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Droht der Schweiz ein Exodus der Hedgefonds-Manager? Liechtensteiner und Luxemburger hoffen auf neue Stellen

Das Liechtensteiner Schloss - Sitz der Fürstenfamilie.

Das Liechtensteiner Schloss - Sitz der Fürstenfamilie.

Die Schweiz ist stolz darauf, nicht der EU anzugehören und auch keine EU-Direktiven umsetzen zu müssen. Doch jetzt droht dem Schweizer Hedgefonds-Standort Ungemach. Nach einer vertraulichen PwC-Studie könnte die Nichtteilnahme der Schweiz am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) Hedgefondsmanager aus der Schweiz nach Liechtenstein vertreiben.

Laut dem Handelsblatt, dem die Studie vorliegt, könnten bis zu 400 Vermögensverwalter und Fondsmanager mit Assets under Management von 870 Mrd. Franken dazu gezwungen sein, ihr Geschäft in das kleine Fürstentum zu verlegen. Dies gelte besonders für die 400 „Single-Hedge-Fonds“ Manager der Schweiz.

Hintergrund für dieses Szenario ist die Alternative Investment Fund Managers Directive (AIFMD), mit der die EU-Kommission sämtliche alternative Investmentvehikel regulieren will, die nicht unter die UCITS-Fonds fallen. Seit dem 21. Juli 2011 haben die EU-Mitgliedsstaaten zwei Jahre lang Zeit, die AIFMD in nationales Recht umzusetzen.

AIFMD wird den Markt für alternative Investments verändern

Das mag sich nach reichlich EU-Bürokratie anhören, dennoch dürfte dies nachhaltigen Einfluss auf das Geschäft mit Hedgefonds, Private Equity Fonds und Immobilienfonds in der EU und eben auch in Liechtenstein und der Schweiz haben.

Denn nach Umsetzung der Direktive dürfen innerhalb der EU keine entsprechenden Fonds mehr vertrieben werden, wenn diese nicht AIFMD-konform ausfallen. Falls der Erfolg der AIFMD-Fonds ähnlich wie die UCITS-Regulierung sein sollte, dann würde sich damit ein neuer Qualitätsstandard in Europa etablieren.

Der Clou dabei: Die AIFMD gilt nicht nur in den 27 EU-Mitgliedsstaaten, sondern auch in den EFTA-Staaten, wozu u.a. Liechtenstein zählt. Nicht jedoch die Schweiz. Dort könnte eine entsprechende Regelung frühestens 2015 in Kraft treten. Damit bietet sich für Liechtenstein eine Chance, das Geschäft mit alternativen Investments auf Kosten der Schweiz zu stärken.

Entsprechende Ambitionen gibt die Delegierte der Liechtensteiner Regierung für Finanzplatzfragen Katja Gey unumwunden zu: „Im Markt für alternative Investments werden durch die Richtlinie die Karten neu gemischt.“ Um sich einen Startvorteil zu verschaffen, tritt das Fürstentum bei der Umsetzung der Richtlinie auf das Gaspedal: Bereits am 22. Dezember lang ein Gesetzesentwurf vor.

Ähnlich äußerte sich der für Investmentfonds zuständige Partner der Kanzlei Clifford Chance gegenüber dem Handelsblatt: „Ich sehe Liechtenstein als mehr und mehr integrierten Bestandteil der EU, der sich alle Mühe gibt, der Hedge Fonds-Standort in Europa zu werden.“

In Luxemburg spielt das Thema AIFMD auch auf dem Jobmarkt eine wachsende Rolle

Doch nicht nur in Vaduz macht man sich Hoffnung, von der AIFMD zu profitieren. Auch in Luxemburg glaubt man an neue Stellen. Dies beobachtet zumindest Andrew Notter vom Recruitment-Unternehmen Badenoch & Clark in Luxemburg: „AIFMD führt schon  heute bis zu einem gewissen Grad zur Schaffung neuer Stellen, aber wir rechnen damit, dass die Nachfrage nach entsprechenden Profilen in Zunkuft ansteigen wird.“

Sein Kollege David Kitzinger erläutert die Hintergründe: „Die AIFMD bedeutet mehr Regeln und mehr Regeln bedeuten mehr Administration und mehr Administration bedeuten mehr Stellen.“ Generell verstehe sich Luxemburg bei der Umsetzung der AIFMD als Vorreiter.


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