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GASTKOMMENTAR: Was ich gern gewusst hätte, als ich als Trainee bei einer Investmentbank begonnen habe

Als Uniabsolvent bei einer Investmentbank zu beginnen, ist eine der aufregendsten und Respekt einflößendsten Erfahrungen im Leben eines Nachwuchsbankers. Es handelt sich um eine verdammt harte Arbeit, doch sie kann auch viel Spaß machen. Doch falls Sie wirklich mitspielen wollen, dann rate ich ihnen dringend…

… sich nicht zu bequem einzurichten

Sie müssen sich noch beweisen. Lassen Sie sich nicht von einem einladenen Team täuschen, wo Scherze gemacht werden und eine entspannte Atmosphäre herrscht. Von Ihnen wird dennoch erwartet, gute Leistung und gute Resultate zu erbringen. Packen Sie Ihren Laden nicht um 16.35 Uhr zusammen. Sie müssen keine unnötige Anwesenheitszeit am Arbeitsplatz verbringen, doch zeigen Sie Engagement.

… sich professionell zu verhalten

Glauben Sie nicht, eine Kündigung wäre unmöglich – sie ist es. Viele Trainees glauben, dass sie erst einmal für zwei Jahre sicher sind. Doch die Wahrheit ist: Wenn Sie einen Fehler begehen, sich unangemessen benehmen, oder des Fehlverhaltens bezichtigt werden, dann ist ihr Hintern so schnell vor die Tür gesetzt, dass Sie es nicht einmal bemerken.

Seien Sie vorsichtig mit Investmentbanking-Klatsch bei der Wahl Ihrer Worte am Telefon und im Handelssaal.

… sich nicht beim Chatten erwischen zu lassen

Lassen Sie sich nicht den ganzen Tag bei einem Plausch beobachten. Nichts ist schlimmer als wenn ein Managing Director, Executive Director etc. Sie dabei erwischt, wie Sie mit einem Ihrer Kumpel tratschen.

Treffen Sie sich für ein Feierabend-Bier, treffen Sie sich außerhalb des Büros, gehen Sie gemeinsam in die Mittagspause, doch lungern Sie nicht um die Tische herum, wenn Sie stattdessen mit Zahlen in Excel jonglieren könnten.

Ich habe immer sehr darauf geachtet, wie ich wahrgenommen wurde und ganz am Anfang habe ich mich sogar heruntergebeugt und beinahe gekniet, als ich mit Leuten gesprochen habe – 99,9 Prozent der Gespräche sollten sich um geschäftliche Dinge drehen. Einen Tag sagte ein Managing Director zu mir, ich würde aussehen, als ob ich flüstern und tuscheln würde. Ich erkannte: Obgleich ausgelassen und laut zu sein, nicht gut ist, gilt dies auch für das Gegenteil.

… sich nicht wie ein Trottel zu kleiden

Lassen Sie sich nicht gehen. Sie sollten sich so kleiden, dass Ihr Managing Director Sie jederzeit gerne in ein Kundengespräch mitnimmt, weil Sie immer Ihr Jackett tragen und Sie Ihre Krawatte immer griffbereit in der Schublade bereithalten.

Und für die Damen: Es gibt nichts schlimmeres als himmelhohe Stöckelschuhe zu tragen und damit den Handelssaals auf und ab zu laufen – herumzuwackeln wie ein Püppchen regt allenfalls die Trader zu Scherzen an. Tragen Sie komfortable Schuhe! Sie werden mir danken, wenn Sie es nicht sind, die Kaffee über Teppich vergießt.

… Ihr Netzwerk zu nutzen

Bei Ihrem Abschlussjahrgang handelt es sich um ein großartiges Netzwerk – nutzen Sie es! Stellen Sie sicher, dass sie ggf. auf die Expertise dieses Personenkreises zurückgreifen können. Falls Sie im Aktienhandel tätig sind, werden Sie fast unweigerlich irgendwann einmal auf jemanden aus der Prime Brokerage treffen. Sie müssen die verschiedenen Produkte im Angebot kennen und wie die verschiedenen Teams zusammenarbeiten. In jedem Fall ist es besser, von Ihresgleichen zu lernen als vom Managing Director.

… sich nach Chancen umzuschauen

Sprechen Sie mit Ihren Kollegen, achten Sie darauf, worüber sie sprechen und ob sie neue Produkte für Ihre Kunden entwickeln. Informieren Sie Ihr Team über abgefahrene Produkte. Das zeugt von Ihren produktübergreifenden Kenntnissen.

… sich auf den Evaluierungsprozess vorbereiten

Seien Sie nicht naiv. Es gibt halbjährliche und jährliche Personal-Evaluierungen. Ignorieren Sie nicht die Reifen, durch die Sie springen müssen. Finden Sie heraus, wie das funktioniert, was Sie erreichen müssen und was nicht, um bestimmte Kriterien zu erfüllen.

Am Ende meines ersten Jahres wurde u.a. meine Führungskompetenz evaluiert. Dabei waren die Chancen, im ersten Jahr Führungskompetenz zu zeigen, eher begrenzt. Ich dachte dies wäre ok und wurde auf der Skala von 1 bis 5 mit 1 bewertet. Mir wurde gesagt, ich solle derartige Gelegenheiten ausfindig machen und meine Führungsqualitäten zeigen. Also machen Sie sich klar, was auf Sie zukommen könnte und seien Sie immer einen Schritt voraus.

Diejenigen Absolventen, die ihr erstes Jahr – alle zwölf Monate und 365 Tage – wie ein Praktikum angehen, zeigen was in ihnen steckt und erhalten die überdurchschnittlichen Bewertungen. Dies sollten Sie in den kommenden Monaten im Hinterkopf behalten.

Der Autor war auch einmal ein Trainee in einer Investmentbank – und hat überlebt.

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