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Boni um 50 Prozent gekürzt: Wer bei der Credit Suisse weint und wer lacht

Der Zürcher Paradeplatz - das Herz der Schweizer Finanzwirtschaft.

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Der Vorsteuergewinn ist bei der Credit Suisse zu Tale gerauscht wie eine Lawine an einem lauen Frühlingstag, womit die wenigsten Analysten im Vorfeld gerechnet hatten. So brach der Vorsteuergewinn in 2011 um 60 Prozent auf 2,749 Mrd. Franken ein, wie CS-Chef Brady Dougan bei der Vorlage der Geschäftszahlen am heutigen Donnerstag (9. Februar) eingestehen musste.

Entsprechend zog Dougan die Reißleine: Offiziell soll der Pool der erfolgsabhängigen Boni um 41 Prozent auf 3 Mrd. Euro verringert werden. Die Geschäftsleitung muss sogar ein Minus von 57 Prozent verkraften.

Doch bei einem genaueren Blick scheint das Streichkonzert ein wenig größer auszufallen. Denn in dem Bonuspool sind 500 Mio. Franken für das „Partner Asset Facility 2“ enthalten, mit dem Boni an die Spitzenkräfte der Bank vom Managing Director aufwärts teilweise entlohnt werden. Doch diese 500 Mio. Franken muss die Bank lediglich auf den Tisch blättern, falls dieses„PAF 2“ tatsächlich Verluste einfahren sollte. Ohne diesen Effekt hat die Credit Suisse den Bonuspool sogar um 50 Prozent auf 2,5 Mrd. Franken zusammengestrichen.

Investmentbanker: Riesengehälter und Minigewinne

Für das Desaster sind vor allem die 20.900 Investmentbanker des Hauses verantwortlich. Denn bei der ehemaligen Köndigsdisziplin des modernen Bankings brach der Vorsteuergewinn in 2011 gegenüber dem Vorjahr um stolze 98 Prozent auf 79 Mio. Franken ein. Jeder Investmentbanker trug zum Vorsteuergewinn also durchschnittlich nur 3780 Franken bei – das ist so mancher Imbissbuden-Beschäftigte erfolgreicher. Die Kostenertragsquote lag entsprechend bei miserablen 98,6 Prozent.

Unter diesen Voraussetzungen haben die Investmentbanker einen guten Schnitt gemacht. Denn der Personalaufwand pro Kopf purzelte lediglich um 17,5 Prozent auf etwa 319.000 Franken. Im vierten Quartal fielen die Personalkosten sogar mit insgesamt 1,364 Mrd. Franken höher als die Erträge mit 1,251 Mrd. Franken aus.

Asset Management: Erfolg wird nicht belohnt

Die Asset Manager waren indes die einzige Sparte des Hauses, die in 2011 besser als im Vorjahr abschnitten. Der Vorsteuergewinn legte um 10 Prozent auf 553 Mio. Franken zu. Jeder 2700 Mitarbeiter generierte mithin einen Vorsteuergewinn von durchschnittlich rund 205.000 Franken, was das 54fache der Kollegen aus dem Investmentbanking ausmacht.

Trotz dieses Erfolgs setzte die Credit Suisse auch in dieser Sparte den Rotstift an. Der durchschnittliche Personalaufwand pro Kopf verringerte sich um 7,5 Prozent auf gut 345.000 Franken, was gut 25.000 Franken mehr als im Investmentbanking waren. Die Kostenertragsquote verbesserte sich somit von 78,4 auf 74,2 Prozent.

Private Banking: Der Goldesel des Hauses

Das große Geld wurde bei der Credit Suisse in 2011 allerdings im Private Banking erwirtschaftet. Doch auch dort gab der Vorsteuergewinn um 31 Prozent auf 2,348 Mrd. Franken nach, womit jeder der 25.200 Mitarbeiter einen Vorsteuergewinn von gut 93.000 Franken beitrug, was fast das 25fache eines Investmentbankers darstellt.

Der Personalaufwand pro Kopf verringerte sich indes nur um minimale 1,2 Prozent auf gut 185.500 Franken. Diese Werte sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da diese Sparte nicht nur das Wealth Management, sondern auch das Schweizer Retailgeschäft der Bank umfasst. Die Kostenertragsquote verschlechterte sich von 70,4 auf 77,4 Prozent.

Obgleich der Personalaufwand in sämtlichen Geschäftsbereichen gesunken ist, dürften die Investmentbanker des Hauses die besten Gründe zum Lachen zu haben. Denn bei einer Kostenertragsquote von 98,6 Prozent und einem Vorsteuergewinn von 79 Mio. Franken kann sich ein Personalaufwand pro Kopf von 319.000 Franken durchaus sehen lassen.

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