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GASTKOMMENTAR: Wieso Online-Bewerbungs-Seiten das reinste Ärgernis sind

Image via Wikipedia

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Seit fast zehn Jahren arbeite ich in der Branche. Dennoch bin ich nicht zu alt, um mich an die Bewerbungshölle von Studenten zu erinnern. Falls Sie danach gieren, in den Finanzdienstleistungen zu arbeiten, dann bleibt Ihnen keine Wahl: Sie müssen sich auf den „Karriereseiten“ der Banken bewerben.

Dabei kann alles mögliche schiefgehen, was auch häufig genug eintritt. Falls Sie versehentlich auf den „Zurück-Button“ klicken, dann geht alles verloren, was Sie soeben fleißig eingegeben haben. Das System hat die Angewohnheit zehn Minuten vor der Deadline hängen zu bleiben und die Browser stürzen zufällig ab. Daraus schließe ich, dass die Banken zu viel Zeit in Hochglanzfotos und Videos verschwenden und sich weniger darum kümmern, dass ihre Online-Bewerbungs-Seiten ordentlich funktionieren.

Ich dachte, dass ich als berufserfahrene Arbeitskraft (so die Terminologie der Banken) so etwas niemals mehr durchmachten müsste. Ich dachte, ich müsste nur auf einen speziellen Bereich der Website wechseln und einfach meinen Lebenslauf hochladen und nur so lange warten, bis der Chef persönlich anruft und mich fragt, ob ich dort arbeiten wolle.

Daher war ich recht überrascht, als ich feststellte, dass ich den gleichen digitalen Rekrutierungsprozess bei einem deutlich kleineren aber recht renommierten Unternehmen durchmachen musste. Bei einem Bier hatte ein Exkollege erwähnt, dass dieses Unternehmen gerade ein großes Fundraising abgeschlossen habe. Daher würde nach Leuten mit meinem Background gesucht und er würde gern meinen Lebenslauf direkt an die Personalabteilung weiterleiten.

Ich müsste den Lebenslauf lediglich selbst auf der Website des Unternehmens hochladen, um alle Unterlagen zusammenzuhaben, wie er schläfrig erzählte. Er hoffte, dass dies den Prozess beschleunigen würde, da die HR-Abteilung „nicht gerade erstklassig“ sei. Sicher, warum nicht?

Das erste Alarmzeichen bestand darin, dass die Website kühn behauptete, dass die Firma „das beste eines großen und eines kleinen Unternehmens miteinander verbinde.“ Die Karriereseite fühlte sich – offen gesagt – an, als handle es sich um ein großes, anonymes Unternehmen. Dort gab es ein Menge an Archiv-Fotos von der Themse bei Nacht, mit Wolkenkratzern im Hintergrund. Die Seite war voller klischeebehafteter Recruitment-Phrasen („ein kollegialer Ort zum Arbeiten“, „Ihr Bedürfnis nach Worklifebalance wird respektiert“ und „flache Hierarchien“).

Das hinterließ nicht nur einen bitteren Nachgeschmack bei mir, sondern es schnürte mir geradezu die Kehle zu. Ich ging davon aus, dass der Bewerbungsprozess unkompliziert ablaufen würde. Doch damit lag ich abermals falsch – ich fand mich dabei wieder, wie ich akademische Abschlüsse von vor über zehn Jahren eingab. Dabei war die Website recht schlicht: So erwarb ich keine A-Levels (das britische Abitur), sondern einen anderen internationalen Schulabschluss, der jedoch nicht auf der Website aufgeführt war. Die Jobbeschreibung und die Referenznummer waren ebenfalls nicht aufgelistet, obgleich der Job unter den freien Stellen angezeigt wurde.

Es gab keine Möglichkeit, die Bewerbung zwischenzuspeichern. Als ich dies versuchen wollte, musste ich feststellen, dass ich soeben die Bewerbung abgeschickt hatte. Die einzige Möglichkeit, die Sache wieder einzurenken, bestand in einer Email an das Unternehmen. Es dauerte länger als einen Tag, bis ich eine Antwort erhielt. Wäre es zu aufwändig gewesen, eine Telefonnummer auf der Website zu hinterlassen?

Das Fazit besteht darin, dass derartige Systeme die Kandidaten erniedrigen und verärgern. Während ich vor der Bewerbung einen recht guten Eindruck von dem Unternehmen besaß, hat sich meine Einstellung zwischenzeitlich ins Gegenteil verkehrt. Da ich einen Job habe, ist mir egal, wie die Sache ausgeht. Doch falls dies zu einem Angebot führen sollte, dann hat der Bewerbungsprozess bei mir bereits einen sehr schlechten Eindruck hinterlassen.

Jemanden davon zu überzeugen, seinen Job aufzugeben, wo man interne Unterstützung erfahren hat und Beziehungen aufgebaut hat und in einer neuen Stelle von Anfang an zu beginnen, ist nicht einfach. Denn schließlich dreht sich im Geschäftsleben vieles um persönliche Beziehungen wie etwa diejenige mit meinem ehemaligen Kollegen, der dort arbeitete – nicht jedoch um Datenbank-Server und automatische Emails.

Der Autor arbeitet bei einem Private Equity-Fonds.

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