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Nach der Muppet-Show: Goldman Sachs verbietet Wochenendarbeit, um den Kampf um Talente nicht zu verlieren

Anders als bei Goldman Sachs löst Kermit, der Star aus der Muppet-Show, bei US-Präsidentengattin Michelle Obama und den kleinen Fans große Begeisterung aus.

Anders als bei Goldman Sachs löst Kermit, der Star aus der Muppet-Show, bei US-Präsidentengattin Michelle Obama und den kleinen Fans große Begeisterung aus.

Nachdem die Investmentbank Goldman Sachs kürzlich für reichlich Negativschlagzeilen gesorgt hat, versucht Deutschland-Chef Alexander Dibelius jetzt gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung positive Nachrichten zu verbreiten. So hat Goldman Sachs in Deutschland kurzerhand die Sonntagsarbeit verboten.

Durch den Schritt will die Investmentbank im Kampf um Talente auch weiterhin die Oberhand behalten. „Wochenendarbeit muss genehmigt werden,“ sagte Dibelius. Nur noch in extremen Situationen solle am Samstag gearbeitet werden. „Wir sind keine Maschinen“, ergänzte der Deutschlandchef.

Das eigentliche Problem sind die Arbeitszeiten nach Mitternacht

„Die Investmentbanken haben nicht nur ein Überarbeitungsproblem, sondern das hat auch schon zu gesundheitlichen Problemen geführt“, erzählt die Headhunterin und ehemalige Investmentbankerin Sabrina Tamm von financial talents in Frankfurt. Dabei gehe es um Arbeitszeiten nach Mitternacht und am Wochenende, was besonders die ersten beiden Karrierestufen Analyst und Associate beträfe.

Daher hat Tamm für Dibelius’ Ankündigung Beifall parat: „Ich finde, das ist eine großartige Maßnahme.“ Allerdings habe Goldman Sachs in Deutschland aus dem gleichen Grund im vergangenen Jahr bereits die Arbeit nach Mitternacht ohne „Sondererlaubnis“ verboten, was nicht lange Bestand gehabt habe.

Laut dem Frankfurter Executive Search Consultant und früheren Sales-Mitarbeiter bei Goldman Sachs Deutschland Sina Schahram-Nia von Everest Principals würden die Arbeitszeiten unterschiedlich ausfallen. „Die horrenden Arbeitszeiten sind vor allem in M&A verbreitet, wo in Projekten gearbeitet wird, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt beendet werden müssen,“ berichtet Schahram-Nia. „Ich habe in Sales/Trading gearbeitet. Dort ist das Geschäft marktgetrieben und irgendwann sind die Märkte geschlossen wie z.B. am Wochenende“, sagt der frühere Goldman-Mitarbeiter.

Entschädigen sinkende Gehälter für ausufernde Arbeitszeiten?

Da die Regulierungsbehörden die Anforderungen an das Eigenkapital im Investmentbanking heraufgesetzt haben, wird die Eigenkapitalrendite laut einer Studie der Strategie-Beratung McKinsey branchenweit empfindlich sinken. Auch die geplante schärfere Regulierung des außerbörslichen Derivatehandels könnte nach der Financial Times Deutschland die Margen belasten. Damit dürften künftig auch die Vergütungen nicht mehr so üppig wie in der Vergangenheit ausfallen.

Schahram-Nia rechnet damit, dass der Opportunitätkosten-Effekt eine Rolle spielen wird. Falls die Gehälter und Boni künftig sinken sollten, stelle sich die Frage, ob diese dann noch die Schattenseiten des Investmentbankings kompensieren würden. Allerdings geht der Executive Search Consultant davon aus, dass die Investmenbanking-Gehälter auch in Zukunft höher als in der Realwirtschaft liegen werden.

Rapider Ansehensverlust bedroht Attraktivität des Investmentbankings

Vielmehr könnte der rapide Ansehensverlust der Branche nachteilige Auswirkungen auf den Kampf um Talente haben. „Früher war die Arbeit bei einer Investmentbank sehr angesehen und heute stellt es oft einen Makel dar. Viele junge Talente sagen sich, ich möchte nicht in dieser Branche arbeiten“, sagt Schahram-Nia. Für die jüngere Generation spielten Themen wie Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle.

So hatte kürzlich ein offener Brief des ehemaligen Goldman Sachs-Mitarbeiters Greg Smith in der New York Times für Furore gesorgt. Demnach würden Führungskräfte der Bank Kunden als „Muppets“ (Deppen) bezeichnen und nur versuchen, so viel Geld wie irgendmöglich aus den Kunden herauszupressen. Seither lässt Goldman sämtliche Emails nach dem Wort „Muppets“ durchleuchten. Den betroffenen Mitarbeitern dürfte reichtlich Ärger ins Haus stehen.

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