☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Find Dich damit ab Kid, Du bist einfach nicht gut genug fürs Trading

Der Text kommentiert einen Gastkommentar, worin Nachwuchsbanker “Citykid” erklärt, wieso er ein geborener Trader ist und eigentlich ins Frontoffice gehört.

Also mein lieber Kid, Du fantasierst also über Deine Chancen als Trader? Vielleicht bis Du ja ein milchgesichtiger Uniabsolvent mit einem analytischen Kopf, der gerade seine Promotion in Astrophysik hinter sich gebracht hat? Möglicherweise bist Du auch ein Buchhalter mit mathematischen Neigungen, der in seiner Freizeit mit CFDs handelt oder sich mit Spread-Wetten auf den FTSE 100 beschäftigt?

In fast jeder Woche bringt die Londoner Gratiszeitung Evening Standard eine Geschichte darüber, wie eine Gruppe von Tradern gerade 50.000 Pfund für Champagner in einem der besten Clubs im noblen Londoner Stadtteil Mayfair ausgegeben hat, nachdem sie gerade ihren Bonus ausbezahlt bekommen haben. Vielleicht sind sie auch gerade zum richtigen Zeitpunkt aus Subprime-Papieren ausgestiegen oder sie haben in Kreditderivate investiert. Oder aber sie hatten einfach Glück, denn die Flut hebt bekanntlich alle Boote. Eine lockere Geldpolitik hat auch den Durchschnittstrader mit einer Menge billigen Spielgelds versorgt.

Im Grunde scheint alles ganz einfach zu sein. Als Du einen Handelssaal gesehen hast mit einer Kapazität von bis zu 1000 Leuten und festgestellt hast, dass jede der 20 Topbanken zumindest einen unterhält (doch üblicherweise sind es zwei verschiedene für Aktien und Fixed Income), hast Du nachgerechnet und erkannt, dass sehr viele Leute jeden Tag in der Londoner City traden – mit den Hedgefonds an der Spitze. Die Chance, einen Fuß in die Tür zu bekommen, kann also nicht allzu schlecht sein, oder?

Doch bedenke, dass jeder Trade zwei Seiten hat. Als Nick Leeson Barings in den Abgrund stürzte, war der Trader auf der anderen Seite des Geschäfts Eric Mindich, der zu dieser Zeit der jüngste Partner aller Zeiten bei Goldman Sachs gewesen ist und zwischenzeitlich seinen eigenen Hedgefonds, Eton Park, gegründet hat. Überdies war er ein Pionier im Handel mit Merger-Arbitrage (nur damit Du siehst, wie weit Du von einer wirklich erfolgreichen Karriere im Trading entfernt bist). Falls Du einen ehrlichen Blick in den Spiegel wirfst, wem glaubst Du, ähnelst Du eher?

Hier sind nur einige Fähigkeiten, die Du brauchst, wenn Du auch nur ein mittelmäßiger Trader sein möchtest:

Schnelles Denken: Du musst in der Lage sein, blitzschnell Entscheidungen unter massivem Druck inmitten eines lauten und aufgewühlten Handelssaals zu treffen. Und wenn die Märkte wechselhaft sind und Du gerade die Hälfte Deiner bisherigen Gewinne in den letzten drei Trades verloren hast, kannst Du dann einen kühlen Kopf bewahren, und handeln, ohne dass Dir die Sachen um die Ohren fliegen?

Der Umgang mit streitenden (und oftmals soziopathischen) Persönlichkeiten: Wenn der Sales-Chef für ganz Europa Dich in sein Eckbüro ruft und Dir die Ohren dafür langzieht, dass Du ausgerechnet in derjenigen Aktie short gegangen bist, die er in alle Kunden hineinpumpt, was wirst Du dann machen? Und dazu musst Du auch noch den Umstand berücksichtigen, dass der gute Mann Deine Karriere ruinieren kann, da er in der Bank so einflussreich ist. Überdies ist er ein Ex-Triathlet (Alphatiere machen sich ganz gut in Banken), der zwei Meter misst, Mundgeruch hat, eine fiesen Blick aufweist und dem eine wulstige Ader die Stirn herabläuft.

Früh aufstehen: Es mag sich oberflächlich oder leicht anhören, doch kannst Du Dich wirklich jeden Tag um 5.30 Uhr aus dem Bett quälen? Falls Du jeweils mit der Londoner U-Bahn um diese Zeit zur Arbeit gefahren bist, dann weißt Du, wie unnatürlich es sich anfühlt, umgeben von den anderen Gestalten, die zu dieser unchristlichen Stunde aufstehen müssen (Burger-Wender von McDonalds, Krankenschwestern und Beschäftigte der öffentlichen Verkehrsmittel). Und falls es Donnerstag ist und Deine Broker sind gemeinsam mit Dir am Abend zuvor ausgegangen und Du bist erst um 3.30 Uhr nachhause gekommen, glaubst Du, dass es dann Deinem Vorgesetzten nicht kümmern wird, wenn Dein Platz während der morgendlichen Telefonkonferenz unbesetzt bleibt? Natürlich nicht.

Klar gibt es noch viel mehr als das oben genannte, was einen erfolgreichen Trader ausmacht, aber für den Anfang reichen diese drei Punkte. Also ruf mich in zwei Jahren an und erzähl mir, ob Du zurück bist bei der Buchprüfung von Kapitalgesellschaften oder ob Du Dich in eine Luxusherberge auf Long Island zurückgezogen hast.

Bei dem Autor handelt es sich um einen Trader, der sich an der Behauptung stößt, sein Leben sei leicht

Kommentare (1)

Comments
  1. Herzlichen Dank das einer ausspricht. Wahrscheinlich ist Citykid einer von diesen Unis die gedanklich schon Investmentbanker im 1 Semester sind.

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier