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800 Mio. Euro für Kirch-Erben: Wie Rechtsrisiken Gewinne und Boni bei der Deutschen Bank aufzehren

Rolf Breuer (rechts) beim Listing der Deutschen Bank-Aktie 2001 in New York.

Rolf Breuer (rechts) beim Listing der Deutschen Bank-Aktie 2001 in New York.

Kurz vor seinem Abgang nach der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 31. Mai 2012 betätigt sich Noch-Bankchef Josef Ackermann als Putzfee im eigenen Hause. Die Deutsche Bank will der 64jährige Schweizer offenbar seinen beiden designierten Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen besenrein überlassen.

Denn jetzt soll laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters auch ein Vergleich zwischen den Erben des verstorbenen Medienzaren Leo Kirch und der Deutschen Bank erzielt worden sein. Demnach wird der deutsche Branchenprimus mindestens 775 Mio. Euro an die Erben für die Aufgabe aller Rechtsansprüche überweisen.

Der Vorstand der Deutschen Bank muss noch zustimmen. „Das ist noch nicht komplett in trockenen Tüchern“, hieß es von einer mit den Verhandlungen vertrauten Person. Von der Deutschen Bank war unterdessen keine Bestätigung der Nachricht zu erhalten.

Millionen für einen unbedachten Satz

Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit der damaligen Kirch-Gruppe öffentlich angezweifelt. Damals verkündete Breuer: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Seither wurden die deutschen Gerichte von den andauernden Rechtsstreitigkeiten zwischen Kirch und Deutscher Bank ähnlich heimgesucht wie das deutsche Fernsehen von der Lindenstraße. Mit der Einigung würde endlich die Klappe über dieser Endlosserie fallen.

Anlässlich der Vorlage der Geschäftszahlen 2011 sagte Ackermann denn auch vor zehn Tagen: „Es gibt zwei Typen von CEOs: Die ersten stellen am Ende alles gut dar und gehen mit Jubelgesang von dannen. Die anderen sagen: ich will ein intaktes Haus hinterlassen.“ Ackermann ließ natürlich keine Zweifel aufkommen, zu welchem Typ er sich selbst rechnet.

Doch für die Aktionäre und Mitarbeiter bedeutet dies noch lange keine Entwarnung. Denn spätestens seit dem Ende der Finanzkrise werden die Gewinne der Deutschen Bank zunehmend von Geldzahlungen aus Rechtsstreitigkeiten belastet. Die fallenden Gewinne des deutschen Branchenprimus sind längst nicht mehr nur dem Marktrisiko oder der Staatsschuldenkrise geschuldet, sondern auch dem Rechtsrisiko.

900 Mio. Euro musste die Bank für Rechtsstreitigkeiten in 2011 auf den Tisch blättern

So hatten Rechtsstreitigkeiten das Geschäftsergebnis 2011 nach Angaben Ackermanns bereits um fast 900 Mio. Euro belastet. „Es gibt immer wieder Einzelfälle, wo man entweder etwas falsch gemacht hat oder wo eben die Interpretation heute anders ist, als vor der Finanzkrise“, sagte Ackermann und ergänzte: „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren noch das eine oder andere auf uns zukommt.“

Doch schon die rund 800 Mio. für die Einigung mit den Kirch-Erben dürfte der Deutschen Bank das Ergebnis für 2012 gründlich verhageln, bevor das Jahr richtig begonnen hat. Überdies sollen die Ergebnisse für Januar – nach eigenen Angaben – bereits schlechter ausgefallen sein als im Vorjahr.

Weiter stehen Milliarden-Risiken aus Rechtsstreitigkeiten über die Verbriefungen von US-Hypotheken aus. Zwar will die Deutsche Bank ihren Rechtsstandpunkt jenseits des Atlantiks „mit allen Mitteln“ verteidigen. Doch ähnlich martialische Äußerungen wurden in den zurückliegenden zehn Jahren auch gegenüber Kirch vernommen. Dies sind keine guten Aussichten für die Gewinn- und die Bonusentwicklung 2012 – und dabei sind Marktrisiken noch nicht einmal berücksichtigt.

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