsatz auch noch viele Jahre später auszahlen.

5. Wer kein Deutsch kann, hat hierzulande kaum Chancen

“Wir bekommen Bewerbungen von Kandidaten, die nur Englisch und gar kein oder nur sehr wenig Deutsch sprechen”, beobachtet Storck. Denn seit der Finanzkrise habe sich etwa in London herumgesprochen, dass die Nachfrage auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt vergleichsweise stabil ist.

“Wenn sie einen erstklassigen Lebenslauf sehen, aber die Menschen können kein Deutsch und sind daher unvermittelbar, dann kann das richtig wehtun”, beklagt Storck. Bewerbern werde indes klar kommuniziert, dass eine Vermittlung ohne Deutsch schwierig sei.

Laut Storck seien Bewerber ohne solide Deutschkenntnisse nur auf 15 bis 20 Prozent der Stellen vermittelbar. Dies betreffe beispielsweise kapitalmarktnahe Funktionen im Investmentbanking oder sehr spezielle Anforderungen. Storck nennt einen Fall, wo eine Bank einen Sales-Experten für Skandinavien und Italien suchte, wobei Englisch- und Italienischkenntnisse Pflicht gewesen seien. “In einem solchen Fall können Sie nicht auch noch Deutsch erwarten”, ergänzt Storck.

6. Wenn der Auslandsaufenthalt in die Auslandskarriere mündet

“Wenn Sie Profile anschauen, dann sehen Sie, dass manche Kandidaten von Auslandsstation zu Auslandsstation wechseln”, beobachtet Linke. Nach vielen Jahren im Ausland fällt es offenbar schwerer, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Da wachsen auch die Zweifel bei potenziellen Arbeitgebern. “Der war so lange im Ausland, ich weiß gar nicht, ob der sich hier wieder zurechtfindet”, resümiert Linke die Einschätzung von so manchem Arbeitgeber. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Auslandsaufenthalt in eine Auslandskarriere mündet.

Kommentare (2)

Comments
  1. “Ein Praktikum beweist gar nichts… ”

    Wunderbar! Endlich mal ein paar kritische Zeilen über dieses Thema!

    Das Thema ist aber nichts anderes als das Totalversagen der Personalabteilungen.

    Die Fakten: Wer nicht
    rechnen kann (Controlling)
    kreativ ist (Marketing)
    planen kann (Logisitk)
    und, und, und
    wer also GAR nichts Produktives kann, der wählt den Weichspüler-Schwerpunkt BWL/Personalwesen. Was muss man dazu können außer Auswendiglernen? Nichts.

    Und die Katastrophe daran ist – diese Schwächsten bestimmen über die Karrieren der Leistungsträger! Zumindest der Absolventen; jeder andere sucht sich einen Headhunter und spricht nur mit Fachabteilungen.

    Wer das mal durchschaut hat, dem wird auf einen Schlag alles klar, warum diese (…) die einfachsten Bewerbungen nicht auf ihre Profile matchen können; die nach Software schreien, weil sie schlichtweg ihre Arbeit nicht können. Und zurück zum Thema: Die schlichtweg keine Kriterien mehr zur Auswahl haben oder Assessment-unfähig sind, und daher erst mal alles nach oben sortieren, was ein Praktikum im Ausland absolviert hat.
    Was bitte muss man im Ausland können? Englisch, sich zurückhalten, essen, schlafen,.. – SUPER

  2. Das ist ein willkommener Anlaß, mal über die Zunft der Personalberater zu sprechen:

    Ich kenne Personalberater, die viel Theorie von sich geben, um immer wieder auf ihre Daseinsberechtigung hinzuweisen.
    Wer wird heutzutage Personalberater ? Das sind oftmals Individuen, die in einem Angestelltenverhältnis gescheitert sind, aber Meister im Phrasendreschen sind. Oder es gibt die Sorte Personalberater, die Frauen beim Auswahlverfahren für Managementpositionen konsequent ausblenden. Das sind diejenigen, die heute schon von gestern sind, dieses aber noch nicht einmal bemerkt haben !!! Oder es gibt die Personalberater, die nur in Schubladen denken können, d.h. keine Phantasie entwickeln wenn es darum geht zu entscheiden welcher Lebenslauf zu welcher Position passen könnte.Oder es die Personalberater, die auf einem so hohen Ross (warum auch immer) sitzen, daß sie es nicht einmal für nötig erachten, ein wenig Bewerberpflege zu betreiben. Ganz im Gegenteil, wenn der Bewerber dann die Initiative-Kontaktaufnahme ergreift hat er das Gefühl, dass er eine Audienz beim Papst beantragen muß !
    Da lobe ich mir doch die Amerikaner !!!

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