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GASTKOMMENTAR: Fast alle Leute hassen Banker und leihen sich doch gern Geld von ihnen

Bankers are not monsters

Selten liegt das Research bei Investmentbanken richtig. Doch 2005 und 2006 veröffentlichte die Citigroup zwei berüchtigte Studien, die die Bank seither verschwinden lassen wollte. Dennoch können Sie diese im Internet finden, wenn Sie nur intensiv genug danach suchen. Darin postuliert der Verfasser Ajay Kapur, dass die Reichen dabei sind, die Welt zu übernehmen und er gibt den Lesern Ratschläge, wie sie in dieses Thema investieren können, um so selbst reich zu werden. Die Ironie ist mir dabei nicht verborgen geblieben.

Hier der Grundgedanke: Laut Kapur hilft die Art und Weise, wie die Plutokraten ihre Geld ausgeben, tatsächlich dabei, die Volkswirtschaften zu stärken. Dagegen könnte man vorbringen, dass es sich um einen Fall handelt, „wenn das Lamm selbst zum Schlachter geht“. Wieso sollte eine Bank ihren Namen auf eine Studie setzen, in der schlecht von Super-Reichen gesprochen wird? Dennoch könnte hierin ein Körnchen Wahrheit stecken: Meiner Erfahrung nach sind die Super- (oder auch nur relativ) Reichen eine wichtige Geldquelle für alle Leute aus ihrem Umfeld. Wie das?

So habe ich einen Bruder, dessen Hypothekenanzahlung ich bezahlt habe. Dann gibt es den Onkel, der – kreidebleich – zu mir kam und sich sorgte, dass seine Rente in 2008 ausgelöscht worden sei (Das war nicht der Fall, aber er hatte keine Ahnung von Finanzen, so dass ich die einzige Person war, von der er sich Rat versprechen konnte.) Oder der Freund von der Uni, der sich brav für die Arbeit im Maschinenbau entschied, im Gegensatz zum Rest des Jahrgangs, der in den Finanzdienstleistungen anfing. Er bat mich schüchtern, ihm ein wenig Geld für die Flitterwochen zuzustecken.

Ich brauche Ihnen sicherlich nicht zu sagen, dass Banker von der Masse der Bevölkerung geschmäht werden. Wie die Aufregung um den für einen CEO niedrigen Bonus für RBS-Chef Stephen Hester zeigt, stellt eine dicke Haut heutzutage eine Voraussetzung dafür dar, in den Finanzdienstleistungen zu arbeiten. Es ist nicht persönlich gemeint, doch Printmedien befinden sich seit langem im Niedergang und müssen alles Mögliche tun, um die Ausgabe zu steigern und auch das Fernsehen ist ebenso skrupellos.

Dennoch finde ich es viel schwieriger, Kritik von meinen engsten Freunden und meiner eigenen Familien einzustecken. Besonders wenn sie vor nicht allzu langer Zeit zur mir, dem „reichen Banker“, kamen und die Hand offen hielten. Das hat schon ein wenig von Heuchelei an sich. Der Freund, dessen Flitterwochen ich subventioniert hatte, fühlte sich ermutigt, die Nase über mich zu rümpfen: „Wir Ingenieure verdienen nicht halb so viel wie ihr Finanzleute, aber wenigstens bleibt uns ein Privatleben, über das wir sprechen können.“ Das ist nett.

Es scheint, dass sie alle eine derartige Hirnwäsche durch die Medien hinter sich haben, dass sie sich alle gegen mich wenden. Und ich bin nicht allein: Bei einem Treffen von Uniabsolventen kürzlich, die bei uns einsteigen, habe ich von allen Seiten die gleiche Geschichte gehört.

Die jungen Leute, die z.B in der Londoner City arbeiten, verdienen viel mehr, als es ihre Eltern jemals taten, und zahlen auch noch die Schulden ihrer Eltern ab. Von Schuld geplagt, sind wir uns bewusst, dass es sich genau umgekehrt zu unseren Altersgenossen aus anderen Branchen verhält, die sich von Ihren Eltern aus der babyboomer Generation Geld leihen und noch mehr Geld für ihre Hypothekenanzahlung haben wollen. Wir sind nicht die Norm und wir sind uns dessen schmerzlich bewusst. Doch wir arbeiten hart und wir machen vieles gut, indem wir nett und großzügig zu den Leuten sind.

So, kann bitte jemand den Lynchmob von Dorfbewohnern mit ihren Mistgabeln zurückrufen?

Der Autor arbeitet im Asset Management in London.

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