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Commerzbank setzt Umstrukturierung fort, wird aber auch weiter bei den Personalkosten sparen

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Manch ein Angestellter bei der Commerzbank mag den Kopf hängen lassen. So kann nach einer Mitarbeiterbefragung nur etwa jeder Dritte die Bank seinen Freunden und Verwandten weiterempfehlen. Wenn auch die am heutigen Donnerstag (23. Februar) präsentierten Zahlen dafür sprechen, dass die Bank auf gutem Wege ist, die Umstrukturierungen erfolgreich umzusetzen, geht dies dennoch nicht spurlos an den Mitarbeitern vorbei. Ein Umbau, der aber noch lange nicht abgeschlossen ist.

Gute Nachrichten für den Steuerzahler und schlechte für den Aktionär, das war das Motto der heutigen Bilanzpressekonferenz. Der operative Gewinn des Unternehmens ging nach über einer Milliarde im Vorjahr auf 507 Mio. Euro zurück. Das Kerngeschäft der Bank läuft gut, denn insgesamt konnten dort in 2011 4,5 Mrd. Euro verdient werden, wovon 583 Millionen auf die Investmentsparte entfallen. Als stärkster Bereich stellt sich einmal mehr die Mittelstandsbank der Commerzbank heraus, die mit 1,5 Mrd. Euro nahezu genauso viel verdienen konnte wie im Vorjahr. Der Branchenprimus Deutsche Bank kommt in seiner Investmentbanking-Sparte allein auf 2,9 Mrd. Euro. Allerdings wird das gute Kerngeschäft durch die Nichtkernaktivitäten deutlich eingetrübt. Die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen sind mittlerweile bei 29 Prozent des Originalwertes angelangt und verhagelten so auch das Gesamtergebnis. Nichtkernaktivitäten wie Asset Based Finance fressen mit -3,9 Mrd. Euro die positiven Ergebnisse fast vollständig auf. Als herausragend stark hat sich das Segment Zentral- und Osteuropa gezeigt, wo nach kleinen 53 Mio. in 2010 im abgeschlossenen Geschäftsjahr stolze 483 Mio. Euro verdient wurden.

Die Frage der Eigenkapitalanforderungen durch die EBA scheint so gut wie geklärt

Die Bank hat neben den bereits am 19. Januar angekündigten Maßnahmen einen weiteren Schritt in Richtung Erfüllung der Eigenkapitalanforderungen von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) getan. Neben der Bilanz veröffentlichte die Commerzbank am Donnerstag das Angebot, bislang nachrangiges Anleihekapital in Aktien umzuwandeln. Dabei sollen Anleihen im nominellen Wert von etwa 3 Mrd. Euro in Aktien um 1 Mrd. Euro umgewandelt werden. Der Beschluss über die dazu notwendige Kapitalerhöhung wird am 2. März 2012 erwartet. Im Vorfeld hatte der SoFFin seine Zustimmung dazu verlauten lassen und wird Teile der stillen Einlage in Aktien wandeln, um seine Sperrminorität zu behalten.

Ein interessantes Nebenergebnis vom Jahresabschluss ist, dass die Commerzbank zwar nach IFRS einen Gewinn ausweisen kann, aber nach HGB einen Milliardenverlust verbucht und deswegen erneut keine weiteren Tilgungen der stillen SoFFin-Einlage leistet. Die Maßnahmen zum Eigenkapital, die am 19. Januar nach vorläufigen Zahlen als zum größten Teil erfolgreich erfüllt bezeichnet wurden, konnten durch die endgültigen Zahlen um 500 Mio. Euro übertroffen werden, so dass nunmehr nur noch 1,8 Mrd. Euro fehlen, die eine Milliarde aus der anstehenden Kapitalerhöhung nicht mitgerechnet. Die Commerzbank ist weiter zuversichtlich, die Bedingung bereits zum Juli erfüllen zu können und der Vorstand Martin Blessing gibt sich gewohnt optimistisch: „Unser fest in der Realwirtschaft verankertes kundenorientiertes Geschäftsmodell hat sich bewährt und ist auch in einem herausfordernden Umfeld erfolgreich.“

Auswirkungen der Umstrukturierungen auf die Mitarbeiter

Erwarten Sie nicht zu viel von der Commerzbank, wenn es um Personalfragen geht. Die Commerzbank wandelt nicht nur die variablen Gehaltsteile der nichttariflich bezahlten Mitarbeiter in Eigenkapital um, indem sie sie als Aktien auszahlt, sie spart auch weiter kräftig am Personal. Insgesamt reduzierte die Bank ihre Verwaltungsaufwendungen um weitere 800 Mio. Euro auf etwa 8 Mrd. Euro und strebt für 2012 eine weitere Reduzierung um 400 Mio. Euro an. Der gesamte Personalaufwand ging um 5,4 Prozent oder etwa 225 Mio. Euro auf 4,178 Mrd. Euro zurück. Ein Großteil dieser Reduzierung geht auf Änderungen bei den variablen Vergütungsbestandteilen zurück. Ein gutes Viertel der Einsparungen ist also bei den Mitarbeitern erzielt worden. Allerdings wurde bei anderen Verwaltungsausgaben noch kräftiger gespart, denn der Anteil der Personalkosten an den gesamten Verwaltungskosten ist von 50,4 Prozent in 2010 auf 52,3 Prozent gestiegen.

Der Bereich Investmentbanking konnte – wie bereits erwähnt – 583 Mio. Euro zum operativen Ergebnis beitragen. Im Vorjahr waren es noch 786 Mio. Euro. Die Kosten, um dieses Ergebnis zu erzielen, wurden um 8 Prozent reduziert, wovon sicherlich auch ein guter Teil auf reduzierte Personalkosten entfällt. Alles in allem ist damit zu rechnen, dass die ohnehin schon nicht allzu fürstlich zahlende Bank ihre Gehälter weiter reduzieren wird. Zwar verdient bei der Commerzbank jeder der 59.101 Mitarbeiter im Schnitt etwa 70.000 Euro, doch sieht das im Vergleich zur Deutschen Bank relativ wenig aus, die auf 130.000 Euro pro Kopf kommt (im Investmentbanking werden bei der Deutschen Bank im Mittel sogar 330.000 Euro verdient).

Angesichts der zusätzlichen geplanten Einsparungen in Höhe von 400 Mio. Euro sollte man nicht erwarten, bei der Commerzbank in Zukunft höhere Gehälter zu bekommen, die sich mit denen der Deutschen Bank messen lassen.

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