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Burnout bei Bankern: Macht die Bonuskultur krank?

“Beim Burnout ist oft das Unternehmen der Patient und der Mitarbeiter nur der Symptomträger”, meint Dr. Janos Allbrecht von ECO Burnout-Coaching in Bad Homburg. Der Facharzt für psychotherapeutische Medizin zählt zu seinen Patienten auch eine Vielzahl von Führungskräften aus den Frankfurter Bankentürmen.

“Die unsägliche Bonusmentalität ist ein großes Problem”, sagt Albrecht mit Hinblick auf die Finanzdienstleister. So sorgen die Vorgaben – gerade auch im Investmentbanking – für einen immensen Druck. “Wenn man nicht den Erfolg bringt, dann ist man verbrannt’. Durch die Bonusmentalität geht die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns verloren”, kritisiert der Arzt.

Kontrollverlust am Arbeitsplatz als Hauptursache

“Hauptursache für Burnout ist der Kontrollverlust am Arbeitsplatz”, erklärt der Mediziner, der 20 Jahre Erfahrung im Burnout-Coaching mitbringt. Die Betroffenen sind vor allem Perfektionisten. Die Leute sind nur noch auf ein Ziel ausgerichtet, das es bedingungslos zu erfüllen gelte. Falls es dann zu Schwierigkeiten komme, seien seelische und körperliche Folgen vorprogrammiert. “Ein Perfektionist kann das Erreichbare vom Unerreichbaren nicht unterscheiden”, ergänzt Albrecht.

Dr. Janos Albrecht

Anzeichen seien Nervosität, Schlaflosigkeit, Denkblockaden, starke Gefühlsschwankungen bis hin zu nachlassender Libido. So lange sich die Probleme auf das Berufsleben beschränkten, gilt das Motto: “Indianer kennt keinen Schmerz.” Doch sobald die Folgen des Burnouts in das Privatleben vordringen, der Lebenspartner vielleicht sogar Trennungsabsichten ins Spiel bringt, dann sei oftmals die Grenze erreicht und auch Leistungsträger begännen, nach professioneller Hilfe zu suchen.

“Die meisten kommen aus dem Investmentbanking”

Von den Kreditinstituten seien vor allem Großbanken betroffen, wo viel Anonymität und auch eine gewisse Ellenbogenmentalität herrsche. Dagegen hätten die “kleineren und feineren Privatbanken” offenkundig eine menschlichere Unternehmenskultur. Doch auch bei den Geschäftssparten gibt es Unterschiede, sagt Albrecht: “Die meisten kommen aus dem Investmentbanking.”

Auch das Führungspersonal sei überproportional betroffen. “Desto höher das Management, desto dünner die Luft”, resümiert der Experte. Dort gebe es große Hemmungen, sein Herz gegenüber Untergebenen oder gar Vorgesetzten auszuschütten aus Furcht, das eigene Gesicht zu verlieren.

Laut Albrecht hätten auch viele Banken das Problem erkannt und offerierten ihren Führungskräften therapeutische Unterstützung. Manche Häuser unterhielten einen ganzen Pool an Coaches. “Führungskräfte können sich da oft einen Coach aussuchen, doch da ist das Misstrauen groß”, sagt Albrecht. Denn beim Burnout vermischen sich berufliche und private Aspekte, weshalb betroffene ein unabhängiges und anonymes Coaching vorzögen.

Wie kann eine Burnoutprävention aussehen?

Doch niemand ist der Burnoutproblematik wehrlos ausgesetzt. Zunächst gelte es einen Bezug zur Realität zu schaffen. “Dazu ist das persönliche Coaching wichtig, es wirkt wie ein Reflexionsspiegel von außen”, sagt Albrecht. Dies könnten Bücher oder Seminare nicht leisten. Überdies möchten sich die Betroffenen aussprechen.

Die Betroffen müssen lernen, Zeitdruck zu vermeiden, was leichter gesagt als getan ist. “Ich muss lernen, wesentliches von unwesentlichem zu unterscheiden.” In der Priorisierung von Aufgaben und in einer besseren Arbeitsorganisation liege ein wichtiger Schlüssel. Dazu müssten die Betroffen jedoch auch ihre Gewohnheiten überdenken. “Viele Leute identifizieren sich auch nicht mehr so mit der Arbeit”, sagt Albrecht.

Doch der eigene Umgang mit der Arbeitsbelastung ist nur die eine Seite. Denn die eigentliche Wurzel der Burnoutproblematik liege in einer verfehlten Unternehmenskultur, meint Albrecht: “Da muss mehr Wert auf Achtsamkeit und Menschlichkeit gelegt werden.”

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