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Zwischen Feuerwehr und Brandstifter: Wer ist Jörg Asmussen?

Die Wolken über dem Finanzministerium ziehen sich wieder zusammen. Erst kürzlich musste der deutsche Fiskus weitere 40 Mrd. Euro bereitstellen, um die Hypo Real Estate (HRE) als größte Geldvernichtungsmaschine der Nation künstlich am Leben zu erhalten. Damit summiert sich die Abschirmung allein für den maroden Münchner Immobilien- und Staatsfinanzierer auf 142 Mrd. Euro.

Dies hält die HRE freilich nicht davon ab, ihren gerade einmal etwa 1370 Mitarbeitern Boni von 25 Mio. Euro für 2009 auszuschütten und dem Vorstand üppige Pensionsleistungen zu gewähren.

Die Opposition will sich dies nicht länger gefallen lassen und ruft nach einer Abwicklung des operativen Geschäfts der HRE. “Man sollte auf Neugeschäft verzichten und nur das jetzige Portfolio bis zur Fälligkeit halten oder verkaufen”, fordert unterdessen der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Schneider.

Wenn der Minister im Krankenhaus liegt, ist die Zeit der Staatssekretäre angebrochen

Obgleich sich über dem Finanzministerium ein Gewitter zusammenbraut, muss sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für vier Wochen ins Krankenhaus verabschieden, um Folgekrankheiten seiner Querschnittslähmung behandeln zu lassen. Damit ist die Stunde der Staatssekretäre gekommen, die zwar in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind, aber die Politik im Herzen der Ministerien maßgeblich mitbestimmen.

Eines dieser Gespenster – die unsichtbar, aber mächtig sind – ist im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen, der für Finanzmarktpolitik zuständig ist und pikanterweise ein SPD-Parteibuch sein Eigen nennt.

Ein Vorgeschmack auf die ministerlose Zeit folgte sogleich. Dem SPD-Staatssekretär fiel es zu, die SPD-Forderung nach Abwicklung der HRE zu parieren. “Nach allen uns vorliegenden Gutachten ist eine Kernbank, die für den Steuerzahler beste Lösung, und nicht die sofortige Einstellung des Geschäftsbetriebs”, sagte Asmussen.

Schon im Studium wichtige Seilschaften geknüpft

Doch wer ist Asmussen, der als Verantwortlicher für Finanzmarktpolitik an einem der derzeit wichtigsten Schalthebel der Republik sitzt?

Asmussen wurde 1966 in Flensburg geboren und studierte von 1988 bis 1994 Volkswirtschaft in Gießen und Bonn. Dabei knüpfte er Kontakte zum Professor für Wirtschaftstheorie Axel Weber, der übrigens 2004 zum Präsidenten der Deutschen Bundesbank aufstieg und sich zum Sprung an die Spitze der Europäischen Zentralbank bereit macht.

Überdies absolvierte Asmussen einen Master of Business Administration (MBA) in 1992 an der Bocconi Universität in Mailand. Nach einem kurzen Umweg über ein Sozialforschungsunternehmen startete der Schleswig-Holsteiner 1996 seine Karriere im Bundesfinanzministerium als Referent für internationale Wirtschafts- und Währungspolitik.

Unter Eichel wurde der Karriereturbo zugeschaltet

Nach der Übernahme des Bundesfinanzministeriums durch die SPD in 1998 schaltete der damals erst 32jährige den Karriereturbo zu: Asmussen avancierte zum persönlichen Referenten des Staatssekretärs für Finanzmarktpolitik und von 1999 bis 2002 sogar zum persönliche Referenten des Ministers selbst. Von 2003 bis 2008 leitete Asmussen als Ministerialdirektor die Finanzmarktpolitik.

Rund ein Jahr vor dem Ende der großen Koalition wurde Asmussen noch rasch im Juni 2008 zum Staatssekretär befördert. Doch der übliche Karriereknick nach der Übernahme des Bundesfinanzministeriums durch die CDU blieb aus.

Feuerwehr oder Brandstifter?

Darüber hinaus ist Asmussens Werdegang eng mit der Finanzkrise verbunden, so mancher Kritiker behauptet sogar zu eng. So saß Asmussen beispielsweise im Aufsichtsrat der IKB und kontrollierte damit ausgerechnet jenes Institut, das in 2007 das Bankendomino während der Finanzkrise in Deutschland eröffnete.

Angeblich soll sich der Volkswirt damals für den Kauf jener Papiere eingesetzt haben, die später zum Zusammenbruch des Instituts beitrugen, wie Kritiker bemängeln. Auch im Verwaltungsrat der Regulierungsbehörde BaFin saß Asmussen bereits.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise betätigt sich der 44 jährige als Feuerwehrmann und tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters, der in Flensburg für die Stadtfeuerwehr arbeitete. Da bleibt zu hoffen, dass sich Asmussen mit seiner Nibelungentreue zur HRE nicht zuletzt als Brandstifter erweisen sollte.

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