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INTERVIEW: Karrieretipps von einem russischen Trader, der für UBS und Deutsche Bank gearbeitet hat

Mystery man

Wann und wieso haben Sie Russland verlassen?

Im Alter von 16 Jahren bin ich gemeinsam mit meinen Eltern, die Wissenschaftler sind, in die Schweiz gezogen. In den frühen 90er Jahren gab es einen Trend zur Emigration. In der Schweiz schloss ich ein Studium der theoretischen Mathematik ab und promovierte in den USA in Umweltökonomie, wobei ich ein Stipendium erhielt. Weiter arbeitete ich drei Jahre lang in Afrika an einem makroökonomischen Analyse-Projekt für ein Land, welches zu jener Zeit mit dem Weltwährungsfonds verhandelte. Als das Projekt beendet war, wusste ich nicht, was ich als nächstes unternehmen sollte und ging zu meiner Frau nach London, die dort gerade mit einer Promotion begonnen hatte.

Wie sind Sie in Finance gelangt?

Mir reichte es, arm zu sein. Ich las ein paar Bücher, wozu Timothy Falcons Cracks „Heard on the street“ und John Hulls „Options, Futures and other Derivatives“ zählten. Dann ging ich zu Vorstellungsgesprächen in quantitativer Analyse und wurde recht schnell von der UBS angeheuert, wo ich vier Jahre lang blieb. Dank meiner Frau erhielt ich auch eine Arbeitserlaubnis.

Wie konnten Sie die Aufmerksamkeit von Recruitern auf sich ziehen, obgleich Sie ein Außenseiter waren?

Ich suchte nach offenen Stellen, indem ich ein auf Quants spezialisiertes Diskussionsforum nutzte. Darüber hinaus entwickelte ich eine schicke Website, auf der ich die typischen Fehler von Tradern zusammenstellte, wie sich sie auf verschiedenen Diskussionsforen gesehen hatte, und erklärte, worin die Fehler bestanden. Dies half mir dabei, meinen Namen bekannt zu machen.

Wie ging es anschließend mit Ihrer Karriere voran?

Die ersten zwei Jahre liefen recht gut, doch dann machte der Mann, der mich eingestellt hatte, einen eigenen Hedgefonds auf, und die Dinge begannen, langsam den Bach herunterzugehen. Als die UBS Anfang 2009 entschied, keine Boni zu zahlen, verließ praktisch jeder – der gut genug war – innerhalb von sechs Monaten die Bank, mich eingeschlossen. Die Bank brauchte etwa drei Jahren, um sich wieder zu erholen, aber letztlich hat sie sich de facto entschieden, ihre Investmentbanking-Aktivitäten dicht zu machen.

Um meinen zweiten Job zu finden, brauchte ich viel länger. Ich wollte den Sektor wechseln und ging vom Aktien- in den Währungshandel. Allerdings stellte es eine größere Herausforderung dar, einen Headhunter davon zu überzeugen, mich zu Vorstellungsgesprächen für Jobs zu schicken, für die ich keine Berufserfahrung mitbrachte. Ich verbrachte täglich über fast ein halbes Jahr mehrere Stunden in Gesprächen. Schließlich erhielt ich ein Angebot von der Deutschen Bank.

Was half Ihnen dabei, den Sektor zu wechseln?

Ein Jahr zuvor ließ ich eine Headhunterin ein Vorstellungsgespräch arrangieren, obgleich die Stelle mir nicht sonderlich interessant erschien. Doch ich hinterließ einen sehr guten Eindruck bei den Gesprächspartnern und sie sprachen gegenüber der Recruiterin in höchsten Tönen von mir. Fortan zögerte sie nicht, mich zu anderen Vorstellungs-Gesprächen für FX bei anderen Unternehmen zu schicken.

Wie sehen die typischen Fallstricke für Leute mit Ihrem Hintergrund aus, wenn sie auch der Arbeitssuche sind?

Viele Quants wissen nicht, wie Märkte strukturiert sind. Sie können komplexe Modelle aufstellen und sind in Mathe gut, aber ihnen fehlt das Verständnis dafür, wie ihre Modelle das Geschäft des Unternehmens beeinflussen. Dies bedeutet, dass ihnen andere Spezialisten an die Seite gestellt werden müssen, was wiederum ihren Marktwert deutlich schmälert. Ich war ein völliger Anfänger, als ich zur UBS kam, aber ich verbrachte eine Menge Zeit mit Leuten aus anderen Abteilungen und lernte dabei, wie das Unternehmen funktionierte. Dann nutzte ich Vorstellungsgespräche, um Informationslücken zu füllen. Da die in Vorstellungsgesprächen gestellten Fragen sich mehr oder weniger gleichen, haben Sie nach drei misslungenen Gesprächen die Zeit, um nachzudenken und beim vierten Gespräch die richtigen Antworten zu geben.

Was können Sie Jobsuchenden raten?

Es ist ziemlich einfach, seinen ersten Job bei einer Bank zu bekommen, sei es durch persönliche Kontakte oder über ein Traineeprogramm. Im zweiten Fall werden Sie als eine billige Arbeitskraft eingestellt, und es wird nicht erwartet, dass Sie besonders viele Kenntnisse mitbringen. Der Trick besteht darin, Begeisterung zu zeigen.

Für den zweiten Job ist es besser, sich an einen Recruiter zu wenden. Wenn Sie an demselben Desk für mehr als ein Jahr sitzen, dann finden diese Sie von selbst. Fragen Sie Freunde und Bekannte nach anständigen Recruitern. Bei einem anständigen Recruiter handelt es sich um jemanden, der Ihren Lebenslauf nicht ohne ihr ausdrückliches Einverständnis an die ganze Welt versendet. Die Bankenbranche ist in dieser Hinsicht besonders streng: Falls ein Recruiter Ihren Lebenslauf für die falsche Stelle an die Bank geschickt hat, dann wird die Bank Sie auch nicht für andere Stellen in Betracht ziehen. Ein Flächenbombardement mit Lebensläufen mag für die Recruiter recht gut funktionieren, doch für die Kandidaten ist es fatal.

Würden Sie zurück nach Russland gehen?

Für mich stellt es keinen großen Unterschied dar, wo ich arbeite. Entscheidet ist vielmehr, welche Erträge meine Arbeit generiert. Die größte Herausforderung für eine Karriere besteht darin zu beweisen, dass Sie unter den bestehenden Bedingungen dem Unternehmen einen Mehrwert leisten können und dass Sie Ihre Rolle im Geschäft deutlich machen. Wie viel Erträge Sie für die Bank generieren, entscheidet letztlich darüber, ob Sie befördert werden, bleiben oder gekündigt werden. An der Höhe des Bonus lässt sich die Bereitschaft der Bank ablesen, ob Sie auch im folgenden Jahr für sie arbeiten sollen. Ich schaue mich nicht nach einem neuen Job um, da ich in meiner aktuellen Position reichlichen Chancen sehe, meine Ambitionen umzusetzen.

Wie lautet Ihre Rat für Leute, die in diesem Jahr nach einem neuen Job suchen?

Ich denke, dass es im laufenden Jahr sehr schwer fällt, einen zweiten oder dritten Job zu finden. Dazu verkleinern zu viele Banken ihre Investmentbanking-Aktivitäten. Mein Rat besteht darin, dies auszusitzen. Doch es ist nie zu früh, um eine Beziehung zu einem Recruiter aufzubauen.

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