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GASTKOMMENTAR: Vor drei Jahren habe ich bei Finanzdienstleistern in New York, London und Paris gearbeitet und heute zähle ich zu den neuen Armen

Feeling down about prospects

Feeling down about prospects

Bis 2008 gehörte ich zur Elite. Ich arbeitete als Banker in New York sowie in London und Paris als Fondsmanager und Trader. Und dann verlor ich meinen Job. Seit dieser Zeit hat sich meine berufliche und mentale Situation massiv verschlechtert. Trotz aller meiner Anstrengungen, meine Probleme in den Begriff zu bekommen, war ich nicht erfolgreich.

Ich habe versucht, zurück in den Finanzdienstleistungs-Arbeitsmarkt zu gelangen und das gelang mir auch – allerdings nur für kurze Zeit. Ich habe auch eine Reihe kleinerer Jobs wie Telefonverkäufer und Sushi-Auslieferung übernommen und war ebenfalls erfolgreich – doch wiederum nur kurz. Und jetzt sitze ich in Paris fest, arbeitslos, mit einer Arbeitslosenunterstützung von 460 Euro im Monat.

Sicher würde ich gerne wieder in den Finanzdienstleistungen arbeiten. Doch niemand scheint gewillt zu sein, mir eine Chance zu geben. Wenn ich meinen Lebenslauf versende, dann erhalte ich eine Reihe von Absagen: Einige Leute ignorieren meine Bewerbung einfach, andere sagen, ich sei überqualifiziert, bringe zu viel Berufserfahrung mit oder sie haben gerade jemanden für eine Stelle eingestellt, für die ich geeignet wäre.

In Frankreich stellt es eine Realität dar, dass Arbeitslosigkeit wie ein Makel oder Syphilis betrachtet wird. Daher herrscht hier eine regelrechte Angst vor Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosen sind wie die Kaste der Unberührbaren in Indien. Aus diesem Grund wird einem auch keine zweite Chance gegeben. Vielmehr ist Frankreich eine Gesellschaft von risikoaversen Beamten. Niemand möchte mit einem Arbeitslosen in Verbindung gebracht werden, aus Furcht, sich das Gleiche einzufangen und ebenfalls arbeitslos zu werden.

Ich habe damit zu kämpfen, mich zusammenzureißen. Nachdem ich anfangs meinen Job verloren hatte mit einem minimalen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung (da mein früherer Arbeitgeber mich fälschlicherweise der Nachlässigkeit bezichtigt hatte), habe ich mich selbst dem Alkohol ergeben und habe mich für ein Jahr in der Welt herumgetrieben. Jetzt besuche ich die Treffen der Anonymen Alkoholiker, laufe 20 Kilometer am Tag und versuche, nie wieder in Depressionen zurückzufallen. Doch es ist hart: Ich bin hochverschuldet und inmitten eines Prozesses mit meiner Exfrau.

Somit suche ich immer noch nach einem Job, aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich falls ich einen finden sollte, dieser außerhalb Frankreichs sein sollte. Meine finanziellen Verpflichtungen (Steuern, Pensions-Verpflichtungen und Schulden) machen es mir sehr schwer, hier zu leben. Dennoch bin ich mir nicht sicher, wo auf der Erde es wirklich besser ist. Andererseits kann ich in Frankreich bleiben und versuchen, meinen Namen gegenüber meinem ehemaligen Arbeitgeber wieder reinzuwaschen, bei dem ich den Verdacht hege, dass er sich Sorgen macht, dass ich die Sache gerichtlich aufarbeiten lassen könnte. Doch um meinen Namen wieder reinzuwaschen, bräuchte ich einen Anwalt und Anwälten kosten wiederum Geld, was ich nicht habe.

Falls jemand Ratschläge für mich hat, dann wäre ich hierfür dankbar.

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