☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Die Licht- und Schatten-Seiten des Lebens am Finanzplatz Luxemburg

In Luxemburg ist das Land niemals weit entfernt.

In Luxemburg ist das Land niemals weit entfernt.

Bei diesem Gastkommentar handelt es sich um ein französisches Statement zu zwei Beiträgen über die Attraktivität des Standorters Luxemburg für Finanzprofis:

Ich habe mich köstlich über den Gastbeitrag und den darauf folgenden Kommentar amüsiert.

Um es kurz zu machen: Gegen Ende meines Studiums habe ich ein Praktikum in Luxemburg gefunden und ich bin dort vier Jahre geblieben – dafür war die Krise verantwortlich, aber nicht allein. Es ist nicht alles Schwarz oder Weiß, doch um die Sache einfacher zu machen nenne ich ….

… hier die positiven Punkte:

Die Stadt hat mit 80.000 Einwohnern eine übersichtliche Größe. Im Allgemeinen fällt es sehr leicht, einen Job zu finden (viel leichter als in Frankreich, besonders für Einsteiger. Um einen Job im Frontoffice zu erhalten, braucht man natürlich einige Kompetenzen). Die Gehälter liegen üblicherweise über dem, was man andernorts findet (gar nicht erst zu sprechen von den sehr niedrigen Einkommenssteuern und den Lebenshaltungskosten, die deutlich unter denen von z.B. Paris liegen, was besonders für die Wohnungen gilt). Es gibt außerordentliche Sozialleistungen und man lebt verhältnismäßig nah an Paris, Brüssel und Deutschland. Falls Sie ein Naturliebhaber sind, Bäume und Grün lieben, dann befinden Sie sich am richtigen Ort!

… und hier die negativen Punkte:

Eine Stadt von übersichtlicher Größe. Tatsächlich kann man sich die Innenstadt innerhalb von einer Stunde ansehen. Innerhalb eines Monats kennen Sie sämtliche Läden, Bars etc. Ich betone das Sprichwort von der „Luxemburg-Depression“, das alles umfasst und für Sonntage oder auch die gesamte Woche gilt. Zum Wetter fasse ich mich kurz, obwohl ich darüber zwei Seiten schreiben könne: Die schönen Sommer sind sehr angenehmen, allerdings dauern sie allenfalls zwei Monate und diese fallen ausgerechnet in die Urlaubszeit. Auf der anderen Seite dauert der Winter mindestens sechs Monate mit allen seinen Auswirkungen: Regen, Wind, Schnee, Eis, überflutete Straßen und das Salz, das Ihre teuren Schuhe innerhalb von vier Tagen ruiniert. Kurz, ich habe meine Studienzeit in Lille und Nordfrankreich verbracht – im Vergleich zu Luxemburg handelt es sich dabei um die Côte d’Azur. Darüber hinaus fällt es äußerst schwer, einen Kontakt zu Luxemburgern aufzubauen. Denn diese sind gegenüber den bösen Ausländern nicht sonderlich aufgeschlossen, die kommen, um Ihnen die Arbeit zu „stehlen“ – das gilt besonders für die Busfahrer. Ansonsten, wenn Sie die Vielfalt lieben, dann sind Sie hier fehl am Platz. Am Abend heißt es vielmehr:

“Hallo, ich bin so etwas wie ein Steuerberater.
– und ich bin so etwas wie ein Wirtschaftsprüfer bei PwC.
– OK, und ich arbeite im Backoffice bei BNP Paribas.

– Super, ich wollte gerade jemanden danach fragen, was er von der jüngsten Überarbeitung der Software von SAP hält….“

Sie sollten also am besten mit einen Gruppe von Freunden hierher ziehen. In Bezug auf die Arbeit hängt alles davon ab, was Sie suchen. Doch es gibt einige Ausnahmen: Es handelt sich hauptsächlich um das Backoffice der europäischen Finanzindustrie. Die Jobs zählen üblicherweise nicht zu den aufregendsten der Welt.

Ich selbst bin dort vier Jahre geblieben. Mittlerweile arbeite ich in Südamerika und bedauere meine Entscheidung, Luxemburg zu verlassen, keine Minute. Denn der Großteil meiner Freunde, die in Luxemburg arbeiteten, sind ebenfalls weggezogen. Doch lassen Sie uns ehrlich sein: Es gibt auch einige, denen es dort gefällt.

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier