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GASTKOMMENTAR: Meine Erfahrungen mit dem Praktikanten-Recruitment von Goldman Sachs

Goldman Sachs: where the alluring bankers work

Goldman Sachs: where the alluring bankers work

Kürzlich erhielt ich ein Angebot für ein Sommerpraktikum bei Goldman Sachs. Nachdem ich die Bewerbungsprozesse bei einigen Banken mitgemacht habe, kann ich sagen, dass der Recruitment-Prozess bei Goldman Sachs einzigartig ausfällt (zumindest in Kontinentaleuropa, wo ich lebe). Hier die Schlüsselaspekte des Prozesses und meine Vorschläge, wie Ihr diese bewältigt.

1. Phase: Die Online-Bewerbung

Anders als die meisten Investmentbanken verlangt Goldman Sachs von den Bewerbern keinen numerischen Test. Der wichtigste Teil der Online-Bewerbung besteht in einem 300 Wörter langem Text, in dem Ihr erklärt, wieso Ihr bei Goldman Sachs anfangen wollt und welche Fähigkeiten Ihr mitbringt, die für die Position relevant sind. Meine Tipps für diese Übung lauten:

– Versucht Euch frühzeitig zu bewerben. Obgleich die Bewerbungsseite üblicherweise von Mitte September bis Mitte November offen ist, solltet Ihr nicht zu lange warten, da die Recruiter womöglich den Prozess abschließen, sobald sie genügend gute Bewerbungen erhalten haben.

– Kommt auf den Punkt und seid prägnant. 300 Wörter ist wirklich wenig, daher müsst Ihr Euch kurz fassen und immer einen Schritt voraus sein, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu erheischen.

– Erwähnt keine Rankings. Bei meiner ersten Interview-Runde erzählte mir ein Gesprächspartner, dass die Personaler es satt haben, Rankings zu lesen. Findet einen weg, über die Bank zu schreiben, ohne Rankings zu verwenden.

– Informiert Euch über einen Deal im Detail und schreibt einen Satz darüber. Personaler lieben es, wenn die Bewerber wissen, was das Unternehmen so anstellt.

– Versucht jemanden zu erwähnen, der bei der Bank arbeitet. Damit zeigt Ihr Recruitern, dass Ihr Leute aus der Branche kennt. Falls Ihr niemanden kennt, dann versucht ehemalige Studenten von Eurer Hochschule per Email zu kontaktieren.

– Schreibt über Eure absolvierten Praktika und andere Aufgaben, die mit der Position in Verbindung stehen. Dabei besteht die Pointe darin, dass Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlasst.

2. Phase: Die erste Runde

Eine weitere Besonderheit am Recruitment-Prozess von Goldman Sachs besteht in den Vorstellungsgesprächen. Anstatt nach London zu gehen, landen Bewerber aus Kontinentaleuropa normalerweise in den Ländergesellschaften. Die erste Runde findet üblicherweise in gemieteten Räumlichkeiten statt, um alle Kandidaten an demselben Tag empfangen zu können.

Die erste Runde besteht in einem Vorstellungsgespräch, das sich um Kompetenzen dreht. Soweit es möglich ist, sprechen Kandidaten mit einem Associate, der von der gleichen Hochschule stammt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kandidaten die grundlegenden Finanz-Konzepte kennen, die sie während des Praktikums benötigen: Bewertungsmethoden, die verschiedenen Phasen eines IPO und eines M&A-Deals usf. Mein Vorstellungsgespräch war nicht allzu technisch ausgerichtet, obgleich einiges recht knifflig war. Mein einziger Tipp besteht darin, am Ende selbst Fragen zu stellen. So habe ich beispielsweise meinen Gesprächspartner über dasjenige gefragt, was er an seinem Job am meisten mag.

3. Phase: Die zweite (und abschließende) Runde

Die abschließende Runde bestand aus zwei Vorstellungsgesprächen. Diese fanden in den Büros des Unternehmens statt. Dabei fielen beide ziemlich ähnlich aus. An beiden nahmen zwei Vertreter des Arbeitgebers teil, wobei diejenigen des zweiten meistens mehr senior waren. Die Vorstellungsgespräche können hierbei recht knifflig ausfallen. Sie bestehen aus einer Mischung aus Motivations-Fragen wie „Was treibt Sie hierher?“ oder „Wo haben Sie sich noch beworben?“ und Denkaufgaben wie „An Wimbledon nehmen 123 Spieler teil. Die Spieler scheiden nach einem verlorenen Spiel aus. Wie viele Runden gibt es bis zum Ende des Turniers?“ Dabei ist es am wichtigsten, dass Ihr die Ruhe behaltet. Falls Ihr die Antwort nicht wisst, dann besteht die Ultima Ratio darin, nach Papier und Stift zu fragen, um die Berechnungen schriftlich auszuführen.

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